Fotos & Video der Preisverleihung
KFV-Forschungspreis rückte Unfallprävention und KI in den Fokus

Eine Atemhilfe für Lawinenverschüttete, Überflutungsmodelle für Städte und die automatisierte Auswertung von Unfallberichten wurden ausgezeichnet. LEADERSNET.tv begleitete die Preisverleihung und fragte u. a. nach, wie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen mehr Sicherheit entstehen kann und welche Verantwortung beim Menschen bleibt.

Forschung zur Unfallprävention reicht von der medizinischen Versorgung unter Schnee bis zu Stadtplanung und der Analyse von Krankenhausdaten. Wie unterschiedlich die Ansätze sein können, zeigten erst kürzlich die drei Siegerprojekte des KFV-Forschungspreises 2026, die im Technischen Museum Wien ausgezeichnet wurden. Neben den prämierten Arbeiten stand dabei auch das Verhältnis von Mensch und künstlicher Intelligenz im Fokus der Veranstaltung.

Eine achtköpfige Fachjury bewertete die Einreichungen. Nach Angaben von Armin Kaltenegger, Jury-Vorsitzender des KFV-Forschungspreises 2026, nahm die insgesamt 39 Einreichungen zum Anlass für einen humorvollen Vergleich: "13 Jahre Forschungspreis, dreimal 13 Einreichungen – das ergibt 39. Die 13 scheint also eine Glückszahl zu sein. Man denke nur an Apollo 13: Alle drei Astronauten haben überlebt. Das ist doch ein gutes Vorzeichen."

Forschung soll in der Praxis ankommen

Mit der Auszeichnung verbindet das Kuratorium für Verkehrssicherheit den Anspruch, wissenschaftliche Erkenntnisse für die Unfallverhütung nutzbar zu machen. Doris Wendler, Präsidentin des KFV, erklärte gegenüber LEADERSNET.tv: "Der KFV-Forschungspreis wurde 2013 ins Leben gerufen und wird seither alle zwei Jahre vergeben. Die ausgezeichneten Forschungsprojekte liefern uns wichtige Erkenntnisse, um gezielte Maßnahmen zu entwickeln und diese anschließend in die Praxis umzusetzen. Damit leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit in Österreich."

Auch Johanna Trauner-Karner, Geschäftsführerin des KFV, betonte die Unterstützung über die Preisvergabe hinaus: "Unser Ziel ist es, innovative Forschung nicht nur auszuzeichnen, sondern auch ihre Umsetzung in die Praxis zu ermöglichen. Deshalb unterstützen wir die Gewinner:innen des KFV-Forschungspreises nicht nur finanziell, sondern bringen auch unsere Expertise und unser Netzwerk ein. Denn wir sind überzeugt, dass ihre Projekte großes Potenzial haben, die Sicherheit der Menschen nachhaltig zu verbessern."

Atemhilfe soll zusätzliche Zeit für die Lawinenrettung schaffen

Den ersten Platz erhielt Frederik Eisendle von der Medizinischen Universität Innsbruck für die Untersuchung eines Atemhilfesystems für Lawinenverschüttete. Das im Rucksack mitgeführte Gerät leitet Luft aus dem umgebenden Schnee im Rückenbereich zu den Atemwegen. Dadurch soll es Sauerstoffmangel und eine gefährliche Anreicherung von Kohlendioxid hinauszögern. 

Die zugrunde liegende randomisierte klinische Feldstudie wurde 2025 im Fachjournal JAMA veröffentlicht. In die Auswertung gingen 24 gesunde Freiwillige ein, die unter kontrollierten Bedingungen eine Verschüttung im Schnee durchliefen. Mit aktivem System betrug die mediane Versuchsdauer 35 Minuten, in der Kontrollgruppe 6,4 Minuten.  Die Technologie kann damit wertvolle zusätzliche Zeit für die Rettung schaffen und künftig einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Überlebenschancen bei Lawinenunfällen leisten.

Überflutungsmodelle verbinden Simulationen mit Einsatzdaten

Auf Platz zwei folgte Martina Hauser von der Universität Innsbruck. Sie entwickelte im Rahmen ihrer Dissertation computergestützte Ansätze zur Modellierung urbaner Überflutungen. Dabei verknüpfte sie Berechnungen und Simulationen mit realen Daten von Feuerwehreinsätzen.

Die Modelle sollen helfen, besonders gefährdete Gebiete zu erkennen und Schutzmaßnahmen gezielter zu planen. Nach Angaben des KFV zeigen die Ergebnisse unter anderem, wie zusätzliche Grün- und Versickerungsflächen Überflutungsrisiken und Schäden reduzieren können. Solche sogenannten blau-grünen Infrastrukturen verbinden die Nutzung von Vegetation mit dem Rückhalt und der Versickerung von Wasser. Die Forschung soll Kommunen, Planungsbehörden und Einsatzorganisationen eine Grundlage für den Umgang mit Starkregen liefern.

KI macht Unfallberichte systematisch auswertbar

Den dritten Platz belegte Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle in Graz. Sein Projekt setzt bei den schriftlichen Beschreibungen von Unfällen an. Mithilfe KI-gestützter Sprach- und Textanalysen sollen diese automatisiert ausgewertet werden, um wiederkehrende Unfallmuster und Risikosituationen zu erkennen.

Grundlage ist das Styrian Injury Surveillance System (StISS). Darin werden laut KFV jährlich rund 140.000 Unfallpatient:innen in steirischen Krankenhäusern erfasst, darunter etwa 27.000 Kinder. Die Analyse der bislang aufwendig auszuwertenden Freitexte soll zusätzliche Erkenntnisse für gezielte Präventionsmaßnahmen liefern. Datenschutz und Datensicherheit sind nach Angaben des Veranstalters Bestandteil des Ansatzes.

Engagement junger Forscher:innen hervorgehoben

Die Auswahl aus den eingereichten Arbeiten sei heuer besonders schwierig gewesen, sagte Trauner-Karner: "Es waren besonders innovative Projekte, so viele Einreichungen wie noch nie. Es war auch ganz besonders schwierig, hier eine Auswahl zu finden, aber wir haben eine gute Auswahl getroffen, aber alle sind Gewinner:innen und am wichtigsten ist, dass in Österreich einfach die Sicherheit besser wird."

Christoph Feymann, KFV-Bereichsleiter Marketing & Kommunikation, hob neben der Qualität der Arbeiten den wissenschaftlichen Nachwuchs hervor: "Also die Qualität der eingereichten Arbeiten und natürlich die drei Siegerprojekte waren außergewöhnlich dieses Jahr. Und was mich auch besonders gefreut hat, dass der erste und zweite Platz an sehr junge Forscher:innen gegangen sind, die mit der Dissertation gerade fertig geworden sind. Und man sieht das Engagement bei ganz jungen Wissenschaftler:innen, wie die das Thema ernst nehmen und einfach auch einen großen Beitrag leisten wollen, dass wir sicherer werden."

Welche Verantwortung beim Menschen bleibt

Mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz stellte sich bei der Veranstaltung zugleich die Frage, welche menschlichen Fähigkeiten und Aufgaben sich nicht an Maschinen übertragen lassen. Lisz Hirn, Philosophin und Keynote-Speakerin, rückte dabei das soziale Miteinander in den Mittelpunkt: "Ich glaube, dass wir da ein ganz großes Potenzial haben im Zwischenmenschlichen und in der Sorge, also füreinander und auch das Wahrnehmen von unserer Umwelt und Mitwelt. Und das ist, glaube ich, die einzige Sache, wo wir definitiv schwer ersetzt werden können. Das Empathie-Haben, das Füreinander da sein, umsichtig sein, füreinander sorgen und auch die Welt verbessern wollen."

Auch Moderatorin Claudia Reiterer sprach über das Zusammenspiel von technischer Entwicklung und menschlicher Verantwortung. Im Gespräch mit LEADERSNET.tv erinnerte sie daran, dass vor zwei Jahren ein digitaler Avatar von ihr die Veranstaltung eröffnet hatte. Heuer habe man bewusst analog begonnen. Welche Rolle sie Empathie und menschlichen Entscheidungen beimisst, erläutert sie im Video:

VVO-Vizepräsident Klaus Scheitegel verband die technologischen Möglichkeiten mit einem Wunsch an die Preisträger:innen: "Wir zeichnen heute hervorragende Projekte aus, die die Gesellschaft, die Allgemeinheit, sicherer machen in ihrem Alltagsleben. Die KI hat dort bereits Einsatz gefunden und macht gewisse Entwicklungen noch schneller, noch transparenter. Und ich wünsche mir, dass es so weitergeht, wie wir heute auszeichnen dürfen."

Die drei ausgezeichneten Arbeiten setzen an unterschiedlichen Stellen an – bei der Rettung nach einem Lawinenabgang, der Vorsorge gegen Überflutungen und dem Erkennen von Unfallrisiken.

Video-Interview-Partner:innen

Neben Doris Wendler (Präsidentin KFV), Armin Kaltenegger (Jury-Vorsitzender des KFV-Forschungspreis 2026), Lisz Hirn (Philosophin & Keynote Speakerin), Johanna Trauner-Karner (Geschäftsführerin KFV), Christoph Feymann (KFV Bereichsleiter Marketing & Kommunikation), Klaus Scheitegel (VVO-Vizepräsident) und Claudia Reiterer (Moderatorin) holte LEADERSNET.tv auch Monika Ballwein (Sängerin, Vocal Coach & Buchautorin), Christian Eltner (Generalsekretär VVO) und Frederik Eisendle (1. Platz des KFV-Forschungspreises 2026) vor die Kamera. 

Einen Eindruck von der Preisverleihung können Sie sich mittels Galerie verschaffen.

www.kfv.at

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