Rohstoff-Risiko im Nahen Osten
So gerät Österreichs Wirtschaft durch Hormus-Blockade indirekt unter Druck

| Tobias Seifried 
| 22.03.2026

Eine Sperre der wichtigen Transportroute gefährdet den Welthandel massiv. Während Asien direkt betroffen ist, drohen Österreich laut einer aktuellen Studie vor allem indirekte Folgen.

Die Straße von Hormus fungiert als eine der zentralen Schlagadern des Welthandels, insbesondere für den globalen Ölmarkt. Eine aktuelle Untersuchung des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII), des Complexity Science Hub (CSH) und der TU Delft warnt nun vor den ökonomischen Konsequenzen einer Schließung dieses Engpasses. Eine länger andauernde Blockade könnte demnach Handelsströme mit einem jährlichen Gesamtwert von bis zu 1,2 Billionen US-Dollar beeinträchtigen.

Besonders exponiert sind demnach jene fünf Golfstaaten, deren maritimer Außenhandel vollständig auf diese Route angewiesen ist: Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Kuwait und Bahrain. Den Hauptanteil der betroffenen Güter bilden mit rund 800 Milliarden US-Dollar Energieprodukte wie Rohöl und Flüssiggas. ASCII-Direktor und Studienautor Peter Klimek bezeichnet die Meerenge als einen der "kritischsten Engpässe der Weltwirtschaft". Er führt aus, dass eine längere Blockade nicht nur die Energiemärkte treffen, sondern auch zahlreiche globale Lieferketten unter Druck setzen würde.

Die Komponente Zeit als entscheidender Faktor

Laut der Analyse hängen die Auswirkungen einer Störung maßgeblich von deren Dauer ab. Simulationen mit dem Schifffahrtsmodell TIDES zeigen, dass Unterbrechungen von bis zu zwei Wochen durch strategische Reserven und alternative Lieferanten abgefedert werden könnten. Kritisch werde es laut Studie jedoch ab einer Dauer von mehr als vier Wochen. Stefan Thurner, Präsident des CSH, erläutert hierzu, dass sich die wirtschaftlichen Folgen bei länger anhaltenden Störungen überproportional erhöhten, da sich Kettenreaktionen innerhalb der globalen Liefernetze aufschaukelten.

Asien als Hauptabnehmer, Europa mit selektiven Risiken

Die stärksten Abhängigkeiten verzeichnen große asiatische Volkswirtschaften. China importiert jährlich Waren im Wert von rund 97 Milliarden US-Dollar über diesen Weg, gefolgt von Indien und Japan. Neben Energieträgern ist die Region auch für die Düngemittelproduktion bedeutend; so stammen rund 31 Prozent der weltweiten Harnstoffexporte aus diesem Gebiet.

In Europa konzentrieren sich die Risiken auf wenige Staaten. Italien und das Vereinigte Königreich weisen aufgrund hoher Flüssiggasimporte aus Katar die höchste Exponierung auf. Im Gegensatz dazu sind Deutschland und Frankreich breiter diversifiziert aufgestellt.

Indirekte Betroffenheit Österreichs

Für Österreich ergibt die Analyse eine vergleichsweise geringe direkte Abhängigkeit mit einem jährlichen Importvolumen von rund 0,3 Milliarden US-Dollar. Dennoch warnt Peter Klimek, dass sich Effekte über integrierte Energiemärkte auch hierzulande bemerkbar machen könnten, sollten LNG-Lieferungen nach Italien oder Belgien ausfallen und die europäischen Gaspreise in der Folge steigen.

Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer unterstreicht in diesem Zusammenhang die Priorität der heimischen Versorgungssicherheit. Zwar sei Österreich aktuell nicht unmittelbar von Engpässen bedroht, doch bestünden über internationale Lieferketten und Transitländer weiterhin Abhängigkeiten. "Genau deshalb ist das ASCII-Institut Teil der Taskforce Versorgungssicherheit: um mögliche Engpässe frühzeitig zu erkennen, die Auswirkungen auf Österreich laufend zu evaluieren und die Lage regelmäßig neu zu bewerten, damit wir bei Bedarf rasch handeln können", betont Hattmannsdorfer.

Plädoyer für Deeskalation und Transparenz

Die Lieferkettenexpert:innen empfehlen der Politik eine dreigliedrige Strategie: Neben einer schnellen Deeskalation zur Vermeidung systemischer Verzögerungen sei eine Vorsorgeplanung für längerfristige Szenarien sowie eine transparente Kommunikation essenziell. Letztere diene dazu, Marktunsicherheiten und destabilisierende Panikreaktionen zu verhindern.

www.ascii.ac.at

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