Konjunkturprognosen Wifo und IHS
Österreichs Wirtschaft wächst wieder, doch der Aufschwung bleibt schwach

| Tobias Seifried 
| 14.10.2026

Wifo und IHS rechnen für 2026 und 2027 mit einem kleinen Wachstum. Die Industrie dürfte die Erholung stützen, während hohe Energiepreise den Konsum belasten. Bei Inflation, Arbeitsmarkt und Staatsfinanzen bleibt die Lage angespannt.

Österreichs Wirtschaft dürfte sich nach der langen Schwächephase weiter erholen, allerdings nur mit geringem Tempo. Das geht aus den am Mittwoch veröffentlichten Herbstprognosen des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) rund um Direktor Gabriel Felbermayr und dem von Holger Bonin geführten Instituts für Höhere Studien (IHS) hervor.

Beide Institute erwarten für 2026 ein Wachstum von weniger als einem Prozent. Für 2027 rechnen sie mit einer etwas stärkeren Dynamik, warnen aber zugleich vor anhaltend hohen Energiepreisen und wirtschaftlichen Risiken.

  • Prognosen für 2026
Kennzahl Wifo 2026 IHS 2026
BIP-Wachstum 0,9 % 0,8 %
Inflation 3,3 % 3,1 %
Arbeitslosenquote 7,6 % 7,6 %
Privater Konsum 0,4 % 0,5 %

Das Wifo prognostiziert für das laufende Jahr ein reales Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent und für 2027 einen Anstieg um 1,3 Prozent. Das IHS ist etwas zurückhaltender und erwartet 0,8 beziehungsweise 1,0 Prozent. Seine Wachstumsprognosen hat das Institut damit gegenüber dem Sommer unverändert gelassen. 

  • Prognosen für 2027
Kennzahl Wifo 2027 IHS 2027
BIP-Wachstum 1,3 % 1,0 %
Inflation 2,6 % 2,8 %
Arbeitslosenquote 7,3 % 7,4 %
Privater Konsum – 0,7 %

Industrie soll die Erholung tragen

Ein wichtiger Wachstumstreiber dürfte nach Einschätzung beider Institute die Industrie sein. Das Wifo geht davon aus, dass sie 2026 den öffentlichen Bereich als wesentlichen Wachstumsträger ablöst. Hintergrund ist die erwartete Belebung der Nachfrage auf wichtigen Exportmärkten.

"2026 löst die Industrie den öffentlichen Bereich als Wachstumsträger ab; die weitere Entwicklung der Industriewertschöpfung ist allerdings von der Auslandsnachfrage und den Energiepreisen abhängig“, erklärt Wifo-Ökonom Christian Glocker.

Das Wifo rechnet für 2026 mit einem Exportwachstum von 2,3 Prozent. Das IHS erwartet bei den gesamten Exporten einen Anstieg von 2,0 Prozent. Für 2027 liegen die entsprechenden Prognosen des IHS bei 2,3 Prozent. 

Hohe Energiepreise belasten die Kaufkraft

Die privaten Haushalte dürften von der wirtschaftlichen Erholung zunächst nur eingeschränkt profitieren. Laut Wifo bleibt der private Konsum 2026 mit einem erwarteten Plus von 0,4 Prozent schwach. Das IHS prognostiziert einen Anstieg um 0,5 Prozent.

Als wesentliche Belastungsfaktoren nennen die Institute die hohen Energiepreise, die schwache Entwicklung der Realeinkommen und die wirtschaftliche Unsicherheit. Insbesondere die Folgen des Konflikts im Nahen Osten erschweren die Erholung.

Für 2027 erwartet das IHS beim privaten Konsum ein Wachstum von 0,7 Prozent. Das Institut geht davon aus, dass Haushalte angesichts der schwachen Kaufkraftentwicklung ihre Sparquote reduzieren. 

Inflation dürfte auch 2027 über zwei Prozent liegen

Bei der Teuerung unterscheiden sich die Einschätzungen der Institute leicht. Das Wifo erwartet für 2026 eine Inflationsrate von 3,3 Prozent, das IHS rechnet mit 3,1 Prozent.

Im kommenden Jahr dürfte sich der Preisauftrieb zwar abschwächen, aber weiterhin über dem Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank liegen. Das Wifo prognostiziert 2,6 Prozent, das IHS 2,8 Prozent.
Das IHS hat seine Inflationsprognosen angehoben, weil der durch den Iran-Krieg ausgelöste Energiepreisanstieg länger anhält als im Sommer angenommen. Neben Treibstoffen und Heizöl könnten auch höhere Strom- und Gaspreise sowie verzögerte Kostenweitergaben die Teuerung beeinflussen. 

Arbeitslosigkeit dürfte erst 2027 zurückgehen

Am Arbeitsmarkt erwarten beide Institute zunächst nur eine langsame Verbesserung. Für 2026 prognostizieren Wifo und IHS übereinstimmend eine Arbeitslosenquote von 7,6 Prozent nach nationaler Definition.
Im kommenden Jahr dürfte die Quote laut Wifo auf 7,3 Prozent und laut IHS auf 7,4 Prozent sinken. Die Beschäftigung soll zwar zunehmen, gleichzeitig dürfte aber auch das Arbeitskräfteangebot weiter wachsen.

Budgetdefizit bleibt eine Herausforderung

Auch bei den öffentlichen Finanzen rechnen die Institute nicht mit einer raschen Entspannung. Das IHS erwartet für 2026 ein Budgetdefizit von 3,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und für 2027 von 3,7 Prozent. Damit würde Österreich weiterhin über der Maastricht-Grenze von drei Prozent liegen.
Das Wifo blickt in seiner mittelfristigen Prognose noch weiter voraus. Demnach dürfte das jährliche Defizit im Zeitraum 2026 bis 2031 durchschnittlich 4,1 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Die Staatsschuldenquote könnte bis 2031 auf 89 Prozent steigen. Um das Maastricht-Ziel zu erreichen, wären nach Einschätzung des Wifo ab 2029 zusätzliche Konsolidierungsmaßnahmen im Ausmaß von mindestens einem Prozent des BIP notwendig.

Das IHS geht ebenfalls davon aus, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Schuldenquote dauerhaft zu stabilisieren. 

Geopolitische Risiken bleiben hoch

Beide Institute sehen insbesondere in den internationalen Entwicklungen erhebliche Unsicherheiten. Eine weitere Eskalation der Konflikte im Nahen Osten oder in der Ukraine könnte die Energiepreise erneut erhöhen und die wirtschaftliche Erholung bremsen.

Weitere Risiken ergeben sich aus möglichen Handelskonflikten, steigenden Finanzierungskosten und einer schwächeren Konjunktur auf wichtigen Exportmärkten. Das IHS verweist zudem auf mögliche Korrekturen an den Finanzmärkten, etwa im Zusammenhang mit KI-Unternehmen. 

Fazit

Beide Herbstprognosen zeichnen damit ein ähnliches Bild: Österreich dürfte 2026 und 2027 wirtschaftlich wachsen, ein kräftiger Aufschwung ist aus Sicht der beiden Institute aber vorerst nicht zu erwarten.

Ob die in Aussicht gestellten Entwicklungen halten oder überarbeitet werden müssen, zeigt sich am 17. Dezember. Denn dann präsentieren Wifo und IHS ihre Winterprognosen.

www.wifo.ac.at

www.ihs.ac.at

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