Eine neue Studie der UniCredit Bank Austria zeigt einen ungebrochenen Wunsch nach Wohneigentum – auch bei jungen Menschen. Bei der Eröffnung eines neuen Kompetenzzentrums für Bau- und Wohnfinanzierung fragte LEADERSNET.tv nach, wie sich der Immobilienmarkt entwickelt und was Kaufinteressierte heute wissen müssen.
Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ist in Österreich trotz hoher Immobilienpreise und gestiegener Finanzierungskosten weiterhin stark ausgeprägt. Das zeigt eine neue, repräsentative Wohnstudie der UniCredit Bank Austria (siehe Infobox). Demnach nennen 76 Prozent der Befragten Wohneigentum als ihre ideale Wohnform. Für 75 Prozent ist es persönlich wichtig, in einer eigenen Immobilie zu wohnen. Besonders auffällig: Auch bei der jüngeren Generation hat der Wunsch nach Eigentum keineswegs ausgedient. 68 Prozent der 16- bis 29-Jährigen gehen davon aus, im Laufe ihres Lebens Wohneigentum erwerben zu können.
Für Ivan Vlaho, CEO der UniCredit Bank Austria, zeigen die Ergebnisse, dass der Wunsch nach Eigentum hierzulande unverändert stark verankert ist. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten würden Menschen nach Sicherheit, Stabilität und langfristigen Perspektiven suchen. "Wohneigentum verkörpert genau diese Werte", so Vlaho. Gleichzeitig ziehe die Nachfrage nach Wohnbaufinanzierungen wieder deutlich an.
Eigentum als Absicherung statt Statussymbol
Auch die Motive hinter dem Immobilienkauf geben Aufschluss darüber, welchen Stellenwert Eigentum für die Befragten hat. 50 Prozent verbinden damit vor allem Unabhängigkeit und Gestaltungsfreiheit, 46 Prozent möchten sich vor steigenden Mietkosten schützen und 37 Prozent sehen die eigene Immobilie als Absicherung im Alter. Prestige spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle.
Daniela Barco, Privatkundenvorständin der UniCredit Bank Austria, sieht darin eine zunehmend bewusste Auseinandersetzung mit dem Immobilienerwerb. "Es geht nicht um Status, sondern um Sicherheit, Planungssicherheit und Zukunftsvorsorge." Entsprechend intensiv werde ein Kauf heute vorbereitet und abgewogen.
Leistbarkeit bleibt die große Hürde
Dem ausgeprägten Eigentumswunsch steht allerdings eine deutlich skeptischere Einschätzung der finanziellen Möglichkeiten gegenüber. Lediglich 26 Prozent der Befragten halten Wohneigentum aktuell für gut oder sehr gut leistbar. Als größte Hürde nennen 79 Prozent die hohen Immobilienpreise. Fehlendes Eigenkapital folgt mit 55 Prozent, während 40 Prozent die laufende Kreditbelastung als wesentliches Hindernis betrachten.
Die Herausforderungen beginnen allerdings bereits vor der eigentlichen Finanzierung. Fast jede zweite befragte Person empfindet schon die Suche nach der passenden Immobilie als schwierigsten Schritt. Hinzu kommen Budgetplanung, Nebenkosten, rechtliche Fragen und mögliche Sanierungsmaßnahmen.
"Die Menschen wünschen sich heute nicht einfach einen Kredit", sagt Barco. Vielmehr gehe es um "Orientierung, Transparenz und eine verlässliche Begleitung entlang des gesamten Weges zum Eigenheim". Der Unterstützungsbedarf reiche damit deutlich über die reine Finanzierung hinaus.
Wohnbaukredite ziehen wieder an
Trotz dieser Hürden kommt wieder mehr Bewegung in das Finanzierungsgeschäft. Bei der Bank Austria stieg das Volumen der Wohnbaufinanzierungen im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem ersten Quartal um rund 32 Prozent. Im laufenden Jahr wurden in diesem Bereich bislang rund 3.000 Neukund:innen gewonnen.
Branchenweit wurden im ersten Halbjahr monatlich neue Wohnbaukredite an private Haushalte im Umfang von rund 1,6 Milliarden Euro vergeben. Das entspricht laut Bank einem Plus von rund 20 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 und 85 Prozent gegenüber 2024. Für das Gesamtjahr erwartet die UniCredit Bank Austria einen Anstieg des Volumens von 16,8 Milliarden Euro im Vorjahr auf knapp 19 Milliarden Euro.
Auch Pierre Karl, Leiter Immobilienfinanzierungen der UniCredit Bank Austria, bestätigt diese Entwicklung aus der Beratungspraxis. "Wir spüren eine extrem starke Nachfrage", sagte er gegenüber LEADERSNET.tv. Allein im zweiten Quartal sei diese gegenüber dem ersten Quartal um rund 30 Prozent gestiegen. Als wesentlichen Treiber sieht er den weiterhin hohen Stellenwert von Eigentum – nicht zuletzt als Vorsorge und Absicherung gegenüber steigenden Mieten. Entsprechend würden mittlerweile auch die Abschlüsse wieder zunehmen.
Bei der konkreten Finanzierung gebe es jedoch keine Universallösung. Je nach Ausgangslage kämen etwa Förderpakete der Bundesländer, variable Finanzierungen, Zwischenfinanzierungen oder langfristige Fixzinsmodelle infrage. "All diese Möglichkeiten besprechen wir mit unseren Kund:innen", so Karl. Ziel sei es, Finanzierung und Absicherung zu einem passenden Gesamtpaket zusammenzustellen.
Als einen Grund für die wieder stärkere Nachfrage nennt die Bank die verbesserte Leistbarkeit im Vergleich zum Höhepunkt des Immobilienbooms. Während die Immobilienpreise mittlerweile wieder annähernd auf dem Niveau von 2022 liegen, sei das durchschnittliche Nettoeinkommen unselbstständig Erwerbstätiger seither um 22 Prozent gestiegen. Für 100 Quadratmeter Wohnraum seien dadurch statt 14,4 durchschnittlichen Jahreseinkommen im Jahr 2022 zuletzt 11,7 notwendig gewesen.
Kompetenzzentrum für Bau- und Wohnfinanzierung
Auf den Wunsch nach umfassender Unterstützung reagiert das Geldinstitut mit Bank Austria MyHome. Dabei handelt es sich um ein neues Kompetenzzentrum für Bau- und Wohnfinanzierung am Austria Campus, das verschiedene Schritte des Immobilienerwerbs an einem Ort zusammenführen soll.
Neben Finanzierungsexpert:innen der Bank stehen dort Immobilienmakler:innen von PlanetHome und Versicherungsexpert:innen von ERGO zur Verfügung. Auf Wunsch können auch Notarservices direkt vor Ort in Anspruch genommen werden. Damit reicht das Angebot von der Orientierung und Immobiliensuche über die Bewertung des Kaufpreises und Finanzierung bis zur rechtlichen Abwicklung und Absicherung.
Martin Gölles, Leiter Marktforschung der UniCredit Bank Austria, sieht insbesondere im städtischen Raum einen erhöhten Orientierungsbedarf. Neben Lage, Kaufpreis und Leistbarkeit gehe es für Interessent:innen beispielsweise auch um die Frage, ob eine Immobilie beziehungsweise deren Ausführung tatsächlich den eigenen Erwartungen entspricht. Dass die erste MyHome-Filiale in Wien eröffnet wurde, sei daher kein Zufall. "Hier ist der Bedarf besonders groß", sagte Gölles gegenüber LEADERSNET.tv. Gerade das gebündelte Know-how könne bei den unterschiedlichen Fragen rund um den Immobilienerwerb unterstützen. Damit schließe sich für ihn auch der Kreis zu den Ergebnissen der Wohnstudie.
Der Bedarf für einen solchen Ansatz spiegelt sich auch in der Studie wider: 76 Prozent der Befragten halten eine zentrale Koordination von Immobiliensuche, Finanzierung und rechtlicher Abwicklung für hilfreich. Bei Fragen zu Immobilienkauf und Finanzierung genießen Banken laut Erhebung mit 59 Prozent das höchste Vertrauen.
"Mit MyHome schaffen wir ein Angebot, das konsequent aus Sicht der Kund:innen entwickelt wurde", sagt Vlaho. Ziel sei es, den Weg zum Eigenheim einfacher, transparenter und erfolgreicher zu gestalten.
Video-Interviews
Wie realistisch der Wunsch nach den eigenen vier Wänden derzeit ist, warum die Nachfrage nach Wohnbaufinanzierungen wieder steigt, worauf es bei der konkreten Finanzierung ankommt und weshalb Kaufinteressierte zunehmend umfassende Orientierung suchen, erklären Ivan Vlaho, Daniela Barco, Martin Gölles und Pierre Karl auchim LEADERSNET.tv-Video.
Fotos von der Präsentation sehen Sie in unserer Galerie.
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Über die Studie
Durchgeführt wurde die Wohnstudie vom IFDD Institut für Demoskopie und Datenanalyse im August 2026. Befragt wurden 1.250 Österreicher:innen ab 16 Jahren. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die österreichische Bevölkerung.
Durchgeführt wurde die Wohnstudie vom IFDD Institut für Demoskopie und Datenanalyse im August 2026. Befragt wurden 1.250 Österreicher:innen ab 16 Jahren. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die österreichische Bevölkerung.
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