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Europas Bahnindustrie machte sich in Wien für strategische Beschaffung stark

| Larissa Bilovits 
| 26.10.2026

Bei einer gemeinsamen Veranstaltung von VBI und UNIFE ging es um die Frage, wie das politische Bekenntnis zu europäischer Wertschöpfung auch in der Vergabepraxis ankommen kann.

Öffentliche Aufträge zählen zu den wichtigsten Stellschrauben, wenn es um die Zukunft der europäischen Bahnindustrie geht. Genau dort setzte die Veranstaltung "Europe First: Reforming Public Procurement to boost the European Rail Supply Industry" an, zu der der Verband der Bahnindustrie in Österreich (VBI) und der europäische Branchenverband UNIFE am 21. Oktober in die ÖBB-Konzernzentrale in Wien geladen hatten. Vertreter:innen aus Politik, Europäischer Kommission, öffentlichen Auftraggebern und Industrie diskutierten dabei, wie Vergaberegeln Innovation fördern, Wertschöpfung in Europa halten und für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen können. Einen aktuellen Anlass lieferte die Bundesregierung, die erst eine Woche zuvor, am 14. Oktober, ihre "Made in Europe Declaration" unterzeichnet hatte. Im Zentrum stand daher, wie aus diesem politischen Bekenntnis gelebte Vergabepraxis werden kann.

Rückenwind aus der Politik

Der VBI ist die größte Interessenvertretung der heimischen Schienenzulieferindustrie und vertritt rund 60 Unternehmen, von Fahrzeugherstellern und Komponentenlieferanten bis hin zu Anbietern aus Systemtechnik, Digitalisierung und Service. VBI-Präsident Christian Diewald ordnete die Deklaration aus Sicht der Branche ein: "Die Made in Europe Declaration ist ein wichtiges Signal für den Industriestandort Europa. Jetzt müssen Taten folgen: Öffentliche Beschaffung muss europäische Wertschöpfung, Innovation und Qualität stärker berücksichtigen. Nur so können wir unsere Bahnindustrie und Europas industrielle Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken."

Peter Hanke, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, sprach anschließend über die Rolle des Bundes als Investor und Auftraggeber und betonte: "Unsere öffentlichen Infrastrukturinvestitionen schaffen nicht nur moderne Mobilität und Versorgungssicherheit, sondern sind auch ein wichtiger Motor für die heimische Wirtschaft und die europäische Bahnindustrie. Mit der 'Made in Europe'-Initiative wollen wir die öffentliche Beschaffung gezielt nutzen, um Innovation zu fördern, faire Wettbewerbsbedingungen zu stärken und heimische Wertschöpfung langfristig zu sichern. Denn es geht nicht nur um einzelne Aufträge, sondern um hochwertige Arbeitsplätze, technologische Kompetenz und die wirtschaftliche Unabhängigkeit Europas. Dafür braucht es auch eine gemeinsame europäische Bahnindustriestrategie."

Reform des Vergaberechts im Fokus

Auf europäischer Ebene richtet sich der Blick derzeit auf die Überarbeitung der EU-Vergaberichtlinie. "Die Reform der EU-Vergaberichtlinie ist eine entscheidende Weichenstellung für Europas industrielle Zukunft. Sie bietet die Chance, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und unsere strategische Souveränität zu stärken", ist Enno Wiebe, Director General des in Brüssel ansässigen Dachverbands UNIFE, überzeugt. "Öffentliche Beschaffung muss faire Wettbewerbsbedingungen gewährleisten und europäische Wertschöpfung sowie Innovation gezielt fördern. Jetzt werden die Weichen für Europas industrielle Zukunft gestellt."

Wie sich das Thema aus Sicht eines der größten öffentlichen Auftraggeber des Landes darstellt, schilderte Manuela Waldner, CFO der ÖBB-Holding AG: "Bei Beschaffungsentscheidungen zählt nicht nur der Anschaffungspreis, sondern der langfristige Nutzen. Qualität, Lebenszykluskosten und Innovation sind entscheidend für ein leistungsfähiges und zukunftssicheres Bahnsystem. Als öffentlicher Auftraggeber tragen wir Verantwortung dafür, dass unsere Investitionen nachhaltig wirken und auch Europas Wettbewerbsfähigkeit stärken."

"Entscheidend ist, dass sich diese Ziele in konkreten Vergaberegeln widerspiegeln", so VBI-Geschäftsführer Anil W. Rai und ergänzte: "Europäische Präferenz und strategische Kriterien müssen dort wirksam werden, wo öffentliche Aufträge vergeben werden – im Einklang mit den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen."

Workshop mit Praxisbezug

Im Anschluss an die Statements auf der Bühne wurde es in einem Workshop konkret. Vertreter:innen von ÖBB, Siemens Mobility und voestalpine Rail Technology loteten gemeinsam aus, wie strategische Beschaffung im Alltag funktionieren kann. Auf dem Programm standen Präferenzregeln für europäische Anbieter, Zuschlagskriterien jenseits des Preises und Sicherheitsfragen, aber auch die Hürden, die sich bei der Umsetzung in der Praxis ergeben.

VBI und UNIFE hielten abschließend fest, dass sich die europäische Bahnindustrie nur im Zusammenspiel von Politik, öffentlichen Auftraggebern und Unternehmen nachhaltig stärken lässt. Die laufende Weiterentwicklung des Vergaberechts sehen beide Verbände als Gelegenheit, langfristige industrielle Interessen stärker zu gewichten und damit Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit Europas abzusichern.

LEADERSNET war dabei und hat Eindrücke für Sie in der Galerie gesammelt.

www.bahnindustrie.at

www.unife.org

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