Analyse der Nationalbank
Wieso Wohnimmobilien trotz moderatem Preisanstieg real günstiger wurden

| Tobias Seifried 
| 29.01.2026

Laut der Nationalbank zeigen sich bei den Preisen von Wohnungen und Häusern regional sowie zwischen Neubau und Bestand weiterhin deutliche Unterschiede.

Die Preise für Wohnimmobilien in Österreich sind im Jahr 2025 moderat gestiegen, blieben jedoch deutlich hinter der Inflationsentwicklung zurück. Wie aus aktuellen Daten des Wohnimmobilienpreisindex der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hervorgeht, verteuerten sich Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser nominell um 2,1 Prozent. Angesichts einer von Statistik Austria ausgewiesenen Inflationsrate von 3,8 Prozent sanken die Preise inflationsbereinigt damit erneut.

Markt auf Stabilisierungskurs

Nach Einschätzung von OeNB-Gouverneur Martin Kocher deutet dies auf eine schrittweise Stabilisierung des Marktes hin. "Nominal steigen die Preise wieder moderat, inflationsbereinigt sind Immobilien jedoch vergleichsweise günstiger als vor einigen Jahren", erklärte Kocher. Daraus lasse sich eine leicht verbesserte Leistbarkeit von Wohnimmobilien im Vergleich zum dritten Quartal 2022 ableiten. Zudem würden wieder so viele Wohnimmobilien verkauft wie im langjährigen Durchschnitt. Für die Finanzstabilität bleibe entscheidend, dass diese Entwicklung maßvoll verlaufe und Wohnimmobilienkredite weiterhin verantwortungsvoll vergeben würden, so der Gouverneur.

OEnB Wohnimmobilienpreise

Regional zeigen sich der Auswertung zufolge weiterhin Unterschiede: In Wien legten die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser um 2,9 Prozent zu und damit deutlich stärker als im restlichen Bundesgebiet, wo ein Anstieg von 1,6 Prozent verzeichnet wurde. Langfristig betrachtet sind die Wohnimmobilienpreise in Österreich seit Beginn der Leitzinserhöhungen durch den EZB-Rat im dritten Quartal 2022 insgesamt um 3,3 Prozent gesunken.

Unterschiedliche Reaktionen von Neubau und Bestand

Auffällig seien die divergierenden Entwicklungen zwischen neuen und gebrauchten Eigentumswohnungen. Während in der Niedrigzinsphase vor Juli 2022 in beiden Segmenten deutliche Preiszuwächse zu beobachten waren, markierte die erste Leitzinserhöhung den Wendepunkt. Die Preise für gebrauchte Eigentumswohnungen gingen zwischen dem dritten Quartal 2022 und dem zweiten Quartal 2024 deutlich zurück – in Wien um 9,4 Prozent, im übrigen Österreich um 6,5 Prozent. Neubauwohnungen zeigten sich hingegen weitgehend stabil und verzeichneten teils sogar leichte Preissteigerungen.

OEnB Wohnimmobilienpreise

Die geringere Preisflexibilität im Neubausegment führe laut OeNB zu spürbaren Unterschieden bei den Transaktionen. Während die Verkaufszahlen im Neubau seit Juli 2022 um 61 Prozent zurückgingen, sank die Anzahl der Transaktionen bei gebrauchten Wohnungen lediglich um 26 Prozent. Seit der ersten Leitzinssenkung im Juni 2024 steigen sowohl Preise als auch Transaktionen wieder an. Allerdings liegen die Verkaufszahlen bei neuen Wohnungen weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, während sie im Bestand diesen leicht übertreffen.

www.oenb.at

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