Coface Branchen-Risikokarte CEE
Österreich zwischen schwacher Metallindustrie und wachsendem IKT-Sektor

Laut der Coface Branchen-Risikokarte CEE 2026 verschärfen steigende chinesische Importe, höhere Kosten und geopolitische Unsicherheiten den Druck auf zahlreiche Unternehmen

Die wirtschaftlichen Risiken in Mittel- und Osteuropa unterscheiden sich zunehmend nach Branchen. Nationale Grenzen verlieren dagegen als Unterscheidungsmerkmal an Bedeutung. Zu diesem Ergebnis kommt die Branchen-Risikokarte CEE 2026 des Kreditversicherers Coface. Die Analyse zeigt zugleich einen zunehmenden Abstand zwischen wirtschaftlich robusten und schwächeren Sektoren.

Für die Region erwartet Coface zunächst eine leichte Abschwächung der Konjunktur. Nach einem Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent im Jahr 2025 sollen es 2026 noch 2,0 Prozent sein. Für 2027 wird wieder ein Anstieg auf 2,3 Prozent prognostiziert.

Auch für Österreich bleibt die Einschätzung zurückhaltend. "Österreichs Ausblick bleibt weiterhin verhalten: Für 2026 wird ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent erwartet, das sich 2027 leicht auf 0,8 Prozent verbessert", sagt Dagmar Koch, Country Managerin Coface Österreich.

Metallindustrie und IKT entwickeln sich gegensätzlich

Innerhalb Österreichs zeigen sich deutliche Unterschiede. Die Metallindustrie werde von einem schwachen Geschäftsklima, einer rückläufigen Produktion und neuerlichem energiebedingtem Kostendruck belastet, erläutert Koch. Coface bewertet das Risiko in diesem Sektor daher als sehr hoch.

Deutlich günstiger stellt sich die Situation laut Analyse im Informations- und Kommunikationstechnologiesektor (IKT) dar. Die Branche profitiere von einem zweistelligen Wachstum der Auftragseingänge, einer zunehmenden Produktion elektrischer Ausrüstungen sowie verbesserten Vertrauensindikatoren.

Diese Entwicklung beschränkt sich nicht auf Österreich. In Mittel- und Osteuropa insgesamt zählt die IKT-Branche laut Coface zu den positiv bewerteten Sektoren. Programme zur digitalen Transformation, die Nachfrage nach Technologiedienstleistungen und hoch qualifizierte Arbeitskräfte unterstützen demnach die Entwicklung. Der Sektor spiele damit weiterhin eine wichtige Rolle für Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Konvergenz in der Region.

Chinesische Importe verschärfen den Wettbewerb

Zusätzlichen Druck auf die Industrie erzeugt die Entwicklung der Importe aus China. Diese stiegen laut Coface im vergangenen Jahr in Mittel- und Osteuropa um rund 17 Prozent. Hintergrund sei unter anderem die schwache chinesische Binnennachfrage, die Hersteller:innen dazu veranlasse, sich stärker auf Exportmärkte und insbesondere Europa zu konzentrieren.

Coface spricht in diesem Zusammenhang von einem "China-Schock 2.0". "Diese Entwicklung setzt lokale Produzent:innen unter Druck, schmälert ihre Margen und verschärft den Wettbewerb in mehreren Industriezweigen. Zu den am stärksten betroffenen Branchen zählen die Automobilindustrie, die Chemieindustrie und die Metallindustrie", so Koch.

Störungen der Lieferketten erhöhen Kostendruck

Neben dem internationalen Wettbewerb wirken sich geopolitische Entwicklungen auf die Unternehmen aus. Die Störungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus treffen laut Coface nicht ausschließlich den Energiesektor. Höhere Kosten für Öl und Erdgas sowie für Düngemittel, Aluminium und petrochemische Erzeugnisse würden sich entlang der Lieferketten bemerkbar machen.

Für Hersteller:innen bedeute dies zusätzlichen Kostendruck. Gleichzeitig trage die Entwicklung zu einem neuerlichen Inflationsdruck in Mittel- und Osteuropa bei.

Einzelhandel mit unterschiedlichen Voraussetzungen

Wie stark die Risiken von den jeweiligen Rahmenbedingungen abhängen, zeigt sich auch im Einzelhandel. Während Coface in einigen Ländern günstige Bedingungen sieht, bestehen in anderen Märkten erhöhte Risiken. Maßgeblich seien unter anderem die wirtschaftliche Gesamtlage, die Fiskalpolitik und das Verbrauchervertrauen.

Auch zwischen einzelnen Ländern bestehen weiterhin Unterschiede. Polen zählt laut Coface zu den am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften der Europäischen Union. Unterstützt werde die Entwicklung von einer starken Konsumnachfrage und EU-finanzierten Investitionen.

Rumänien befinde sich dagegen in einer rezessiven Phase, wobei die Haushaltskonsolidierung die Konsumausgaben belaste. Im slowakischen Einzelhandel wirkten sich höhere Steuern und ein schwächerer Konsum negativ aus. Die bulgarische Bauwirtschaft profitiere hingegen weiterhin von günstigen Finanzierungsbedingungen und der Urbanisierung.

EU-Investitionen sollen mehrere Branchen stützen

Als stabilisierenden Faktor nennt Coface Investitionen im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität der Europäischen Union sowie des SAFE-Programms. Davon dürften insbesondere Bauwirtschaft, Gesundheitswesen, Digitalisierung und Infrastrukturprojekte profitieren.

Nach Einschätzung von Coface können diese Investitionen einen Teil der wirtschaftlichen Folgen geopolitischer Unsicherheiten abfedern und die Geschäftstätigkeit in verschiedenen Branchen unterstützen.

Für Unternehmen wird damit zunehmend entscheidend, in welchem Sektor sie tätig sind und wie dieser auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren kann. "Die Unterschiede zwischen den Branchen sind inzwischen größer als jene zwischen den Ländern. Künftiger Erfolg wird weniger vom allgemeinen Wirtschaftswachstum abhängen als davon, wie wirksam sich die Branchen an veränderte Kostenstrukturen, den technologischen Wandel und den globalen Wettbewerb anpassen", sagt Mateusz Dadej, Regional Economist, Coface Central & Eastern Europe Region.

Auch Jarosław Jaworski, CEO Coface Central & Eastern Europe Region, verweist auf die wachsende Bedeutung einer fundierten Einschätzung der Risiken. Die Herausforderung für Unternehmen bestehe heute nicht primär in fehlenden Informationen, sondern darin, die relevanten Entwicklungen herauszufiltern. Angesichts der raschen Veränderungen über Branchen und Märkte hinweg seien verlässliche Daten und vorausschauende Analysen wesentlich, um Entscheidungen zu treffen und die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen zu stärken.

www.coface.at

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