"Alle Anekdoten zu erzählen, würde den Rahmen sprengen"

Antenne Steiermark war heute vor 25 Jahren das erste österreichische Privatradio, das nach dem Fallen des staatlichen Rundfunkmonopols auf Sendung gegangen ist. LEADERSNET hat Geschäftsführer Gottfried Bichler zu diesem Anlass zum Interview gebeten.

LEADERSNET: Herr Bichler, Sie waren von Anfang an dabei. Was hat sich in diesen 25 Jahren in ihre Erinnerung gebrannt?

Bichler: Der Start am 22. September 1995 – ich durfte ja von Anfang an dabei sein – hat ja an sich schon Geschichte geschrieben. Antenne Steiermark war das erste österreichische Privatradio, das nach dem Fallen des staatlichen Rundfunkmonopols auf Sendung gegangen ist. Unsere Innovationen von damals, die Blitz-Meldungen für Autofahrerinnen und Autofahrer zum Beispiel und Nachrichten immer fünf Minuten früher, sind heute Standard. Damals war das alles eine Revolution, die für den dementsprechenden Wirbel gesorgt hat.

In 25 Jahren Antenne Steiermark habe ich, wie Sie sich vorstellen können, einiges erlebt. Alle Anekdoten zu erzählen, würde den Rahmen sprengen. Deshalb haben wir versucht, viele dieser "Yellow Moments" unseres ganzen Teams multimedial festzuhalten und für alle Hörerinnen und Hörer verfügbar zu machen: on Air, digital und in Form eines Booklets, das man auf antenne.at nachlesen kann.

Unvergessen bleibt natürlich für mich der Moment, als die Regler um Punkt 9.55 Uhr hochgefahren wurden und "Hallo, herzlich willkommen, Grüß Gott!" ertönte. "Born to be Alive" war der erste Song, der auf Antenne Steiermark lief und das war ein echtes Statement, ein Versprechen für die Zukunft. Eine medienpolitische Sternstunde die als Highlight nur schwer zu toppen ist, der erste Schritt auf unserem Weg zum Tagesbegleiter für alle Steirerinnen und Steirer.

LEADERSNET: Gibt es Dinge, die Sie im Rückblick anders gemacht hätten?

Bichler: Das ist eine gute Frage. Unser Kurs ist richtig, wir haben uns unsere Marktposition durch den unermüdlichen Einsatz und die unglaubliche Leidenschaft unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Schritt für Schritt erarbeitet. Aber aus heutiger Sicht würde ich viel früher auf die eigenen Stärken und Ideen vertrauen und sie noch konsequenter umsetzen und durchziehen. Ich würde mir heute nicht mehr so sehr den Kopf über den finanziell übermächtig ausgestatteten öffentlich-rechtlichen Mitbewerber zerbrechen. Als wir das abgelegt haben, sind wir richtig in die Erfolgsspur gekommen. Essentiell auf diesem Weg: "Trial and Error", Dinge ausprobieren, wieder sein lassen, wenn sie nicht den gewünschten Erfolgt haben, oder beibehalten und schärfen, wenn sie funktionieren. Erst auf dieser Entdeckungsreise ist es uns ernsthaft gelungen, eine Zukunftsgestaltung in den Blick zu nehmen, ihr verdanken wir mitunter beeindruckende Erfolge und jede Menge gelbe Highlights. Dieser Pionier-Geist ist bis heute in unserer DNA fest verankert.

LEADERSNET: Radio wird weiterhin gerne gehört. Was ist aber der Unterschied zwischen dem Radiomachen Mitte der 90er-Jahre und heute?

Bichler: Auch wenn uns die Digitalisierungsgurus seit Jahren etwas anderes erzählen: Radio ist moderner denn je! Die Antenne hat sich im Laufe der Zeit zum individuellen Tagesbegleiter entwickelt, der weder orts-, zeit- noch geräteabhängig ist. Die Möglichkeiten – wo, wann und wie man Radio hören kann – ändern sich laufend. Zeiten mit erhöhtem Informationsbedarf verdeutlichen zudem die Notwendigkeit der ständigen Verfügbarkeit. Als innovativer Sender mit Vorreiterrolle setzen wir auf alle wirtschaftlich sinnvollen Verbreitungswege und stellen uns dabei der Herausforderung, die große Palette an Möglichkeiten erfolgreich zu bespielen und auf den relevanten Plattformen präsent zu sein. Unser Ansatz dabei lautet: Technisch digital – inhaltlich regional.

An unserer inhaltlichen DNA hat sich unabhängig von Endgeräten und Verbreitungswegen nie etwas geändert. Unter dem Motto "Meine Hits. Meine Steiermark." spielt die Antenne täglich die Lieblingsmusik der Hörerinnen und Hörer und bietet zudem das beste regionale Service: Verkehr, Blitzer, Wetter, Nachrichten. Die Verfügbarkeit immer und überall bedeutet für uns als Antenne aber gleichzeitig noch schneller und näher am Hörer zu sein. Der Nutzen ist auch für die Werbekunden groß. Ihnen wird es dadurch ermöglicht, Werbung noch gezielter zu platzieren und auf die jeweilige Zielgruppe abzustimmen.

LEADERSNET: Wie steht die Antenne heute da? Was sind die Herausforderungen in der aktuellen Situation – auch in Hinblick auf Corona?

Bichler: Antenne Steiermark ist in vielerlei Hinsicht der Maßstab und hat als Flaggschiff der österreichischen Privatradios Pionierarbeit geleistet. Rund eine Viertelmillion Hörerinnen und Hörer vertraut auf ihren Tagesbegleiter, die Antenne ist ein beliebter Partner der regionalen Wirtschaft, das Programm mehrfach mit österreichweiten Radiopreisen ausgezeichnet. Eine Herausforderung ist und bleibt, dass wir uns in unserer Kontinuität täglich neu erfinden. Das ist nur möglich, weil wir ein Team haben, das aus leidenschaftlichen Radiomachern mit Ecken und Kanten besteht. Sie waren und sind die Wegbereiter dieser besagten permanenten Vorreiterrolle. Die Mitarbeiter des Senders machen nicht nur Radio – sie leben es. Sie sind die Antenne.

Gerade nach den vergangenen Monaten fühlen wir uns mehr denn je bestärkt, dass das Medium Radio in herausfordernden Zeiten Sicherheit und Verlässlichkeit bietet. Turbulente Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Einer Unsicherheit im Land, wie sie Corona mit sich bringt, kann man nur mit Verlässlichkeit und Beständigkeit begegnen. Und genau hierbei wird die ungebrochene Kraft von Audio spürbar. Der Informationsbedarf ist riesig, wir geben Menschen die Infos und damit Halt. Radio ist das Medium das nicht nur informiert, sondern darüber hinaus auch begleitet: Hörerinnen und Hörer verlassen sich in herausfordernden Zeiten aufs Radio.

LEADERSNET: Sie sind auch im Vorstand im Verband österreichischer Privatsender (VÖP). Wie geht es der Branche insgesamt?

Bichler: Wir haben unsere Startvorteile gut nutzen können. Für die gesamte Privatradiobranche ist die Marktentwicklung aber nach wie vor eine sehr herausfordernde. Die regulatorischen Rahmenbedingungen erschweren Privatradio und erlauben dem ORF eine dominante Marktposition. Das beginnt bei der fast unbeschränkten Vermarktung und endet bei den Programmvorgaben, die absurderweise für Private strenger sind als für den ORF, dessen öffentlich-rechtlicher Auftrag meiner Meinung nach kaum objektiv überprüfbar ist. Die Lizenzbescheide für Privatsender sind sehr streng. Ein Reagieren auf Veränderungen im Markt ist kaum möglich. Auch bei den Übertragungskapazitäten ist die Dominanz des ORF ungebrochen. zusammengefasst: Von einem echten dualen Rundfunksystem ist Österreich noch immer weit entfernt.

LEADERSNET: Wie blickt man in die Zukunft? Viele klassischen Medien wurden schon totgesagt und es gibt sie noch immer – werden wir in 25 Jahren auch noch Radio hören und vor allem Antenne Steiermark?

Bichler: Ich habe ein gutes Gefühl für die Zukunft der Antenne Steiermark, die ja längst begonnen hat. Die Antenne wird auf alle Fälle datengetriebener und über alle relevanten Ausspielwege zu empfangen sein. Orts-, Zeit- und Geräteabhängigkeit wird keine Rolle mehr spielen. Wir sind jetzt schon digital UND regional. Begonnen haben wir mit drei Sendestandorten, heute sind es 20. Der größte Sprung ist aber durch die Digitalisierung gelungen. Vor 25 Jahren war Radio stationär, heute ist es überall. Wir sind überzeugt, dass sich Verlässlichkeit und ein authentisches Produkt – nahe dran am Hörer und Kunden – auch in den nächsten 25 Jahren auszahlen wird.

Auf Höhe der Zeit werden weitere Kanäle hinzukommen. Technik allein ist aber nur eine Basis. Unser Erfolg kommt vor allem durch die Hörernähe zustande. Und die wiederum ist nur möglich, weil Menschen das Programm machen und nicht Maschinen. Die Mitarbeiter sind unser gelbes Herz des Senders, die personifizierten Tagesbegleiter der Steirerinnen und Steirer. Egal, ob die Mitarbeiter mit unseren Hörern lachen oder sich an ihnen reiben – es gibt da diesen Draht, diesen gelben Faden. Viele Menschen sind mit uns aufgewachsen, der Sender ist für seine Hörer ein Tages-, aber auch Lebensbegleiter.

Ich glaube, das kann für alle Privatradios gelten, die authentisch Programm machen. Generell sind und bleiben sie der Motor des Marktes, von ihnen gehen nach wie vor die Innovationen aus. Die Privaten sind die Wendigeren, die Schnelleren, die Kreativeren, die Innovativeren - das ist schon systembedingt. Nähe und Regionalität, das unterscheidet uns und stiftet Sinn. Jetzt und in 25 Jahren.

www.antenne.at

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