Geht es nach den am Mittwoch veröffentlichten Ergebnissen der achten Ausgabe der internationalen Studie "Allianz Pulse", für die der Versicherungskonzern jeweils 1.000 Personen in acht Ländern befragen ließ, gehört Österreich bei der betrieblichen Weiterbildung zu Künstlicher Intelligenz (KI) zu den Schlusslichtern und weist gleichzeitig die größte Skepsis gegenüber der Technologie auf.
Untersucht wurden unter anderem die Nutzung von KI, ihre erwarteten Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sowie die Einstellung zu möglichen Risiken und regulatorischen Maßnahmen.
Bei KI-Schulungen fast am Ende des Rankings
Besonders deutlich fällt der Rückstand Österreichs den Studienautor:innen zufolge bei der betrieblichen Weiterbildung aus. Nur elf Prozent der befragten Erwerbstätigen haben nach eigenen Angaben am Arbeitsplatz eine KI-Schulung erhalten. Im Durchschnitt der acht untersuchten Länder sind es 17 Prozent, in den USA sogar 30 Prozent. Lediglich Polen liegt mit zehn Prozent noch knapp hinter Österreich.
Ein wesentlicher Grund dürfte das fehlende Angebot sein: 52 Prozent der österreichischen Befragten geben an, dass ihr Arbeitgeber keine entsprechenden Schulungen anbietet. Das ist der höchste Wert aller untersuchten Länder, deren Durchschnitt bei 44 Prozent liegt.
Die Allianz weist zudem darauf hin, dass vor allem höher qualifizierte Beschäftigte von Weiterbildungsangeboten profitieren. Dadurch könnten sich bestehende Unterschiede bei beruflichen Chancen und Qualifikationen weiter verstärken.
Österreich nutzt KI seltener als der Durchschnitt
Auch bei der allgemeinen Nutzung liegt Österreich unter dem internationalen Durchschnitt. Während in den acht untersuchten Ländern 48 Prozent mindestens einmal wöchentlich KI verwenden, sind es hierzulande 43 Prozent. In den USA und Spanien liegt der Anteil bei jeweils rund 55 Prozent.
Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen den Generationen: 74 Prozent der österreichischen Generation Z nutzen KI zumindest einmal pro Woche, bei den Babyboomern sind es lediglich 23 Prozent.
Zudem wird KI in Österreich häufiger für private als für berufliche Zwecke eingesetzt. 56 Prozent der Nutzer:innen verwenden die Technologie überwiegend privat, während 44 Prozent sie zumindest teilweise für Arbeit oder Ausbildung nutzen.
"Viele Menschen nutzen KI bereits, doch zu wenige setzen sie im Job wirksam ein", erklärt Ludovic Subran, Chefvolkswirt und Chief Investment Officer der Allianz. Ohne eine stärkere Nutzung am Arbeitsplatz könnten Österreich und Europa im internationalen Wettbewerb zurückfallen.
Nirgends ist die Sorge um Arbeitsplätze größer
Besonders auffällig ist die skeptische Haltung gegenüber den Auswirkungen von KI. Österreich weist unter den acht untersuchten Ländern den negativsten Stimmungssaldo auf. Bei der allgemeinen Bewertung der Technologie beträgt dieser minus 51 Prozentpunkte, gegenüber minus 34 Prozentpunkten im Durchschnitt.
Noch ausgeprägter sind die Befürchtungen hinsichtlich des Arbeitsmarktes. 85 Prozent der österreichischen Befragten bewerten die möglichen Beschäftigungsfolgen negativ, lediglich vier Prozent positiv. Daraus ergibt sich ein Saldo von minus 81 Prozentpunkten – der schlechteste Wert aller untersuchten Länder.
Gegenüber der Erhebung von 2025 hat sich dieser Saldo um 19 Prozentpunkte verschlechtert. Zum Vergleich: In Frankreich beträgt er minus 75 Prozentpunkte, in den USA minus 44 Prozentpunkte.
Viele erwarten Veränderungen statt Jobverlust
Trotz der ausgeprägten Sorgen rechnen vergleichsweise wenige Befragte damit, ihren Arbeitsplatz vollständig an KI zu verlieren. Sechs Prozent erwarten einen kompletten Wegfall ihres Jobs innerhalb der nächsten fünf Jahre.
Weitere 18 Prozent gehen davon aus, dass KI wesentliche Teile ihrer Arbeit übernehmen wird. 31 Prozent erwarten hingegen vor allem Unterstützung bei ihren bisherigen Aufgaben.
Dabei spielt die persönliche Erfahrung mit der Technologie offenbar eine wichtige Rolle. Unter jenen Beschäftigten, die KI bereits beruflich einsetzen, erwarten 50 Prozent eine unterstützende Funktion. Bei den Nicht-Nutzer:innen sind es lediglich zwölf Prozent.
Auch hinsichtlich der eigenen Produktivität überwiegen die positiven Erwartungen: Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen liegt in Österreich bei plus 23 Prozentpunkten. Allerdings rechnen 41 Prozent mit geringen oder gar keinen Auswirkungen.
Wunsch nach strengerer Regulierung wächst
Neben den möglichen Folgen für den Arbeitsmarkt beschäftigt viele Befragte die Frage, wie sich KI auf die gesellschaftliche Ungleichheit auswirken könnte. In Österreich erwarten 45 Prozent eine Zunahme der Ungleichheit, im internationalen Durchschnitt sind es 37 Prozent.
Als größte Risiken werden Desinformation (27 Prozent), der mögliche Kontrollverlust über fortgeschrittene KI-Systeme (21 Prozent), Datenschutzprobleme (19 Prozent) und Arbeitsplatzverluste (14 Prozent) genannt.
Parallel dazu ist die Zustimmung zu strengeren gesetzlichen Regeln deutlich gestiegen. Der Saldo zwischen Befürworter:innen und Gegner:innen einer stärkeren Regulierung erhöhte sich gegenüber 2025 um 21 Prozentpunkte auf plus 77 Prozentpunkte.
"Die Angst vor Künstlicher Intelligenz ist groß", so Simon Krause, Ökonom bei Allianz Research. Die ausgeprägten Sorgen um Arbeitsplätze, Ungleichheit und Sicherheit würden aus seiner Sicht den starken Wunsch nach strengeren Regeln erklären.
Die Studienergebnisse verdeutlichen damit eine Herausforderung für den österreichischen Wirtschaftsstandort: Während KI zunehmend genutzt wird und viele Beschäftigte Produktivitätsvorteile erwarten, bleibt die betriebliche Weiterbildung bislang vergleichsweise schwach ausgeprägt.
www.allianz.com
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