Die WK Wien übernimmt mit ihrer Fachgruppe Gastronomie die Patronanz für den neuen Restaurant- und Weinguide 2027. LEADERSNET.tv sprach bei der Präsentation mit Branchenvertreter:innen und Preisträger:innen über Wirtshauskultur, Spitzenküche und die Unterstützung der Betriebe.
Ein Wiener Wirtshaus, ein vielseitig aufgestellter Gastronomieunternehmer und ein Koch, der sich für die Wiederbelebung leerstehender Gasthäuser engagiert, stehen beispielhaft für die Bandbreite der diesjährigen Gault&Millau-Auszeichnungen. Am 19. Oktober 2026 wurden im Hilton Vienna die Restaurant- und Weinguides 2027 vorgestellt. Für die Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Wien bot der Abend zugleich Gelegenheit, jene Vielfalt sichtbar zu machen, die das gastronomische Angebot der Stadt prägt.
Mit ihrer Patronanz möchte die Fachgruppe sowohl traditionsreiche Betriebe als auch deren Weiterentwicklung ins Blickfeld rücken. Thomas Peschta, Obmann der Fachgruppe Gastronomie, verbindet damit das Anliegen, die Qualität der Wiener Gastronomie einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln. Traditionen und Innovationen gehören für ihn dabei zusammen:
Dass die Präsentation über die einzelnen Ehrungen hinaus auch Raum für Begegnungen schafft, hebt Barbara Prilisauer, Fachgruppenobmann-Stellvertreterin, hervor. "Es ist ein Treffen der ganzen Branche", sagt sie. Neben dem Austausch mit Kolleg:innen schätzt sie die Möglichkeit, mit Menschen zusammenzukommen, die die Gastronomie unterstützen.
Wiener Wirtshauskultur erhält eine eigene Auszeichnung
Wie unterschiedlich gastronomische Qualität ihren Ausdruck finden kann, zeigt die Auszeichnung für das Gasthaus Ubl. Der Betrieb in Wien-Wieden wurde zum "Wiener Wirtshaus des Jahres 2027" gekürt. Gault&Millau führt die Ehrung mit Unterstützung der Wirtschaftskammer Wien durch und würdigt damit ein Haus, das Claudia Messenlehner in dritter Generation führt. Im LEADERSNET.tv-Gespräch verweist die Gastronomin auf die handwerkliche Zubereitung und die Kontinuität innerhalb ihrer Familie. Dass ein solches Wirtshaus neben der Spitzenküche seinen Platz im Guide hat, erklärt Herausgeber Karl Hohenlohe mit den unterschiedlichen Ansprüchen der Betriebe. Während manche Lokale klassische Gerichte besonders sorgfältig zubereiten, suchen andere nach neuen Geschmackserlebnissen und eigenständigen kulinarischen Ausdrucksformen.
Für die Interessenvertretung reicht der Blick auf diese Vielfalt über die öffentliche Anerkennung hinaus. Denn so unterschiedlich die Konzepte sind, so konkret sind viele Fragen, die im Betriebsalltag auftreten. Martina Haslinger-Spitzer, Fachgruppenobmann-Stellvertreterin, nennt im Gespräch etwa Betriebsanlagengenehmigungen, Schanigärten und Kollektivvertragsverhandlungen. Die Fachgruppe verstehe sich dabei als laufende Anlaufstelle für die Unternehmer:innen und setze sich für die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit ein.
Toni Mörwald wird für seinen unternehmerischen Weg geehrt
Die Verbindung von Küche und Unternehmertum spiegelt sich auch in der Auszeichnung für Toni Mörwald als "Gastronom des Jahres 2027" wider. Ausgehend vom elterlichen Gasthof in Feuersbrunn hat er sein Angebot über Jahrzehnte um Restaurants, Hotellerie, Kochschule, Catering und Veranstaltungen erweitert. Zuletzt kamen laut Unternehmensangaben der Gutshof mit Weinhandlung sowie vier Lodges am Weinberg hinzu (LEADERSNET berichtete).
Bei der Frage nach dem wirtschaftlichen Nutzen einer Haube verweist Mörwald auf die grundlegende Positionierung eines Betriebs und dessen Auftritt nach außen. Paul Ivić, Küchenchef des Tian, hebt wiederum die Aufmerksamkeit hervor, die eine solche Auszeichnung mit sich bringen kann. Zugleich sieht er darin ein Signal für die Qualität der österreichischen Kulinarik.
Neue Impulse und ein Abschied an der Spitze
Die zentrale Kochauszeichnung erhielt Philip Rachinger vom Restaurant Ois im Mühltalhof in Neufelden. Mit dem Titel "Chef of the Year 2027" würdigt Gault&Millau neben seiner Küche auch Initiativen wie die "Wirtshausroas", mit der er leerstehende Gasthäuser vorübergehend wiederbelebt. Der neue Titel ersetzt die bisherige Bezeichnung "Koch des Jahres".
Während Rachingers Ehrung für die Weiterentwicklung gastronomischer Konzepte steht, wurde mit dem Lebenswerkpreis für Karlund Rudi Obauer zugleich ein bevorstehender Abschied gewürdigt. Die Brüder schließen ihr Restaurant in Werfen am 26. Oktober (LEADERSNET berichtete). Insgesamt verzeichnet der Restaurantguide laut Gault&Millau 97 Betriebe mit vier Hauben, nach 82 im Vorjahr. Acht Restaurants erhalten fünf Hauben – im Vorjahr waren es neun.
Auch die Getränkebegleitung wird vielfältiger
Die Bandbreite der ausgezeichneten Gastronomie setzt sich im Weinguide fort. Dorli Muhr wurde mit ihrem Betrieb zum "Weingut des Jahres" gekürt, die Auszeichnung "Sekt des Jahres 2027" ging an Zuschmann-Schöfmann. Im Interview betont Else Zuschmann, wie viel ihr die Anerkennung für den österreichischen Schaumwein bedeutet, auf den sich der Betrieb in den vergangenen Jahren besonders konzentriert habe.
Erstmals berücksichtigt der Guide auch alkoholfreie Alternativen zu Wein. Der Ex Sparkling der Familie Weixelbaum aus dem Kamptal erhielt dafür die Auszeichnung "Freiheit des Jahres 2027". Damit erweitert sich auch die Auswahl für Gastronomiebetriebe, die ihren Gästen eine auf die Küche abgestimmte Getränkebegleitung anbieten möchten.
Alle Preisträger:innen sehen Sie in der Infobox.
Video-Interviewpartner:innen
LEADERSNET.tv holte neben Thomas Peschta (Obmann Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Wien), Barbara Prilisauer (Fachgruppenobmann-Stellvertreterin der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Wien), Karl Hohenlohe (Herausgeber Gault&Millau), Toni Mörwald (Spitzenkoch & Gewinner "Gastronom des Jahres 2027"), Paul Ivić (Küchenchef Tian), Martina Haslinger-Spitzer (Fachgruppenobfrau-Stellvertreterin), Claudia Messenlehner (Gewinnerin "Bestes Gasthaus") und Else Zuschmann (Gewinnerin "Sekt des Jahres 2027") auch Andreas Frank (Weingut Weixelbaum & Gewinner "Freiheit des Jahres") und Elena Rameder (Master of Wine) vor die Kamera.
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