Banken in Österreich sollen teilweise weniger zusätzliches Kapital zur Absicherung systemischer Risiken vorhalten müssen. Das Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) hat jetzt im Rahmen seiner 50. Sitzung den Systemrisikopuffer und den Puffer für systemrelevante Institute evaluiert und der Finanzmarktaufsicht (FMA) neue Pufferhöhen empfohlen. Für drei Banken würden daraus ab 1. Jänner 2028 geringere Anforderungen resultieren. Eine zentrale Rolle bei der Beurteilung der Risiken spielt die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Sie überwacht laufend die Stabilität des österreichischen Finanzmarkts und liefert damit eine wesentliche Grundlage für die Arbeit des FMSG.
Hintergrund der geplanten Lockerung ist eine verbesserte Risikoeinschätzung. Seit Einführung des Systemrisikopuffers 2016 hätten sich die systemischen Risiken sukzessive verringert. Das FMSG verweist auf die positive Entwicklung in wichtigen zentral- und osteuropäischen Märkten, gesunkene Quoten notleidender Kredite bei österreichischen Tochterbanken sowie eine höhere Kapitalisierung und Profitabilität des heimischen Bankensektors.
Ein Teil des Risikopuffers fällt weg
Konkret empfiehlt das Gremium, die Pufferkomponente für systemische Klumpenrisiken in zwei Schritten auf null Prozent zu reduzieren. Jene für die systemische Verwundbarkeit soll vorerst bei 0,75 Prozent vor Überlappung mit dem sogenannten "OSII"-Puffer bleiben. 2028 soll erneut überprüft werden, ob die höhere Widerstandsfähigkeit nachhaltig ist.
Risiken sieht das FMSG weiterhin. Dazu zählen der im internationalen Vergleich große österreichische Bankensektor, Unsicherheiten infolge jüngster Akquisitionen, ein höherer Wertberichtigungsbedarf für ausgefallene Kredite sowie geopolitische Verwerfungen.
Bank Austria, Erste Group und RBI mit höchsten Puffern
Keine Änderungen gibt es vorerst bei der Einstufung der systemrelevanten Banken. Der sogenannte OSII-Puffer soll das "Too-Big-To-Fail"-Risiko reduzieren und richtet sich unter anderem nach Größe, wirtschaftlicher Bedeutung und Vernetzung eines Instituts.
Die höchsten OSII-Puffer weisen weiterhin UniCredit Bank Austria, Erste Group Bank und Raiffeisen Bank International (RBI) mit jeweils 1,75 Prozent auf. Bei BAWAG P.S.K., Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen sowie mehreren großen Raiffeisen-Instituten sind jeweils 0,90 Prozent vorgesehen.
Jüngste Übernahmen österreichischer Banken fließen in diese Einstufung allerdings noch nicht ein. Grundlage sind Meldedaten zum 31. Dezember 2025. Die dadurch entstandenen strukturellen Veränderungen sollen erst im nächsten Evaluierungszyklus berücksichtigt werden.
| Institut |
OSII-Puffer |
Systemrisikopuffer |
| UniCredit Bank Austria |
1,75 % |
0,50 % |
| Bawag P.S.K. |
0,90 % |
0,50 % |
| Erste Group Bank |
1,75 % |
0,50 % |
| Erste Bank der oesterr. Sparkassen |
0,90 % |
0,50 % |
| Steiermärkische Bank und Sparkassen |
0,45 % |
– |
| Raiffeisen Bank International |
1,75 % |
0,50 % |
| Raiffeisenlandesbank NÖ-W / Raiffeisen-Holding NÖ-W |
0,90 % |
0,50 % |
| Raiffeisenlandesbank OÖ |
0,90 % |
0,50 % |
| Volksbank Wien |
0,45 % |
0,50 % |
| Addiko Bank |
– |
0,00 % |
| Hypo NOE Landesbank für NÖ-W |
– |
0,50 % |
| Oberösterreichische Landesbank |
– |
0,50 % |
| Hypo Tirol Bank |
– |
0,50 % |
| Hypo Vorarlberg Bank |
– |
0,50 % |
Die Werte gelten nach Berücksichtigung der Überlappung von Systemrisiko- und OSII-Puffer. Bei Instituten mit Angaben auf konsolidierter und unkonsolidierter Ebene sind die ausgewiesenen Prozentsätze identisch.
Antizyklischer Kapitalpuffer bleibt bei null
Auch beim antizyklischen Kapitalpuffer empfiehlt das FMSG keine Verschärfung. Dieser soll bei null Prozent der inländischen risikogewichteten Aktiva bleiben. Im zweiten Quartal 2026 hätten lediglich drei von 16 Indikatoren auf erhöhte finanzzyklische Risiken hingewiesen. Auch die stärker gewichteten Indikatoren zur Kredit-BIP-Lücke seien unter den kritischen Schwellenwerten geblieben.
Damit zeichnet das FMSG insgesamt ein robusteres Bild des heimischen Bankensektors als noch bei Einführung des Systemrisikopuffers. Ob diese höhere Widerstandsfähigkeit auch nach den jüngsten Übernahmen und angesichts wirtschaftlicher sowie geopolitischer Risiken Bestand hat, soll bei der nächsten Evaluierung überprüft werden.
www.fmsg.at
www.oenb.at
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