Das AIT Austria Institute of Technology und die Künz GmbH haben für ihr gemeinsam entwickeltes Assistenzsystem "Trailer Assist" den VCÖ-Mobilitätspreis Österreich 2026 erhalten. Die Auszeichnung in der Kategorie "Digitalisierung, Technologie und Automatisierung" wurde am 17. September 2026 in Wien überreicht. Mit dabei waren u.a. Peter Hanke (Mobilitätsminister), Ulla Rasmussen (VCÖ-Geschäftsführerin) und Otmar Frühauf (Vorstand ÖBB Personenverkehr AG).
18 Prozent höhere Umschlagleistung
Die Technologie soll Abläufe an intermodalen Umschlagspunkten effizienter, präziser und sicherer gestalten. Damit adressieren die Projektpartner eine wichtige Schnittstelle zwischen Straßen- und Schienengüterverkehr. Ziel sei es, bessere Voraussetzungen dafür zu schaffen, zusätzliche Gütertransporte auf die Schiene zu verlagern.
Die Zusammenarbeit von AIT und Künz an Trailer Assist begann 2022 als Forschungsprojekt. Mittlerweise kommt das System unter realen Betriebsbedingungen zum Einsatz. Es unterstützt Kranführer:innen beim Umschlag von Sattelaufliegern und soll unter anderem Fehlmanöver reduzieren sowie die Prozessqualität verbessern.
Nach Angaben der Projektpartner konnte im praktischen Betrieb bereits eine Steigerung der Umschlagleistung um 18 Prozent erreicht werden. Eine höhere Produktivität der Terminals soll nicht nur wirtschaftliche Vorteile bringen, sondern auch zusätzliche Kapazitäten an der Schnittstelle von Straße und Schiene schaffen.
KI analysiert die Umgebung in Echtzeit
Technologisch kombiniert Trailer Assist künstliche Intelligenz mit Sensorfusion und intelligenter Bildverarbeitung. Relevante Objekte und deren Positionen werden in Echtzeit erkannt. Auf dieser Grundlage unterstützt das System die Planung der Kranbewegungen.
Vor allem bei schlechter Sicht oder schwierigen Wetterbedingungen soll die kontinuierliche Analyse der Umgebung Vorteile bieten. Hindernisse könnten dadurch früher erkannt und Fehlmanöver reduziert werden. Die Kranführer:innen werden dabei nicht ersetzt, sondern durch das System bei ihrer Arbeit unterstützt, so die Verantwortlichen.
"Mit Trailer Assist zeigen wir, wie Künstliche Intelligenz gemeinsam mit unseren Industriepartnern in konkrete industrielle Anwendungen gebracht werden kann", sagt Andreas Kugi, Scientific Director des AIT Austrian Institute of Technology. Entscheidend sei, dass technologische Innovation messbare Wirkung erziele; etwa durch effizientere und sicherere Prozesse sowie bessere Arbeitsbedingungen.
Remote-Steuerung verändert den Arbeitsplatz
Neben Effizienz und Sicherheit spielte bei der Entwicklung auch die Gestaltung des Arbeitsplatzes eine Rolle. Die Kransteuerung wird aus der hoch gelegenen Kabine in einen bodennahen Remote-Bedienstand verlagert.
"Die Verlagerung der Kransteuerung aus der hoch gelegenen Krankabine in einen bodennahen Remote-Bedienstand schafft einen sichereren, ergonomischeren und barriereärmeren Arbeitsplatz und reduziert physische Zugangshürden", so Monika Riedl-Riedenstein, Leiterin des Projekts am AIT.
Damit soll die Technologie nicht nur betriebliche Prozesse verändern, sondern zugleich den Zugang zum Arbeitsplatz erleichtern.
Implementierungen in ÖBB-Terminals im Gespräch
Den Schritt vom Forschungsprojekt in den operativen Betrieb hat Trailer Assist bereits vollzogen. Derzeit wird die Technologie auf drei Kräne in Polen eingesetzt. Zwei weitere Terminals sollen ebenfalls damit ausgestattet werden.
Darüber hinaus seien Implementierungen in ÖBB-Terminals in Wolfurt, Wien und Wels im Gespräch. Für die weitere Verbreitung der Technologie sei neben der technischen Leistungsfähigkeit insbesondere die Akzeptanz der Kranführer:innen relevant. Deshalb sei das Assistenzsystem an deren Arbeitsabläufe und Bedürfnisse angepasst worden.
Hannes Eberharter, Head of R&D bei Künz, sieht in der Auszeichnung eine Bestätigung dieses Ansatzes: "Mit Trailer Assist schaffen wir mehr Sicherheit, höhere Umschlagleistung und effizientere Prozesse im Schienengüterverkehr."
VCÖ würdigt Verbindung von Technologie und Schiene
Der VCÖ-Mobilitätspreis zeichnet Projekte und Lösungen aus, die zu klimaverträglicher Mobilität und nachhaltigem Gütertransport beitragen. Trailer Assist verbinde dabei Digitalisierung und KI mit einer konkreten Anwendung im intermodalen Güterverkehr.
Auch Schachinger Logistik ausgezeichnet
Neben Trailer Assist wurde beim VCÖ-Mobilitätspreis Österreich 2026 auch die Schachinger Logistik Gruppe ausgezeichnet. Das oberösterreichische Familienunternehmen erhielt für sein Projekt "Energieautarkie in der Logistik durch BESS" den ersten Platz in der Kategorie "Energie- und Ressourcenschonung, Kreislaufwirtschaft" sowie den VCÖ-Mobilitätspreis Oberösterreich 2026. Herzstück des Projekts am Standort Hörsching ist ein Batterie-Energiespeichersystem (BESS) mit 60 MWh Speicherkapazität und 30 MW Leistung. Es soll unter anderem überschchüssigen Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage speichern und für das Laden der wachsenden Elektro-Lkw-Flotte bereitstellen.
Den Preis nahmen Ehrenfried Werderits, Geschäftsführer und Sprecher der Schachinger Logistik Holding, und Manuel Pfeil von Powerlink entgegen. "Sowohl aus wirtschaftlichen als auch ökologischen Gründen ist es uns strategisch wichtig, die Weichen für eine emissionsfreie Logistik zu stellen. Schachinger setzt hier Impulse für die so dringende Transformation des Güterverkehrs", sagte Werderits. Schachinger Logistik verfolgt im Rahmen seiner Klimastrategie "Roadmap to Zero" die schrittweise Defossilisierung des Fuhrparks. Aktuell sind nach Unternehmensangaben bereits 30 Elektro-Lkw im Einsatz.
www.ait.ac.at
www.kuenz.com
www.schachinger.com
www.vcoe.at
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