Bei der Jubiläumsgala des von Coca-Cola Österreich initiierten Get active Social Business Award (GASBA) wurden drei frühere Siegerprojekte erneut ausgezeichnet. LEADERSNET.tv war dabei und fragte die Initiator:innen sowie Preisträger:innen, wie sich soziale Innovation in den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelt hat, welche Unterstützung Sozialunternehmen benötigen und was große Konzerne von ihnen lernen können.
Seit seinem Start im Jahr 2007 fördert der von Coca-Cola Österreich initiierte Get active Social Business Award (GASBA) Geschäftsideen, die unternehmerisches Denken mit gesellschaftlichem Mehrwert verbinden. Anlässlich des 20. Jubiläums der Auszeichnung kamen nun Mitte September einmal mehr zahlreiche Gründer:innen, Partner:innen und langjährige Wegbegleiter:innen an der WU Wien zusammen, um auf die Entwicklung des Awards und viele Jahre sozialer Innovation zurückzublicken. Unter dem Motto "Best of GASBA" wurden dementsprechend drei ehemalige Siegerprojekte mit insgesamt 20.000 Euro geehrt. Zusätzlich wurden Anerkennungspreise an Persönlichkeiten vergeben, die die Szene über viele Jahre mitgeprägt haben.
Ein Award, der selbst als Start-up begann
Initiiert wurde der Wettbewerb von Philipp Bodzenta, Public Affairs Director bei Coca-Cola Österreich, und lief anfangs noch unter dem Namen "Ideen gegen Armut". "Damals war Social Entrepreneurship in Österreich noch kaum ein Begriff. Für mich war von Anfang an klar, dass der Award nicht nur Preisgeld vergeben, sondern Menschen miteinander verbinden soll", so Bodzenta, und ergänzt: "Wenn ich heute auf die vergangenen 20 Jahre zurückblicke, denke ich vor allem daran, wie viele der Projekte uns bis heute begleiten. Zu sehen, wie aus ersten Ideen nachhaltige Organisationen geworden sind, ist wohl das Schönste an dieser Geschichte."
Unterstützung bei der Entwicklung des Konzepts erhielt Bodzenta damals von Christian Horak, heute Senior Advisor bei Ernst & Young Parthenon Management Consulting. Mit Michael Meyer vom Nonprofit-Kompetenzzentrum der WU Wien, Wolfgang Bergmann von Der Standard und Peter Kranner von der Werbeagentur Ben Doro Dad entstand schließlich der erste Wettbewerb. "Eigentlich war der GASBA selbst ein Social Start-up und Pionier", erinnert sich Horak, der den Award von Beginn an in mehreren Rollen begleitet hat. Dass sich daraus ein etablierter Wettbewerb für Sozialunternehmen in Österreich entwickelt hat, hat für ihn gleich mehrere Gründe: "Die klare Mission und Positionierung, das Commitment der Kernpartner:innen und die Kontinuität bei den handelnden Personen."
Vom Wettbewerb zur Begleitplattform
Neben der Chance auf eine Auszeichnung bekamen die Teilnehmer:innen von Beginn an Hilfe bei der Ausarbeitung ihrer Ideen und Businesspläne sowie Kontakt zu Expert:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien. Seit 2008 gehört ein Coaching-Wochenende im südburgenländischen Stegersbach fest zum Programm, in das bis heute insgesamt 684 Stunden an Coaching und Networking geflossen sind. Mit der Umbenennung in GASBA wurde der Fokus schließlich auf eine längerfristige Begleitung der Social Entrepreneurs erweitert.
Über die 20 Jahre hinweg seien laut eigenen Angaben insgesamt 1.187 Einreichungen eingegangen, wovon 169 Finalist:innen ausgewählt und mehr als 1,8 Millionen Euro an Preisgeldern vergeben wurden. Jury und Advisory Board hätten dabei über 3.000 Seiten an Businessplänen geprüft und die WU Wien 23 wissenschaftliche Endberichte mit rund 1.230 Seiten verfasst.
"Die 20 GASBA-Jahre haben uns gelehrt, dass wir uns auf die Innovationskraft der Menschen unseres Landes auch dann verlassen können, wenn es um soziale Herausforderungen geht. Man muss ihnen nur ein wenig Spielraum, finanzielle Anreize, Unterstützung und Wertschätzung geben", meint Michael Meyer, Universitätsprofessor für Nonprofit Management an der WU Wien und Mitgründer des GASBA. "Coca-Cola Österreich hat das ermöglicht und dabei 20 Jahre langen Atem bewiesen. Gemeinsam mit Der Standard und der WU entstand so eine starke Koalition, die wesentlich zur Etablierung und Stärkung eines Ökosystems für soziale Unternehmen beigetragen und damit dieses für soziale Innovationen nachhaltig geprägt hat."
Drei frühere Siegerprojekte erneut prämiert
Anlässlich des Jubiläums öffnete der Award seine Bewerbung heuer ausschließlich für ehemalige Finalist:innen. Über die Verteilung des Preisgeldes stimmte ein unabhängiges Jubiläums-Advisory-Board online ab, das sich fast vollständig aus langjährigen Mitgliedern des Advisory Boards zusammensetzte. Den größten Betrag von 12.500 Euro erhielt MindEcho, Sieger des Jahres 2025 (LEADERSNET berichtete). Das Team arbeitet an der Entwicklung einer KI-gestützten App, die individuelle Lautmuster von Menschen mit eingeschränkter Lautsprache in verständliche Sprache übersetzt.
Mit 5.000 Euro wurde zudem Grow Together unterstützt, das 2013 gewonnen hat und Familien in psychosozial stark belasteten Situationen ab der Geburt eines Kindes mit bindungsorientierter, aufsuchender Arbeit begleitet. Ebenfalls aus dem Jahrgang 2013 stammt die Initiative Nachbarinnen, die isoliert lebenden Frauen mit muttersprachlicher Begleitung, Lernunterstützung und aufsuchender Beratung sowie bei beruflicher Teilhabe unterstützt. Die Initiator:innen durften sich über 2.500 Euro freuen.
Darüber hinaus wurden Anerkennungspreise für langjähriges Engagement durch eine Jury aus Bodzenta, Horak und Meyer sowie Karin Bauer (langjährige Ressortleiterin Der Standard) und Stefan Schöggl (Zentrum Nonprofit-Organisationen und Social Impact, WU) vergeben. Ausgezeichnet wurden Verena Augustin (0·8·16 – Alles, außer gewöhnlich), Gabriele Gottwald-Nathaniel (gabarage) und Sonja Mitsche (4everyoung), die sich seit vielen Jahren für soziales Unternehmertum engagieren.
Wirkung des Awards auch wissenschaftlich belegt
Wie viel die Siegerprojekte gesellschaftlich bewirken, hat die WU Wien in sogenannten SROI-Analysen untersucht. Demnach entsteht für jeden eingesetzten Euro im Schnitt ein Mehrwert von 3,95 Euro. Auch die Beständigkeit spricht für den Award, denn rund 64 Prozent der Gewinner:innen aus zwei Jahrzehnten sind heute noch aktiv. Zu den bekanntesten Organisationen, die mithilfe des GASBA gestartet sind oder einen entscheidenden Entwicklungsschritt gemacht haben, zählen unter anderem Three Coins, Sindbad, PATHfindr, gabarage, Die Tafel Österreich, Teach For Austria, Hobby Lobby, More Than One Perspective (MTOP) und das Reparatur- und Service-Zentrum (R.U.S.Z.). Von Netzwerk und Sichtbarkeit würden laut eigenen Angaben aber auch viele Projekte profitieren, die am Ende keinen Preis mit nach Hause genommen haben.
Die eingereichten Projekte spiegeln zugleich wider, wie sich die Schwerpunkte sozialer Innovation in Österreich verschoben haben. In den Anfangsjahren drehten sich die meisten Ideen um Armut und Beschäftigung, später gewannen Flucht und Integration an Bedeutung. Während der Pandemie standen COVID-19 und Gleichstellung im Vordergrund, zuletzt rückten Pflege, Bildung und Künstliche Intelligenz stärker ins Zentrum.
Prominente Gäste
Zur von Karin Bauer moderierten Jubiläumsgala kam neben Vertreter:innen zahlreicher GASBA-Projekte auch eine Vielzahl von Gästen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Sport und Kultur. Mit dabei waren unter anderem Severin Gruber (Generalsekretär im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus), Rupert Sausgruber (Rektor der WU Wien) und Alexander Mitteräcker (Vorstand von Der Standard), Helge Payer (Ex-Profifußballer) und Cesár Sampson (Musiker). Seitens Coca-Cola feierten Mirela Toljan Jakomin (General Manager von Coca-Cola HBC Österreich) und Wolfgang Weixelbaumer (Country Manager von Coca-Cola Österreich) mit.
Unsere Interviewpartner:innen
Neben Philipp Bodzenta (Public Affairs Director Coca-Cola Österreich), Christian Horak (Senior Advisor EY) und Michael Meyer (Leiter Institut Nonprofit Management und Governance, WU) holte LEADERSNET.tv auch noch Karin Bauer (Moderatorin; langjährige Ressortleiterin Der Standard), Otto Hirsch (Hirsch International), Wolfgang Weixelbaumer (Country Manager Coca-Cola Österreich), Mirela Toljan Jakomin (General Managerin Coca-Cola HBC), Benjamin Hindinger (MindEcho, Gewinner GASBA), Verena Augustin & Gabriele Nathaniel (Auszeichnung GASBA 2026) und Olivia Rauscher (Zentrum für Nonprofit-Organisationen und Social Impact, WU) vor die Kamera.
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