Fotos & Video vom Tag der NÖ-Industrie
"Was wir verteilen wollen, müssen wir zuerst erwirtschaften"

Rund 800 Gäste aus Industrie, Wirtschaft und Politik kamen beim Tag der NÖ Industrie zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Österreich nach Jahren der Stagnation wieder auf Wachstumskurs kommt. LEADERSNET.tv fragte bei Top-Entscheider:innen nach, welche Reformen es für mehr Wettbewerbsfähigkeit braucht und wie der Standort gestärkt werden kann.

Welche Voraussetzungen braucht es, damit Österreich wirtschaftlich wieder stärker wächst? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch den diesjährigen Tag der Niederösterreichischen Industrie. Rund 800 Gäste aus Industrie, Wirtschaft, Politik, Medien und Gesellschaft folgten der Einladung der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV-NÖ) nach Grafenegg.

Unter ihnen befanden sich mit Bundeskanzler Christian Stocker, NÖ-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Staatssekretär Sepp Schellhorn, Landesrätin Susanne Rosenkranz, Grünen-Klubobfrau Leonore Gewessler, IV-Präsident Georg Knill und WKÖ-Präsidentin Martha Schultz zahlreiche Spitzenvertreter:innen aus Politik und Interessenvertretungen.

Für Kari Ochsner, Präsident der IV-NÖ, ist eine wettbewerbsfähige Industrie die Voraussetzung dafür, Wohlstand und soziale Sicherheit langfristig finanzieren zu können. "Was wir verteilen wollen, müssen wir zuerst erwirtschaften", lautete seine zentrale Botschaft. Eine erfolgreiche Industrie und Wirtschaft schaffe zudem jenen Spielraum, der für Zukunftsinvestitionen benötigt werde.

"Noch gibt es den Spielraum"

Handlungsbedarf sieht Ochsner insbesondere bei den Standortbedingungen. Die Lohnstückkosten müssten sinken und die Bürokratie spürbar reduziert werden. Gerade Letzteres könne unmittelbar Wirkung zeigen: "Der Bürokratieabbau kostet den Staat kaum etwas, spart den Betrieben aber sofort Zeit und Geld."

Gleichzeitig brauche es strukturelle Reformen bei Pensionen, Gesundheit und Verwaltung. Dabei drängt Ochsner auf Tempo. "Noch gibt es den Spielraum", diese vernünftig zu gestalten. Mit jedem weiteren Jahr werde dieser jedoch kleiner und die notwendigen Maßnahmen dürften härter ausfallen.

Ähnlich argumentierte Georg Knill. Österreich verfüge grundsätzlich über leistungsfähige Unternehmen, gut ausgebildete Fachkräfte und international gefragte Technologien. Damit daraus wieder Wachstum entstehen könne, brauche es jedoch Strukturreformen, offene Märkte für die Exportwirtschaft und einen "echten Innovationsbooster", der industrielle Stärken in neue Wertschöpfung übersetze, so der IV-Präsident.

Mehr Arbeit soll sich auch finanziell bemerkbar machen

Ein weiterer Schwerpunkt war das verfügbare Arbeitsvolumen. Die zuletzt intensiv diskutierte 41-Stunden-Woche und eine mögliche Reduktion von Feiertagen sieht Ochsner dabei lediglich als Teil einer größeren Debatte. Entscheidend sei, wie Österreich insgesamt mehr Arbeitsleistung mobilisieren könne.

"Wer mehr arbeitet, muss netto spürbar mehr davon haben", sagte Ochsner. Der Wechsel von Teilzeit auf Vollzeit müsse attraktiver werden, gleichzeitig brauche es einen weiteren Ausbau der Kinderbetreuung und stärkere Anreize für einen längeren Verbleib im Erwerbsleben.

Auch Wolfgang Hattmannsdorfer sieht die stärkere Nutzung des Arbeitskräftepotenzials als einen Schlüssel für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Österreich wolle wieder zu den Top-10-Industrienationen gehören. Erste Weichen seien unter anderem mit einer Senkung der Lohnnebenkosten, der Industriestrategie und Maßnahmen bei den Stromkosten gestellt worden. Gleichzeitig räumte der Wirtschaftsminister ein: "Die Richtung stimmt, aber wir sind noch lange nicht dort, wo wir hinwollen."

Politik verspricht bessere Rahmenbedingungen

Christian Stocker bezeichnete eine starke Industrie als Grundlage für Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand. Die Bedingungen für jene Unternehmen, die in Österreich investieren, produzieren und Arbeitsplätze schaffen, müssten verbessert werden. Als Hebel nannte er niedrigere Energiekosten, eine Senkung der Lohnnebenkosten, weniger Bürokratie und eine Stärkung des Kapitalmarkts.

Johanna Mikl-Leitner schlug in eine ähnliche Kerbe. Wohlstand könne nicht vom Staat verteilt werden, sondern müsse zunächst erwirtschaftet werden. Erfolgreiche Wirtschaftspolitik sei daher auch eine Voraussetzung für Sozialpolitik. Unternehmen, die investieren und Risiken übernehmen, bräuchten ihrer Ansicht nach "mehr Luft zum Wirtschaften – statt immer neuer Steuern, Auflagen und Berichtspflichten".

Für Sepp Schellhorn ist die Phase der Problemanalyse ohnehin abgeschlossen: "Österreich ist fertig diagnostiziert." Nun gehe es darum, notwendige Maßnahmen rasch und gemeinsam umzusetzen. Bei großen Reformvorhaben müssten Bund, Länder, Wirtschaft und Sozialpartner an einem "rot-weiß-roten Strang ziehen", sagte der Staatssekretär.

Martha Schultz forderte ebenfalls rasche Schritte zur Senkung der Kosten, zum Abbau von Bürokratie und zur Erleichterung von Investitionen. Österreich brauche, so die WKÖ-Präsidentin, einen Aufbruch für mehr Leistung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.

Industrie sieht sich als Teil der Klimalösung

Neben Wachstum und Strukturreformen spielte auch die Transformation hin zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft eine zentrale Rolle. Ochsner stellte dabei klar, dass Klimaschutz angesichts von Hitze, Dürre und Wasserknappheit kein Luxusproblem sei. Gleichzeitig sieht er darin wirtschaftliche Chancen für heimische Unternehmen.

Österreich verfüge über eine starke Green-Tech-Branche, deren Unternehmen international erfolgreich Technologien für den Klimaschutz entwickeln und produzieren. "Klimaschutz und Wachstum schließen sich daher nicht aus. Die Industrie ist ein wesentlicher Teil der Lösung", so Ochsner.

Skeptisch beurteilt der IV-NÖ-Präsident hingegen nationale Alleingänge. Eine österreichische Klimaneutralität zehn Jahre vor dem Rest der Europäischen Union helfe aus seiner Sicht dem Weltklima nicht, könne aber den Standort schwächen. Wandere Produktion in Länder mit niedrigeren Umweltstandards ab, sei letztlich nichts gewonnen.

Wettbewerbsfähigkeit als Voraussetzung für Wohlstand

Zum Abschluss rückte Ochsner die Reformdebatte nochmals in einen größeren Zusammenhang. Österreich habe sich an einen hohen Lebensstandard, soziale Sicherheit und eine leistungsfähige öffentliche Infrastruktur gewöhnt. All das müsse jedoch finanziert werden.

Dafür brauche es Unternehmen, die hierzulande produzieren, exportieren, Beschäftigung schaffen und Steuern zahlen. Voraussetzung dafür sei wiederum, dass sie im internationalen Wettbewerb bestehen können. Bleiben Aufträge und Investitionen aus, wirke sich das nicht nur auf die Unternehmen selbst aus, sondern auch auf Arbeitsplätze und staatliche Einnahmen.

Dem abendlichen Industrieempfang in Grafenegg waren die Ordentliche Vollversammlung sowie eine erweiterte Vorstandssitzung der IV-NÖ vorausgegangen.

Video-Interviews

Neben Kari Ochsner, Johanna Mikl-Leitner, Sepp SchellhornWolfgang Hattmannsdorfer, Martha Schultz, Christian Stocker und Georg Knill holte LEADERSNET.tv noch Wolfgang Ecker (Präsident, WKNÖ), Stefan Jauk (Generaldirektor, Niederösterreichische Versicherung AG), Oskar Zettl (Geschäftsführer, Toyota Material Handling Austria GmbH), Lukas Landsteiner (Geschäftsführer, Landsteiner GmbH), Andreas Welser (Aufsichtsrat, Welser Profile Austria GmbH), Edith Hlawati (Vorständin, ÖBAG), Michaela Roither (Geschäftsführerin, IV-NÖ), Alexander Schuch (Werksleitung, Gebauer & Griller Kabelwerke GmbH), Gerlinde Tröstl-Katinger (Vorständin, Metagro Edelstahltechnik AG), Elfriede Hell (Managing Director, HASCO Austria GmbH) und Johann Eggerth (Geschäftsführer, Vetropack Holding Ltd) vor die Kamera.

Fotos vom Tag der NÖ Industrie sehen Sie in unserer Galerie.

www.niederoesterreich.iv.at

Sollten Sie das Video nicht abspielen können, klicken Sie bitte hier!

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV