Wenn sich die Wiener Staatsoper am 4. Februar 2027 wieder für Österreichs Staatsball in eine glamouröse Kulisse verwandelt, gehört das Parkett zu Beginn erneut den jungen Tanzpaaren des Eröffnungskomitees – ein Auftritt, dem Monate der Vorbereitung vorausgehen und der für manche seit ihrer Kindheit ein Wunsch ist. Ein erster Schritt dorthin führte am 10. Oktober 2026 ins Hotel Imperial. Im Festsaal stellten sich die Bewerber:innen den prüfenden Blicken von Maria Angelini-Santner, Christoph Santner und Opernballorganisatorin Susanne Athanasiadis.
Laut Veranstalter:innen war die Auswahl so international wie nie zuvor. Hunderte Bewerbungen gingen ein, erstmals aus allen neun Bundesländern und insgesamt 14 Nationen. Knapp die Hälfte der Paare trat persönlich an. Wobei zwei von ihnen dafür besonders viel auf sich nahmen: ein zweijähriges Tanztraining und einen Flug von New York nach Wien.
Zwei Jahre Training für zwei Nächte in Wien
Harrison Wilkins und Hope Hall waren eigens aus New York eingeflogen, um sich persönlich für die Eröffnung zu empfehlen. Zwei Jahre lang hatten sie in einer Tanzschule in Chelsea geübt. Für ihren ersten Wien-Besuch blieben ihnen hingegen nur zwei Nächte, und das, obwohl Wilkins' Interesse am Opernball bis in seine Kindheit zurückreicht. "Als ich ein Kind war, hat meine Mutter immer vom Wiener Opernball gesprochen. Und mein Vater stammt aus Deutschland", erzählte er. Gemeinsam mit Hall wollte er aus dieser Verbindung einen eigenen Auftritt machen. "Deshalb wollten wir die Sache ernst nehmen, hierherkommen und zeigen, woran wir in den vergangenen zwei Jahren gearbeitet haben."
Auch für Hall kam die Bewerbung zu einem besonderen Zeitpunkt. Nach fünf Jahren in einem Internat in England, in denen sie die europäische Kultur kennengelernt hatte, steht ihre Rückkehr nach Amerika zum Universitätsstudium an. Das Vortanzen wollte sie davor noch wahrnehmen. "Wir sind sehr aufgeregt und freuen uns riesig", sagte sie. Ob sich das Training und die kurze Reise mit einer Zusage auszahlen, ist noch offen. An der Bereitschaft zu einem weiteren Besuch dürfte es jedenfalls nicht scheitern. "Jede Gelegenheit, nach Europa zu kommen, nutzen wir gerne", so Wilkins.
Auch bekannte Namen müssen überzeugen
Für die Jury zählen vor allem die tänzerischen Voraussetzungen. So werden Paare mit sehr guten Linkswalzerkenntnissen gesucht, wobei die Altersgrenzen bei 18 bis maximal 25 Jahren für Damen und 18 bis maximal 29 Jahren für Herren liegen. Beurteilt wurden die Auftritte von den Geschwistern Maria Angelini-Santner und Christoph Santner, die laut Informationen zum siebten Mal gemeinsam die Choreografie des Eröffnungskomitees verantworten. Mit ihnen verfolgte Susanne Athanasiadis, zum fünften Mal als Opernballorganisatorin im Einsatz, das Vortanzen.
Unter den Bewerber:innen waren auch Anna Ladstätter und Nicholas Holecek sowie Philipp Attensam und Sara Celik. Ladstätter ist die Tochter von Simone Wohinz, der kaufmännischen Direktorin des Wiener Staatsballetts, und Christoph Ladstätter, dem kaufmännischen Geschäftsführer der Volksoper. Eine Verbindung zur Opernwelt oder ein bekannter Familienname ersetzt allerdings keine sicheren Walzerschritte. "Ohne fundierte Linkswalzerkenntnisse können wir auch bei bekannten Namen kein Auge zudrücken", betonte Athanasiadis. Wer eine weitere Anreise hat, kann sein Können auch per Video zeigen. Die Organisatorin verband diesen Hinweis mit einer augenzwinkernden Einschränkung: "Ohne Hilfe der KI natürlich, denn das würde sich bitter rächen!"
Auf der Bühne zu Hause, beim Vortanzen aufgeregt
Dass auch Bühnenerfahrung die Nervosität nicht ganz nimmt, zeigte Jana Radda. Die Opernschülerin wirkte an der Wiener Staatsoper bereits als junge Salome neben Malin Byström in der Titelrolle mit. "Ich bin schon nervös, ein bisschen. Aber es ist positiv, weil wir hier machen, was wir lieben. Und es macht sehr viel Spaß", erzählte Radda. Zum vertrauten Gefühl, vor Publikum zu stehen, kam dieses Mal eine neue Aufgabe. "Und plötzlich muss man tanzen. Das ist ein ganz anderes Gefühl."
An ihrer Seite trat Ferdinand Farre Capdevilla an. Die beiden verbindet auch abseits des Tanzparketts eine Beziehung. "Ich habe künstlerisch indirekt mit meiner Freundin zu tun und bewundere sie immer, wenn sie in der Oper auftritt. Wir sind auch im echten Leben ein Paar", sagte er.
Die ersten Schritte geben den Ausschlag
Während die Bewerber:innen auf ihre Aufnahme ins Komitee hoffen, denken Angelini-Santner und Santner bereits an die kommenden Proben. Beim Vortanzen gewinnen sie rasch einen Eindruck davon, welche Paare die nötigen Voraussetzungen mitbringen. "Man kann relativ schnell entscheiden, weil man das meistens schon beim Aufstellen des Paares sieht. Und natürlich dann in den ersten paar Schritten", erklärte Santner. Daraus lasse sich erkennen, ob ein Paar Potenzial habe oder die Vorbereitung schwieriger werden könnte. Die Erfahrung aus den vergangenen Jahren hilft den Geschwistern bei der Planung. Zur Selbstverständlichkeit wird die Arbeit an der Eröffnung für sie dennoch nicht. "Wir gehen es auf jeden Fall mit mehr Routine und mit noch mehr Sicherheit an. Routine kann so ein Projekt aber nie werden", sagte Angelini-Santner.
Bis zum Probenbeginn bleibt noch Zeit, das Konzept auszuarbeiten. Santner stellte bereits eine "sehr außergewöhnliche Choreografie" in Aussicht. Wer sie schließlich beim Einzug in die Wiener Staatsoper präsentieren darf, soll laut den Verantwortlichen am 30. Oktober feststehen. Dann entscheidet sich auch, für welche Paare aus dem Lampenfieber beim Vortanzen die Vorfreude auf das Opernball-Debüt wird.
LEADERSNET begleitete die Bewerber:innen. Einen Eindruck vom Vortanzen können Sie mittels Galerie gewinnen.
www.opernball.at
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