VÖZ und ÖZV
Verlegerverbände drängen vor EU-Kanada-Gipfel auf stärkere Rechte

| Janet Teplik 
| 28.10.2026

VÖZ und ÖZV unterstützen eine transatlantische Koalition, die mehr Transparenz und Vergütung bei der Nutzung journalistischer Inhalte durch KI fordert. Die Verbände sehen die wirtschaftliche Basis unabhängiger Medien gefährdet.

Europäische und kanadische Presseverbände wollen den Schutz journalistischer Inhalte auf die politische Agenda des EU-Kanada-Gipfels bringen. Vor dem Treffen am 29. und 30. Oktober in Montréal fordert eine neu gegründete transatlantische Koalition wirksam durchsetzbare Rechte, mehr Transparenz und eine angemessene Vergütung für die Nutzung von Pressebeiträgen durch Künstliche Intelligenz. Aus Österreich beteiligen sich der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und der Österreichische Zeitschriften- und Fachmedienverband (ÖZV). 

Die Initiative richtet sich an die Europäische Union und Kanada. In ihrer gemeinsamen Gipfelerklärung sollen sie sich zu Rahmenbedingungen bekennen, die freie, unabhängige und wirtschaftlich tragfähige Medien unterstützen. Die Koalition verbindet damit die Forderung, die Gesetzgebung an den technologischen Wandel anzupassen und bestehende Rechte wirksamer durchzusetzen. 

Verlage wollen die Nutzung ihrer Inhalte nachvollziehen können

Im Mittelpunkt stehen KI-Systeme, die journalistische Beiträge verarbeiten und daraus etwa Zusammenfassungen für Suchmaschinen erstellen. Nach Darstellung der Verbände können Verlage bislang nicht ausreichend nachvollziehen und kontrollieren, welche Inhalte automatisiert abgerufen und wie diese anschließend verwendet werden. Die Koalition verlangt deshalb Instrumente, mit denen Medienunternehmen die Nutzung ihrer Beiträge genehmigen, überwachen und ihre Rechte durchsetzen können.

Die Verbände warnen zudem vor wirtschaftlichen Folgen. Wenn Nutzer:innen Nachrichten bereits in KI-generierten Antworten erhalten, können Besuche auf den Websites der ursprünglichen Medien entfallen. Die Koalition führt darauf Verluste bei digitalen Reichweiten sowie bei Werbe- und Abonnementerlösen zurück. "Diese Arbeit verursacht Kosten und hat einen Wert. Wenn Plattformen unsere Inhalte ohne Genehmigung oder Vergütung nutzen, schwächt das nicht nur die Verlage, sondern auch unsere Demokratien", betonen die Mitglieder der Koalition in ihrer gemeinsamen Erklärung.

Die Debatte beschäftigt die österreichische Medienbranche bereits länger. VÖZ-Präsident Rainer Nowak bezeichnete Zusammenfassungen von Medieninhalten durch Tech-Plattformen und andere KI-Anbieter im LEADERSNET-Interview als eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre. Zugleich verwies er auf Chancen eines verantwortungsbewussten KI-Einsatzes im redaktionellen Alltag und in der Vermarktung. 

Bestehende Regeln sollen wirksamer greifen

Die Koalition verweist auf bereits geschaffene rechtliche Instrumente, darunter das europäische Leistungsschutzrecht für Presseverlage, den kanadischen Online News Act und den EU AI Act. Diese Regelwerke betreffen unterschiedliche Bereiche. Der Online News Act schafft einen Rahmen für Verhandlungen zwischen Nachrichtenunternehmen und größeren digitalen Plattformen über die Vergütung von Nachrichteninhalten. Der AI Act verpflichtet Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck wiederum unter anderem dazu, eine Strategie zur Einhaltung des EU-Urheberrechts vorzusehen und eine Zusammenfassung der für das Training verwendeten Inhalte zu veröffentlichen. 

Aus Sicht der Verlegerverbände reichen die bisherigen Schutzmechanismen und deren Durchsetzung jedoch nicht aus. Sie fordern mehr Transparenz auch darüber, wie Inhalte nach ihrer ursprünglichen Erfassung weiterverwendet werden. Lizenzvereinbarungen sollen erleichtert und Verlage für die Nutzung ihrer Beiträge angemessen bezahlt werden.

Europäische und kanadische Verbände bündeln ihre Forderungen

Der Koalition gehören neben nationalen Mitgliedsverbänden die European Newspaper Publishers’ Association (ENPA), die European Magazine Media Association (EMMA), der European Publishers Council, News Media Europe, News Media Canada und Magazines Canada an. Nach eigenen Angaben vertreten die beteiligten Organisationen tausende Zeitungs- und Zeitschriftentitel auf beiden Seiten des Atlantiks.

Mit ihrem gemeinsamen Vorstoß verknüpfen die Interessenvertretungen den Schutz ihrer Inhalte mit der langfristigen Finanzierung professionellen Journalismus. Ob ihre Forderungen in die gemeinsame Erklärung des EU-Kanada-Gipfels aufgenommen werden, ist vor dem Treffen offen.

www.voez.at

www.oezv.or.at

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