Umfassende Neuorganisation
ÖBB stehen vor größtem Konzernumbau seit 23 Jahren

| Redaktion 
| 22.10.2026

Bei den Österreichischen Bundesbahnen steht eine umfassende Reform bevor. Die Bundesregierung hat sich auf eine entsprechende Gesetzesnovelle verständigt, die zahlreiche Neuerungen enthält.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sollen erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten eine grundlegende strukturelle Neuausrichtung erhalten. Die Bundesregierung hat eine grundsätzliche Einigung über die dafür notwendige Änderung des Bundesbahngesetzes erzielt. Bereits in der kommenden Woche soll der entsprechende Gesetzesentwurf in Begutachtung gehen. Ein endgültiger Beschluss im Nationalrat ist für die darauffolgenden Wochen vorgesehen. 

Konzernführung erhält zusätzliche Verantwortung 

Ein wesentlicher Bestandteil der geplanten Neuorganisation betrifft die ÖBB-Holding. Ihre Position innerhalb des Konzern soll ausgebaut und die übergreifende Steuerung betrieblicher Abläufe stärker gebündelt werden. 

Dazu ist vorgesehen, den bisherigen Vorstand, bestehend aus Chief Executive Officer (CEO) und Chief Financial Officer (CFO), um einen Chief Operating Officer (COO) zu erweitern. Diese neue Führungsfunktion soll künftig die konzernweite Koordination der Bahnproduktion verantworten. 

Auch bei den beiden Absatzgesellschaften ÖBB-Personenverkehr und ÖBB Rail Cargo sind organisatorische Veränderungen geplant. In Zukunft sollen sie ihre Tätigkeit stärker an den Anforderungen des Marktes und den Bedürfnissen ihrer Kund:innen ausrichten können. In diesem Zusammenhang soll die bisherige sogenannte Doppelmütterstruktur entfallen. 

Die ÖBB-Infrastruktur AG soll hingegen weiterhin als eigenständige Aktiengesellschaft bestehen bleiben. Der Beginn der strukturellen Umsetzung ist für 2027 vorgesehen. 

Andreas Matthä erwartet schnellere Entscheidungen

ÖBB-Generaldirektor Andreas Matthä begrüßt die politische Einigung und sieht darin eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des Bahnkonzerns. Er dankte Peter Hanke, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur und der Bundesregierung für die Vorbereitung der Reform.

"Mit dieser Reform können wir die ÖBB so aufstellen, dass wir schneller entscheiden, klarer Verantwortung übernehmen und unsere Leistungen noch besser auf die Bedürfnisse unserer Kund:innen ausrichten", so Matthä.

Die Neuorganisation solle nach seinen Angaben dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens langfristig abzusichern. Gleichzeitig werde damit die Bedeutung des Schienenverkehrs für die künftige Mobilität gestärkt. 

Organigramm ÖBB Strukturreform © ÖBB

Mehr Fahrgäste und zunehmender Wettbewerb

Die geplanten Anpassungen erfolgen vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen im österreichischen Eisenbahnsektor. Sowohl die Zahl der am Markt tätigen Unternehmen als auch das Fahrgastaufkommen haben sich innerhalb der vergangenen Jahre deutlich erhöht. 

Während vor zehn Jahren noch 63 Eisenbahnverkehrsunternehmen auf dem österreichischen Schienennetz unterwegs waren, sind es mittlerweile 98. Auch die Nachfrage im Personenverkehr ist gewachsen. Im Jahr 2025 wurden rund 350 Millionen Bahnreisende gezählt, gegenüber 240 Millionen im Jahr 2016.

Diese Entwicklung verdeutliche die gestiegenen Anforderungen an die Organisation und Koordination des Bahnbetriebs.

Produktionsreform PR26 soll Abläufe neu ordnen

Unabhängig von der gesetzlichen Neugestaltung haben die ÖBB bereits ein weiteres Reformvorhaben angestoßen. Unter der Bezeichnung "PR26" wird die betriebliche Produktion neu organisiert. Im Mittelpunkt steht dabei die Abstimmung jener Bereiche, die für einen funktionierenden Bahnverkehr entscheidend sind.

Dazu zählen unter anderem die verfügbaren Fahrplankapazitäten, der Fahrzeugeinsatz, die Personalplanung sowie Werkstätten, Disposition und Instandhaltung.  Das Zusammenspiel dieser Bereiche soll künftig stärker auf die jeweiligen Anforderungen einzelner Verkehrsarten abgestimmt werden.

Anstelle einer ausschließlich bereichsbezogenen Betrachtung soll die Planung verstärkt entlang konkreter Verkehrssysteme erfolgen. Dazu gehören beispielsweise der Tagfernverkehr, der Nachtfernverkehr und der Einzelwagenverkehr im Gütertransport.

Für den operativen Beginn dieser Produktionsreform haben die ÖBB den 1. Juli 2027 vorgesehen. Damit sollen die organisatorische Neuausrichtung des Konzerns und die Modernisierung der betrieblichen Abläufe ab 2027 vorangetrieben werden. 

www.oebb.at

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