Herbstlicher Wirtshausgenuss
Wiens Gastronomie serviert Gansl und rechnet mit guten Geschäften

Gemeinsam genießen und die aufwendige Zubereitung den Küchenprofis überlassen – das spricht für viele Befragte fürs Ganslessen im Wirtshaus. Auch die Bio-Gans ist gefragt, stellt die Betriebe aber vor eine Preisfrage.

Ein Ganslessen ist für viele ein Anlass, sich im Herbst wieder gemeinsam an einen Wirtshaustisch zu setzen. Während die Küche den Braten zubereitet, bleibt Zeit für Gespräche mit Familie und Freund:innen. Diese Verbindung aus saisonalem Genuss und einem entspannten Beisammensein gehört laut einer Umfrage der Wirtschaftskammer Wien zu den Gründen, warum Gäste ihr Gansl gerne außer Haus essen. Für die Wiener Gastronomie stehen die Vorzeichen für die kommenden Wochen entsprechend gut. 

"Ganslzeit ist nur einmal im Jahr, da geht man ins Gasthaus, ist für die befragten das Top-Argument für den Besuch in der Gastro. Und an zweiter Stelle steht der Geschmack. Im Gasthaus schmeckt es am besten", sagt Thomas Peschta, Obmann der Wiener Fachgruppe Gastronomie, zu den Umfrageergebnissen.

Zeit am Tisch statt Stunden in der Küche

Zum Geschmack kommt die Arbeit, die hinter einem Ganslessen steckt. Wer den Braten selbst zubereitet, braucht Zeit und etwas Übung. Im Gasthaus lässt sich das Essen hingegen mit einer geselligen Runde verbinden, ohne zwischendurch den Backofen im Blick behalten zu müssen. Als weitere Gründe für den Besuch nennt Peschta deshalb: "Weil man es selbst nicht so gut hinbekommt, weil man nicht den ganzen Tag für eine Mahlzeit in der Küche stehen möchte, sondern sich lieber mit seinen Freund:innen entspannen will."

Welche Rolle das Ganslessen als geselliger Treffpunkt spielt, war auch Thema eines WKW-Talks beim Heurigen Feuerwehr Wagner, den LEADERSNET.tv begleitete. Dabei diskutierte Peschta mit Vertreter:innen aus Gastronomie, Wirtschaftskammer und Landwirtschaft über saisonale Küche und die Bedeutung gemeinsamer Mahlzeiten.

Bei der Bio-Gans entscheidet auch der Preis

Neben der Frage, wo gegessen wird, spielt für einen Teil der Befragten auch die Produktionsweise eine Rolle. Laut Peschta würden 27 Prozent eine Bio-Gans bevorzugen. Für die Gastronom:innen stellt sich damit die Frage, wie sich dieser Wunsch mit einem für die Gäste akzeptablen Menüpreis vereinbaren lässt. 

"27 Prozent der Befragten würden eine Bio-Gans vorziehen. Die Herausforderung für die Wirt:innen ist, sie zu einem Preis anzubieten, der von den Gästen auch akzeptiert wird. Und das ist wegen der hohen Einkaufs- und Energiepreise schwierig", so Peschta. 

Gut gefüllte Reservierungsbücher stimmen optimistisch

Ungeachtet der Kostenfrage blickt die Branchenvertretung zuversichtlich auf die bevorstehenden Ganslwochen. Für die Betriebe ist das saisonale Gericht auch wirtschaftlich relevant. "Für 85 Prozent der Betriebe ist Gansl-Zeit von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Und der vorherrschende Optimismus liegt daran, dass die Buchungslage sehr gut ist. Viele Betriebe haben bereits volle Reservierungsbücher", erläutert der Gastro-Obmann. 

Damit aus den Reservierungen auch die erhofften Umsätze werden, appelliert Peschta an die Gäste, vereinbarte Termine einzuhalten oder rechtzeitig abzusagen: "Gerade bei der Ganslsaison ist der Wareneinsatz für uns sehr hoch und eine gebratene Gans kann man nicht am nächsten Tag verkaufen. Wenn hier Gäste, ohne zu stornieren wegbleiben, hat der Wirt einen nur schwer auszugleichenden Verlust." Zum gelungenen Ganslessen gehört aus Sicht der Betriebe somit auch Planungssicherheit. Wer also einen reservierten Tisch doch nicht braucht, ermöglicht mit einer Absage, dass andere Gäste Platz nehmen können.

Für die Wiener Gastronomie bleibt damit die Hoffnung, dass auf gut gefüllte Reservierungsbücher auch gesellige Runden an den Tischen folgen – und sich die Freude am herbstlichen Genuss am Ende ebenso in der Saisonbilanz widerspiegelt.

www.wko.at/wien

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