Krisen, Teuerung und geopolitische Unsicherheiten hinterlassen Spuren beim Einkauf. Das zeigte die am Montag in Wien präsentierte RollAMA-Halbjahresbilanz der AMA-Marketing. Im ersten Halbjahr 2026 sank die Einkaufsmenge der erfassten Warengruppen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,6 Prozent auf 1,031 Millionen Tonnen. Die Ausgaben gingen um 3,2 Prozent auf knapp 5,4 Milliarden Euro zurück. Damit lagen die Mengen wieder ungefähr auf dem Niveau von 2019. Wichtig für die Einordnung: Die RollAMA bildet nicht den gesamten Lebensmitteleinkauf im österreichischen Handel ab, sondern einen definierten Warenkorb mit vorwiegend landwirtschaftlich erzeugten Lebensmitteln. Dazu zählen unter anderem Milch und Milchprodukte, Fleisch und Wurst, Obst und Gemüse, Erdäpfel, Eier sowie Brot und Gebäck. Erfasst werden zudem Einkäufe für den Haushaltskonsum, nicht jedoch der Außer-Haus-Konsum und Individualverzehr. Grundlage ist ein Haushaltspanel mit 2.800 Haushalten.

Familien mit Kindern reduzieren ihre Einkäufe deutlich
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei größeren Haushalten. Haushalte mit vier oder mehr Personen kauften von den erfassten Warengruppen mengenmäßig 14,6 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025, bei Familien mit Kindern betrug das Minus 14,5 Prozent. Auch Haushalte mit mittleren Einkommen reduzierten ihre Einkäufe überdurchschnittlich. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass in gleichem Ausmaß weniger gegessen wird. Bei der Pressekonferenz im Wiener APA-Zentrum wurde darauf hingewiesen, dass bewusster geplante Einkäufe, eine geringere Lebensmittelverschwendung und die Verlagerung von Mahlzeiten außer Haus mögliche Erklärungen sein können. Tatsächlich entwickelte sich der Außer-Haus-Bereich im ersten Halbjahr bei einigen Warengruppen besser als der Lebensmitteleinzelhandel. Bei Fleisch und Geflügel etwa stieg die verkaufte Menge im Gastronomiegroßhandel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,4 Prozent, während sie im LEH bei den von der RollAMA erfassten Einkäufen um vier Prozent zurückging.
Mehr als jeder dritte Euro fließt in Aktionen
Deutlich sichtbar ist das gestiegene Preisbewusstsein bei Aktionskäufen. 34,3 Prozent der Ausgaben für die von der RollAMA erfassten Warengruppen entfielen im ersten Halbjahr auf Aktionsprodukte. Im Vorjahreszeitraum waren es 33,4 Prozent. Besonders ausgeprägt war die Entwicklung bei Fleisch und Wurst, wo der Aktionsanteil 42,8 Prozent erreichte.
Auch bei der Wahl der Einkaufsstätten gab es Verschiebungen. Die Diskonter steigerten ihren wertmäßigen Anteil von 29,8 auf 30,5 Prozent, während der übrige Lebensmitteleinzelhandel leicht verlor. Fachhandel und Direktvermarktung blieben mit einem Anteil von 8,6 Prozent stabil.
Handelsmarken gewinnen weiter an Bedeutung
Bei abgepackten Produkten mit festem Gewicht entfielen mittlerweile 66,1 Prozent der Ausgaben auf Handelsmarken, nach 63,5 Prozent im ersten Halbjahr 2025. Diese Zahl umfasst allerdings nicht Fleisch, Obst und Gemüse und ist daher ebenfalls nicht auf den gesamten Lebensmitteleinkauf übertragbar. Besonders hoch war der Handelsmarkenanteil bei Eiern mit 82 Prozent, gefolgt von Gebäck mit 74 Prozent und der Weißen Palette mit 72 Prozent.
Bio erreicht neuen Höchststand
Bemerkenswert ist, dass das gestiegene Preisbewusstsein nicht mit einem Rückzug aus dem Biosegment einhergeht. Der Bioanteil bei den von der RollAMA erfassten Warengruppen erreichte im ersten Halbjahr wertmäßig 12,6 Prozent. 2025 waren es 11,9 Prozent. Damit wurde ein neuer Rekordwert erreicht. Dazu passen die Ergebnisse einer von YouGov präsentierten Befragung. Drei Viertel der Österreicher:innen meinen demnach, dass Lebensmittel aus Österreich qualitativ am besten seien. 44 Prozent gaben an, beim Einkauf Lebensmittel mit dem AMA-Gütesiegel zu bevorzugen. Laut YouGov entspricht das einem Anstieg von knapp vier Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.
"Die aktuellen RollAMA-Daten zeigen deutlich, dass die Haushalte ihr Einkaufsverhalten an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anpassen. Gleichzeitig bleiben Qualität und regionale Herkunft für die Konsument:innen wichtig", sagt Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing.
Hühnerfleisch und Frischgemüse legen zu
Innerhalb des RollAMA-Warenkorbs entwickelten sich die einzelnen Produktgruppen sehr unterschiedlich. Besonders gefragt waren im ersten Halbjahr unter anderem Naturjoghurt inklusive Skyr, Frischkäse und Topfen sowie Vollkornbrot, Getreide und Samen. Grüner Salat verzeichnete gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Mengenplus von 16 Prozent, Vollkornbrot legte um 14,2 Prozent und Naturjoghurt inklusive Skyr um 9,2 Prozent zu. Getreide, Samen und Getreideflocken kamen auf ein Plus von 8,5 Prozent.
Auch beim Fleisch setzte sich eine längerfristige Verschiebung fort. Hühnerfleisch erreichte innerhalb der dargestellten Fleischkategorien einen Mengenanteil von 32 Prozent. 2022 waren es noch 28,1 Prozent gewesen. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 nahm die gekaufte Menge bei Hühnerfleisch um 2,5 Prozent zu. Bei Rind und Kalb sank sie hingegen um 10,2 Prozent, bei Pute sogar um 20,8 Prozent.
Bei pflanzlichen Lebensmitteln entwickelte sich vor allem Frischgemüse positiv. Salat und Fruchtgemüse legten zu. Frisches Obst und Gemüse schnitten mengenmäßig insgesamt besser ab als konservierte Produkte und Tiefkühlware.
Butter wird billiger, bleibt aber gefragt
Eine auffällige Entwicklung zeigte sich auch bei Butter. Der durchschnittliche Kilopreis sank von 9,61 Euro im Jahr 2025 auf 7,43 Euro im ersten Halbjahr 2026. Als Ursache nennt die AMA-Marketing Produktionsüberschüsse und ein dadurch größeres Angebot an Milchfett in Europa.
Unabhängig von den Preisbewegungen zeigt der längerfristige Vergleich eine Verschiebung von Margarine zu Butter. Der mengenmäßige Butteranteil stieg von 68,4 Prozent im ersten Halbjahr 2024 auf 73,3 Prozent im ersten Halbjahr 2026.
www.amainfo.at
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