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ProSiebenSat.1 Puls4 und ORF fordern gemeinsame Front gegen US-Tech-Riesen

Rund 700 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medien kamen beim 4Gamechangers Next zusammen, um über mehr Kooperation, Europas Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunft des heimischen Medienstandorts zu diskutieren. LEADERSNET.tv wollte von Entscheider:innen wissen, wie KI die Medien verändert und womit heimische Anbieter gegen internationale Plattformen bestehen können.

Unter dem Motto "Shape What's Next" kamen am Donnerstagabend rund 700 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Medien und Innovation zur zweiten Auflage von 4Gamechangers Next in der Meinls Rösthalle in Wien zusammen. Das von Gundula Geiginger (Puls 4) und Stefan Lenglinger (ORF) moderierte Programm gestalteten ProSiebenSat.1 Puls 4, Joyn und der ORF gemeinsam. Im Zentrum standen Europas wirtschaftliche Zukunft und der heimische Medienstandort vor dem Hintergrund der Dominanz chinesischer und amerikanischer KI- und Tech-Konzerne. Wenige Tage nach dem ORF-Zukunftsforum (LEADERSNET berichtete) herrschte zudem Einigkeit darüber, dass Qualitätsjournalismus dringend gebraucht wird und private sowie öffentlich-rechtliche Medien dafür enger zusammenarbeiten müssen.

Kooperation als Erfolgsmodell

Thomas Gruber, Co-CEO der ProSiebenSat.1 Puls 4 Gruppe, eröffnete den Abend und steckte gemeinsam mit Co-CEO Bernhard Albrecht den thematischen Rahmen ab. Der heimische Medienmarkt stehe vor der doppelten Aufgabe, gegen globale Konzerne aus Amerika und China zu bestehen und Künstliche Intelligenz sinnvoll zu nutzen, ohne dabei die Menschlichkeit zu verlieren. Kritik gehöre zum Tagesgeschäft und sei ein Treiber der Weiterentwicklung.

Gruber erklärte, die zentrale Frage des Abends laute, was Österreich und Europa jetzt tun müssten, um neue Denkanstöße zu gewinnen. "Für uns ist weiterhin entscheidend, dass das Thema Kooperation in den Vordergrund rückt und der ORF in diesem Sinne den Spielraum, die Möglichkeit und den Auftrag bekommt, den österreichischen Medienstandort als Ganzes zu stärken."

"Die Digitalgiganten sehen den Menschen nur mehr als Opfer von Algorithmen. Kooperation wird zum Schlüsselfaktor, um den Medienstandort zukunftsfit zu gestalten", betonte Albrecht.

Babler kündigt einen digitaleren ORF an

In einer Impulsrede widmete sich Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler dem Medienstandort und der geplanten ORF-Reform. Mit Blick auf das Zukunftsforum betonte er den hohen Stellenwert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Alltag der Menschen und die große Übereinstimmung unter den Beteiligten. Die ORF-Gremien müssten sich verändern, während die Politik den Sender bei der Erfüllung seines Auftrags zu unterstützen habe. Mehr Kooperation und Digitalisierung bildeten aus seiner Sicht die Basis, um sich gegen globale Plattformen zu behaupten, die mit ihren Algorithmen Einfluss auf Demokratien nehmen und von Falschinformation leben.

Österreichische Inhalte bezeichnete der Medienminister als gemeinsames Gut, über das sich eine Gesellschaft verständigen könne. Den EU-Vorschlag für ein Social-Media-Verbot für Kinder begrüßte er. Den österreichischen Entwurf für eine entsprechende Regelung nannte er "gut und durchdacht", am vorgesehenen Zeitplan hielt er fest. Überdies betonte er: "Eine freie Demokratie braucht einen ORF und genauso starke private Medien. Österreich muss sich guten Journalismus leisten können. Werbetreibende sind dazu aufgerufen, ihren Teil beizutragen und nicht Milliarden bei globalen Konzernen zu investieren."

Pig sieht Qualitätsmedien als letzte Verteidigungslinie

Fragen zur Zukunft des ORF stellte sich der designierte Generaldirektor Clemens Pig in einem "Breaking Media"-Interview mit Gundula Geiginger. Soziale Plattformen hätten zwar die "Kommunikationsmaschine Mensch entfesselt", dabei aber falsche Spielregeln definiert. Europa besitze die Kraft und regulatorische Tradition, um die Plattformen in die Schranken zu weisen. Gegen Falschinformationen und hybride Kriegsführung stehe am Ende nur noch der Qualitätsjournalismus. "Während wir darüber diskutieren, wer größer oder kleiner sein darf, gewinnen internationale Plattformen Aufmerksamkeit, Werbegeld und Daten. Die wichtigere Frage lautet: Wie viel österreichische Öffentlichkeit wird es künftig noch geben?", sagte Pig.

Dass der ORF auf digitalen Kanälen stattfindet, schreibt ihm der Gesetzgeber ohnehin vor. Künftig will Pig gemeinsam mit anderen Qualitätsmedien den Dialog mit der jungen Zielgruppe stärken. Wo sich die Häuser zusammentun könnten, sieht er etwa bei investigativen Recherchen und in der Berichterstattung über die Wirtschaft.

Pröll setzt auf KI in den Hidden Champions

Vom heimischen Medienstandort weitete sich der Blick anschließend auf Europas technologische und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Im Talk mit ProSiebenSat.1 Puls 4-Infodirektorin Corinna Milborn sprach sich Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll für mehr Mut im Umgang mit Künstlicher Intelligenz aus. Als produzierender Standort könne Österreich stark profitieren, wenn die Technologie in die vielen Hidden Champions einziehe. Beim Social-Media-Verbot will Pröll nicht auf die Europäische Union warten, da sich dort jahrelange Verhandlungen abzeichneten. Zudem kritisierte er die Abhängigkeiten in den Lieferketten und forderte einen geschlosseneren Auftritt der Union.

"Europa ist in der KI-Entwicklung dramatisch hinten nach. Wir haben bei Rechenzentren massiven Aufholbedarf", erklärte Pröll. "Im KI-Bereich arbeitet Österreich an einer adaptiven Strategie, um der Entwicklungsgeschwindigkeit zu begegnen." Während KI-Unternehmen in den Vereinigten Staaten und China im Rennen um die Entwicklung nach Ansicht Prölls die Sicherheit vernachlässigen, habe Europa das Potenzial, erfolgreich mitzuhalten und eigene Rahmenbedingungen zu definieren. Milborn kritisierte in diesem Zusammenhang eine aus ihrer Sicht zu unterwürfige Haltung der Europäischen Union gegenüber den USA und verwies auf die mögliche Beispielwirkung österreichischer Vorstöße.

Pausder fordert ein schnelleres Europa

Mit ihrer Keynote unter dem Titel "Wach auf Europa, wir müssen jetzt loslegen." begeisterte Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des deutschen Startup-Verbands, das Publikum. Dass es um den Kontinent nicht ganz so schlecht bestellt ist, machte sie an mehreren Beispielen fest. So verwies sie auf den Start der ersten Rakete von Isar Aerospace aus Bayern und rund 100 weitere Starts in den Auftragsbüchern. Dem stünden allerdings 170 Raketenstarts von SpaceX im vergangenen Jahr gegenüber. Die Finanzierungsrunde von Mistral wertete Pausder als starkes Zeichen für das Vertrauen in europäische Lösungen, während das Vertrauen der Wirtschaft in die USA aufgrund der politischen Situation sinke. Auch in der Rüstungstechnologie habe sich in Europa eine innovationsstarke Industrie entwickelt, deren Forschung positive Effekte für den zivilen Bereich mit sich bringe.

Als Hemmschuh gelten ihr die komplizierten Gründungsverfahren. Mit der geplanten EU Inc. sollen diese vereinfacht werden, damit Unternehmen nicht mehr in 27 einzelnen Staaten gegründet werden müssen. Vorhandenes Kapital müsse stärker in Innovationen fließen und die Fonds müssten größer werden. Zudem rief Pausder die Staaten dazu auf, sich nach dem Vorbild Frankreichs und Spaniens für die European Tech Champions Initiative zu qualifizieren. "Europa braucht die rechtliche und bürokratische Struktur, um Talente und Ideen groß zu machen und hier zu behalten. Wir haben historisch hohe Gründungszahlen und verlieren 86 Prozent aller Scale-ups ins Ausland. Viele Milliarden Euro gingen in den letzten Jahren an den Nasdaq verloren, weil erfolgreiche Gründungen ins Ausland abgewandert sind", so Pausder.

Den Digital Markets Act bezeichnete sie schließlich als schärfstes Schwert Europas, das konsequent durchgesetzt werden müsse, um den freien Markt gegen Unternehmen zu verteidigen, die hier keine Steuern zahlen. Im European AI Act erkennt sie einen Standortvorteil, der den ethischen Rahmen für künftige Entwicklungen vorgibt.

Österreich fällt in der Eurozone zurück

Wie dringend dieser europäische Aufbruch aus österreichischer Sicht wäre, zeigte der anschließende Blick auf die heimische Wirtschaftslage. Im zweiten Quartal 2026 landete Österreich bei der wirtschaftlichen Entwicklung auf dem letzten Platz aller Euroländer. Globale Ereignisse wie die Blockade der Straße von Hormus erklären das nach Ansicht der Diskutierenden nur zum Teil.

Im Talk mit Pausder und Lenglinger nannte Finanzmarktexpertin Monika Rosen von der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft einen zu schwach ausgebauten Kapitalmarkt als wesentliche Ursache. Eine weitere Schwäche sei die mangelnde Finanzbildung, von der Frauen besonders betroffen seien. Zusammen mit einer ausufernden Bürokratie ergebe das eine gefährliche Mischung. Die Verantwortung dafür allein der Politik zuzuschieben, greife jedoch zu kurz. Auch die Medien müssten Wirtschaftskompetenz vermitteln und unternehmerischen Erfolgen eine Bühne geben. "Mein Ratschlag an junge Menschen: Sich öfter mal die Frage stellen 'Was mache ich persönlich, um die Situation zu verbessern?'", sagte Rosen.

Auch Annette Mann (CEO Austrian Airlines), Marcel Haraszti (Vorstand Rewe International), Astrid Steharnig-Staudinger (CEO Österreich Werbung), Robert Hartlauer (Geschäftsführer Hartlauer), Christiane Noll (CEO Avanade Österreich) und Henry Murray (Co-Founder und CMO Waterdrop) formulierten Appelle an die Politik sowie Kritik und Wünsche an die nationalen Medien. Rosen und Pausder ordneten ihre Aussagen live ein.

Treichl und Zeiler starten Vodcast auf Joyn

An diese Standortdiagnose knüpften Andreas Treichl von der Erste Stiftung und Gerhard Zeiler, President International bei Warner Bros. Discovery, an. Künftig sind die beiden mit dem Vodcast "Über Österreich, die Welt und andere Unwichtigkeiten" auf Joyn zu sehen. Im Gespräch mit Puls 4-Reporterin Tanja Kreidenhuber gaben sie einen Vorgeschmack auf das neue Format.

"Trotz einer der höchsten Forschungsquoten in Europa und hervorragenden Unternehmen ist Österreich extrem weit hinten. Wir müssen zugeben, dass wir Mist gebaut haben und wieder anpacken, damit es wieder bergauf geht", sagte Treichl. Zeiler hingegen mahnte: "Wir dürfen uns Österreich und Europa nicht schlechtreden lassen. Europa muss sich mit 450 Millionen Menschen und einem exzellenten Bildungssystem nicht verstecken. Wir brauchen nur Mut."

Rechtspopulisten spricht Treichl jede Wirtschaftskompetenz ab. Dass sich die Schwedendemokraten bei der vergangenen Wahl nicht durchsetzen konnten, führt er darauf zurück, dass Schweden gut funktioniere und kaum verschuldet sei. Deutschland attestiert er das Gegenteil und verweist auf dessen weitreichende strukturelle Probleme. Zeiler forderte eine Zukunftsvision und warnte davor, sich die Vergangenheit zurückzuwünschen. Gemeinsam plädierten die beiden für einen Schulterschluss von Politik und Wirtschaft.

Werbebudgets als Hebel für den Medienstandort

Zum Abschluss kehrte die Diskussion noch einmal zum österreichischen Medienstandort zurück. Corinna Milborn und ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher richteten dabei den Blick auf dessen Zukunft. "Damit die Gesellschaft funktioniert, müssen wir uns vom Gängelband der US-Konzerne trennen. Werbetreibende sind Teil der Lösung, damit kritischer und qualitativer Journalismus erhalten bleibt. Sie haben es mit ihren Werbeausgaben in der Hand", appellierte Milborn.

"Geld kann abwandern, Werbung kann abwandern und – das halte ich für das Gefährlichste – auch Publikum kann abwandern. Österreich braucht starke private Medien. Und Österreich braucht gleichzeitig einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk", so Thurnher abschließend.

Hochkarätige Gäste

Unter den Gästen tummelten sich zahlreiche hochkarätige Gäste aus Medien, Politik und Wirtschaft, darunter etwa Bernhard Albrecht (ProSiebenSat.1 Puls 4), Niko Alm (Unternehmer), Bianca Ambros (Moderatorin), Sophia Angelides (Moderatorin), Hans Arsenovic (Die Grünen), Andreas Babler (Vizekanzler und Medienminister), Markus Breitenecker (Medienexperte), Corinna Drumm (Verband Österreichischer Privatsender), Christian Ebenbauer (Österreichische Fußball Bundesliga), Julia Ebermann (Moderatorin), Georg Fechter (Masters of Dirt), Julia Furdea (Moderatorin), Gundula Geiginger (Moderatorin), Jakob Glanzner (Moderator), Stefanie Groiss-Horowitz (ORF), Thomas Gruber (ProSiebenSat.1 Puls 4), Gerald Grünberger (Verband Österreichischer Zeitungen), Michael Hafner (Bundesministerium für Landesverteidigung), Philipp Hajszan (Moderator), Mario Hochgerner (Moderator), Valerie Huber (Schauspielerin), Christian Jäger (Unternehmer), Arabella Kiesbauer (Moderatorin), Meinrad Knapp (Moderator), Florian Knöchl (Moderator), Harald Kräuter (ORF), Michael Krön (ORF), Philipp Kucher (SPÖ), Jenny Laimer (Moderatorin), Stefan Lenglinger (Moderator), Sabine Loho (Moderatorin), Hans Mahr (Mahr Media), Andreas Mailath-Pokorny (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien), Sigi Maurer (Die Grünen), Corinna Milborn (ProSiebenSat.1 Puls 4), Thomas Mohr (Moderator), Alexandra Nindl (Moderatorin), Rainer Nowak (Die Presse), Walter Oblin (Österreichische Post), Verena Pausder (Deutscher Startup-Verband), Clemens Pig (ORF), Alexander Pröll (Digitalisierungsstaatssekretär), Manuela Raidl (Moderatorin), Monika Rosen (Österreichisch-Amerikanische Gesellschaft), Andreas Rudas (Arthur D. Little), Wolfgang Schiefer (Moderator), Matthias Settele (Settele Entertainment), Johanna Setzer (Moderatorin), Eveline Steinberger (The Blue Minds Company), Michael Stix (Seven.One Media), Nicolas Stockhammer (Politikwissenschaftler), Peter Strutz (Seven.One Austria), Ingrid Thurnher (ORF), Andreas Treichl (Erste Stiftung), Andreas Tschas (Austrian Startups), Eva Weissenberger (Medienmanagerin) und Gerhard Zeiler (Warner Bros. Discovery).

Unsere Interviewpartner:innen

Neben Thomas Gruber (Co-CEO ProSiebenSat.1 Puls 4), Bernhard Albrecht (Co-CEO ProSiebenSat.1 Puls 4), Andreas Babler (Vizekanzler und Medienminister), Clemens Pig (designierter Generaldirektor ORF), Verena Pausder (Unternehmerin und Vorsitzende Startup-Verband Deutschland), Monika Rosen (Börsenexpertin und Vizepräsidentin Österreichisch-Amerikanische Gesellschaft), Andreas Treichl (Vorstandsvorsitzender Erste Stiftung), Gerhard Zeiler (President International Warner Bros. Discovery) und Corinna Milborn (Info-Direktorin ProSiebenSat.1 Puls 4) holte LEADERSNET.tv auch noch Stefan Lenglinger (Moderator ORF), Michael Stix (Chief Sales Officer DACH Seven.One Media), Peter Strutz (Geschäftsleitung Commercial Director ProSiebenSat.1 Puls 4) und Cornelia Doma (Geschäftsleitung ProSiebenSat.1 Puls 4) vor die Kamera.

Eindrücke finden Sie zudem in unserer Galerie.

www.4gamechangers.io

www.prosiebensat1puls4.com

www.orf.at

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