Eine Elektro-Ente für rund 15.000 Euro, die Rückkehr des Smart-Zweisitzers, ein E-Sportwagen mit Feststoffbatterie und ein SUV mit neun Minuten Ladezeit zählen nur zu einigen Highlights, die europäische und chinesische Marken auf Europas größter Motorshow enthüllten.
Der Pariser Autosalon 2026 hat am Montag seine Tore geöffnet. Bis 18. Oktober bildet die heuer wichtigste Motorshow Europas die Bühne für neue Serienmodelle, technische Entwicklungen und teils ungewöhnliche Studien. Vor allem europäische und chinesische Hersteller nutzen den Auftritt, während aber auch viele Marken der Messe fernbleiben - ein Trend, der vor ein paar Jahren einsetzte und nicht mehr abebbte.
Dennoch kann sich die Zahl der Neuheiten sehen lassen. So reicht die Bandbreite vom kleinen Stadtauto bis zum großen Siebensitzer. Auffällig ist auch die Rückbesinnung auf bekannte Namen und Fahrzeugkonzepte: Ente, Espace, Multipla und RCZ liefern Anknüpfungspunkte für die Elektro-Zukunft. Allerdings ist nicht jede Neuheit bereits ein kommendes Serienauto.
Citroën greift die Idee des 2CV auf und zeigt ein 3,76 Meter langes Elektroauto, das zwischen Ami und C3 positioniert ist. Ein daraus entwickeltes Serienmodell soll bis 2028 das Angebot erweitern, in Europa produziert werden und bei rund 15.000 Euro beginnen. Das Zielgewicht liegt bei etwa einer Tonne. Faltdach, herausnehmbare Sitzbank und einzeln austauschbare Stoßfänger verbinden Anleihen am Original mit praktischen Überlegungen. Batteriegröße und Reichweite nennt Citroën noch nicht.
Smart besinnt sich mit dem #2 auf sein ursprüngliches Format: zwei Sitze, rund 2,75 Meter Länge und ein Wendekreis von 6,95 Metern. Ein 60-kW-Elektromotor treibt die Hinterräder an, die LFP-Batterie fasst 35,8 kWh. Bis zu 290 Kilometer Reichweite nennt die Marke als WLTP-Zielwert. Mit maximal 65 kW DC-Ladeleistung soll der Akku in 20 Minuten von zehn auf 80 Prozent kommen. Die geteilte Heckklappe bleibt erhalten. In Österreich startet der smart #2 bei rund 20.000 Euro.
Audi erweitert sein Angebot um den A2 e-tron, der in Österreich bereits bestellbar ist (ab 36.600 Euro) und im Dezember zu den Händler:innen kommen soll. Der in Ingolstadt gefertigte Hecktriebler erinnert optisch an seinen Namensgeber aus den 2000er-Jahren, bietet vier Leistungsstufen von 125 bis 240 kW und drei Batteriegrößen mit 52, 61 oder 84 kWh Bruttokapazität. Je nach Variante nennt Audi bis zu 627 Kilometer WLTP-Reichweite. Besonders sparsam soll die 140-kW-Version mit optionalem Effizienzpaket sein: Ihr Normverbrauch liegt laut Hersteller bei 12,8 kWh pro 100 Kilometer. Auf Wunsch kann der Akku externe Geräte versorgen oder mit geeigneter Ladetechnik als Hausspeicher dienen.
Sieben Sitze und ein ambitioniertes Ladeversprechen
Mit dem Atto 8 zeigt BYD ein 5,04 Meter langes Elektro-SUV für sieben Personen. Die 115-kWh-Batterie ermöglicht laut Hersteller bis zu 653 Kilometer WLTP-Reichweite beim Hecktriebler; die Allradversion mit 775 PS kommt auf bis zu 602 Kilometer. Der eigentliche Blickfang ist die Flash-Charging-Technologie: An entsprechender Ladeinfrastruktur soll der Akku in neun Minuten von zehn auf 97 Prozent laden. BYD plant dafür bis Ende 2027 europaweit 3.000 Stationen - in Kürze wird auch in Österreich der Auftakt mit dem ersten Standort gefeiert. Der Verkaufsstart des Atto 8 ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen.
Renault nimmt den ersten Espace von 1984 zum Vorbild und präsentiert einen elektrischen Van mit sechs Einzelsitzen. Die 4,70 Meter lange Studie bietet große Glasflächen und eine zweite Sitzreihe, die sich um 180 Grad drehen lässt. Im Cockpit erstreckt sich ein 1,13 Meter breites Panoramadisplay; gelenkt wird über Steer-by-Wire. Das Display soll in künftigen Rafale- und Scenic-Generationen eingesetzt werden. Einen Serienplan für das E-Space Concept selbst nennt Renault nicht.
Der RCZ Vision knüpft an das frühere Coupé von Peugeot an. Die elektrische Studie basiert auf einer Architektur auf Basis der STLA-One-Plattform und kombiniert eine mit Factorial Energy entwickelte Festkörperbatterie mit 1.000-Volt-Technik. Peugeot nennt 368 kW (500 PS), bis zu 600 Kilometer Reichweite und 11,5 kWh Verbrauch pro 100 Kilometer. Diese Angaben betreffen ein nicht homologiertes Konzeptfahrzeug. Hinzu kommen Steer-by-Wire, das Hypersquare-Lenkrad und transparente Micro-LED-Displays. Die erste Generation des RCZ wurde übrigens bei Magna in Graz gefertigt.
Darüber hinaus erinnert Peugeot mit dem E-T16 Concept an den 205 T16 und dessen Rallye-WM-Erfolge von 1985 und 1986. Drei Elektromotoren liefern laut Hersteller zusammen 600 kW (816 PS); die Studie soll in 2,5 Sekunden auf 100 km/h und in 16 Sekunden auf 300 km/h beschleunigen. Hinzu kommen eine 85-kWh-Batterie und 800-Volt-Technik. Für kommende Serienmodelle ist vor allem die Gestaltung relevant: Lichtsignatur, Cockpit und Hypersquare-Lenkrad geben einen Ausblick auf den nächsten E-208. Ein Serienmodell mit den Leistungsdaten der Studie ist nicht angekündigt.
Fiat zeigt mit dem 4,45 Meter langen Multiplay eine besonders wandelbare Studie. Ein verschiebbares Heckmodul verwandelt das Familienfahrzeug in einen viersitzigen Pick-up mit offener Ladefläche. In der geschlossenen Konfiguration stehen sechs Sitze und ein zusätzliches multifunktionales Element bereit, das etwa einen Kindersitz aufnehmen oder als Tisch dienen kann. Der drehbare Heckspoiler wird zum Fahrradträger. Fiat bezeichnet den Multiplay ausdrücklich als Ideenlabor und nicht als Vorschau auf ein konkretes Serienmodell.
Beim Cuorerosso stellt Alfa Romeo die künftige Ausrichtung der Marke zur Diskussion. Multi-Energie-Architekturen sollen Modelle bis zu 4,70 Metern Länge und mögliche Quadrifoglio-Versionen erlauben. Als denkbare Spitzenmotorisierung beschreibt die Marke einen 2,9-Liter-V6-Vollhybrid mit Q4-Allradantrieb. Konkrete Leistungsdaten oder einen Serienstart nennt Alfa Romeo nicht.
Mit dem STX Concept rückt Opel den Kombi in den Mittelpunkt. Prägend sind eine weiterentwickelte Vizor-Lichtsignatur mit animierten Lichtlamellen und ein steil abfallendes Heck. Gestaltungselemente der Studie sollen in künftige Serienmodelle einfließen. Angaben zu Antrieb, Reichweite oder einem konkreten Produktionsmodell fehlen noch. Das Concept Car könnte aber einen ersten Vorgeschmack auf den kommenden Astra Sports Tourer liefern.
DS Automobiles nutzt den F3VER vor allem, um die künftige Formensprache der Marke auszuloten. Individualisierung und Vielseitigkeit bilden zentrale Themen des Konzepts. Technische Eckdaten und eine konkrete Serienperspektive nennt die Stellantis-Nobelmarke nicht.
Nicht völlig neu, aber für die Volkswagen-Gruppe von enormer Bedeutung sind die vier Elektro-Einstiegsmodelle der Marken VW, Cupra und Skoda. In Paris sind ID. Polo, Raval, Epiq und ID. Cross erstmals als komplette Modellfamilie zu sehen. Die bereits einzeln vorgestellten Fahrzeuge nutzen die MEB+-Plattform und Frontantrieb. Raval und ID. Polo werden in Martorell produziert, Epiq und ID. Cross in Pamplona. Laut Konzern liegen vor Beginn der Auslieferungen bereits fast 150.000 Bestellungen vor. Mehr als 80 Prozent der Komponenten und Technologien sind innerhalb der Familie identisch – Design und Markencharakter sollen dennoch eigenständig bleiben.
Mit der zweiten Generation kommt der Seltos erstmals nach Europa und feiert in Paris Publikumspremiere. Das 4,43 Meter lange SUV von Kia bietet laut Hersteller 536 Liter Kofferraumvolumen. Der zunächst erhältliche Turbobenziner leistet 180 PS; zur Jahreswende folgt der Hybrid mit 154 PS als Fronttriebler oder 178 PS mit elektrischem Allradantrieb. Bei diesem treibt ein zusätzlicher Elektromotor die Hinterräder an. Der Hybrid ist außerdem mit einer 230-Volt-Steckdose zur Versorgung externer Geräte erhältlich – einer Funktion, die bislang vor allem aus Elektroautos bekannt ist.
Kurzfazit zum Pariser Autosalon
Schon nach dem Auftakt der Motorshow zeichnen sich einige Trends ab: Elektromobilität wird vielfältiger – vom kompakten Zweisitzer über wandelbare Familienautos bis zum großen SUV. Europäische Marken setzen dabei auf vertraute Namen und günstigere Einstiegsmodelle, BYD vor allem auf schnelle Ladetechnik. Entscheidend wird sein, wie viel von den gezeigten Ideen tatsächlich auf die Straße kommt und ob Preise, Reichweiten und Ladeversprechen im Alltag überzeugen.
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