Ein paar Kreuzerl am Tippschein, die Ziehung am Mittwoch oder Sonntag und zwischendurch der Tagtraum vom Haus am See gehören für viele Menschen in Österreich so selbstverständlich zum Alltag wie der Kaffee in der Früh. Lotto gilt hierzulande gesellschaftlich längst als harmloses Ritual, über das in Büroküchen und an Stammtischen ganz offen gefachsimpelt wird, sobald wieder einmal ein Jackpot lockt. Für manche ist der Lottoschein allerdings deutlich mehr als ein netter Zeitvertreib, wie eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Integral im Auftrag der Immobilienrendite AG zeigt, für die im September 1.000 Personen in Österreich online befragt wurden. Demnach bezeichnen 14 Prozent ausgerechnet das Lottospielen als ihre Zukunftsvorsorge.
Zum Weltspartag fehlt vielen das Geld
Am generellen Willen zur finanziellen Vorsorge mangelt es laut der Studie im Land kaum, denn lediglich für fünf Prozent spielen Investments gar keine Rolle. In Oberösterreich und Salzburg ist dieser Anteil mit zehn Prozent allerdings doppelt so hoch. Am Geld scheitert es dagegen bei einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung: So kommt knapp jede:r Fünfte (19 %) nach eigenen Angaben monatlich kaum über die Runden und kann deshalb nicht vorsorgen. Ebenso viele verfügen zwar über Erspartes, halten es aber bewusst zurück. Bei 13 Prozent gibt es weder Rücklagen noch Investments, und sechs Prozent zehren bereits teilweise von ihren Reserven, wobei dieser Wert in Niederösterreich und im Burgenland besonders hoch ausfällt. Laut Studie befindet sich damit bereits ein Viertel der Befragten in finanzieller Schieflage.
© Immobilienrendite AG / Integral
Wird das Geld knapp, setzen die meisten zunächst auf Eigenverantwortung. Am häufigsten (37 %) würden die Befragten ihre Ausgaben reduzieren, vor allem Ältere greifen zu dieser Strategie. Auf ihre Vorsorge oder ihr Sparguthaben würden 21 Prozent zurückgreifen, insbesondere Männer und ältere Menschen. Für 18 Prozent wären im Ernstfall die Eltern die erste Adresse, vor allem für Jüngere sowie Personen mit Matura- oder Uniabschluss. Den Gang zur Bank würden zehn Prozent antreten, sieben Prozent würden in der Partnerschaft um finanzielle Hilfe bitten, was besonders häufig auf Frauen zutrifft.
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Der Westen hält dem Sparbuch die Treue
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass sich viele vom Sparen nicht abbringen lassen. Mehr als die Hälfte (51 %) legt weiterhin Geld zur Seite oder investiert, zwölf Prozent sogar mehr als früher. Besonders ausgeprägt ist diese Haltung bei unter 30-Jährigen, bei Personen mit höherer Bildung sowie in Tirol und Vorarlberg.
Die beliebteste Anlageform bleibt dabei das klassische Sparbuch, das von der Hälfte der Befragten genutzt wird. Vor allem Ältere setzen darauf, zudem zeigt sich ein klares Gefälle zwischen den Bundesländern. Je weiter westlich, desto größer die Liebe zum Sparbuch, wobei Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg vorne liegen. Den Bausparvertrag nutzen 30 Prozent, beide Sparformen kombinieren 22 Prozent.
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Bei ETFs und Krypto haben Männer die Nase vorn
Gleichauf mit dem Bausparer liegen Aktien, Fonds oder fondsgebundene Lebensversicherungen, in die ebenfalls 30 Prozent investieren, allen voran höher Gebildete. Einen ETF oder ETF-Sparplan haben 16 Prozent, besonders Jüngere sowie Menschen mit Matura- oder Uniabschluss. Auf Kryptowährungen wie Bitcoin setzen neun Prozent. Männer wagen sich dabei öfter über das Sparbuch hinaus als Frauen. Besonders groß ist der Abstand bei ETFs, in die 25 Prozent der Männer, aber nur sieben Prozent der Frauen investieren, sowie bei Kryptowährungen mit 16 zu drei Prozent.
Dieses Ungleichgewicht zieht sich auch durch die allgemeine Absicherung. Während 26 Prozent der Männer angeben, bereits vorgesorgt zu haben und sich in Krisenzeiten selbst helfen zu können, sind es bei den Frauen lediglich 16 Prozent. "Wie auch diese Studie wieder zeigt, befinden sich vor allem Frauen weiterhin in finanzieller Abhängigkeit", fasst Petra Starecek, Studienleiterin bei Integral, zusammen.
Beim Wohneigentum ist viel Luft nach oben
Ernüchternd fällt die Bilanz bei den Immobilien aus. In eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus haben 27 Prozent investiert, wobei Ältere, höher Gebildete sowie Menschen in Tirol und Vorarlberg häufiger zu den Eigentümer:innen zählen. Eine Vorsorgewohnung oder vermietete Immobilie besitzen gerade einmal fünf Prozent, auch hier vor allem Personen mit Matura- oder Uniabschluss sowie aus Tirol und Vorarlberg. Immobilienfonds oder -aktien nutzen vier Prozent, allen voran in Wien.
Auch die offizielle Eigentumsquote ist rückläufig. Laut Statistik Austria lebten 2025 nur noch 47,3 Prozent der Haushalte im Eigentum, so wenige wie seit 20 Jahren nicht (LEADERSNET berichtete). "Menschen mit Eigentum sind abgesichert und unabhängig. Doch die Politik tut weiterhin nichts, um die Quote für Immobilienbesitz zu erhöhen. Durch die hohe Besteuerung quer durch den Mittelstand und strenge Kreditregeln erschwert sie die Schaffung von Letzterem sogar", so Markus Augenhammer, Vorstand der Immobilienrendite AG.
Nach den Gründen für die Zurückhaltung beim Immobilienkauf gefragt, nennen 38 Prozent die Politik, weil diese die Teuerung nicht in den Griff bekomme. Für 35 Prozent ist Zukunftsangst das Hindernis, ein Drittel (33 %) hält die Baukosten für zu hoch. Mitverantwortlich sind aus Sicht der Befragten außerdem die Banken (28 %), ausländische Investor:innen, die heimischen Käufer:innen Objekte wegschnappen würden (19 %), strenge Regulierungsvorgaben wie Basel III (11 %) sowie die Finanzmarktaufsicht FMA (10 %).

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Ein Viertel erklärt die Kaufflaute für beendet
Ganz ohne Zuversicht kommt die Studie trotzdem nicht aus. Für ein Viertel der Befragten ist die Durststrecke am Immobilienmarkt bereits vorbei, Eigentum halten sie wieder für eine attraktive Option. Damit steht dem Viertel in finanzieller Schieflage ein ebenso großer Anteil gegenüber, der wieder an Eigentum glaubt, und das ganz ohne Sechser im Lotto.
"Als Optimist sehe ich angesichts der 25 Prozent Hoffnungsvollen erste Zeichen des Aufschwungs am Horizont. Das bestätigt sich auch in unserem Daily Business. Die Krise ist zwar noch nicht ganz überwunden, aber es geht endlich wieder aufwärts", betont Mathias Mühlhofer, ebenfalls Vorstand der Immobilienrendite AG, abschließend.
www.immobilienrendite.at
www.integral.at
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