Von 32 getesteten Modellen erreichen nur sechs ein "gut", acht kassieren ein "nicht genügend". Besonders bei Nässe zeigen sich erhebliche Sicherheitsunterschiede – auch bekannte Marken schwächeln.
Wer für die kommende Wintersaison neue Reifen braucht, sollte bei der Auswahl genauer hinsehen. Das zeigt der aktuelle Winterreifentest, den der ÖAMTC gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen durchgeführt hat. Untersucht wurden jeweils 16 Modelle in den Dimensionen 185/65 R15 für Kleinwagen und 225/50 R17 für Fahrzeuge der Mittelklasse. Die Bilanz fällt durchwachsen aus: Nur sechs der 32 Pneus erhalten ein "gut", zwölf ein "befriedigend". Weitere sechs kommen über ein "genügend" nicht hinaus, acht fallen mit "nicht genügend" durch.
Ausschlaggebend seien häufig unausgewogene Leistungen unter unterschiedlichen Fahrbedingungen. "Gerade im Winter kommen die unterschiedlichsten Fahrbahneigenschaften vor. Entsprechend wichtig ist ein ausgewogener Reifen, der unter allen Bedingungen funktioniert", erklärt ÖAMTC-Reifenexperte Steffan Kerbl. Genau daran hapert es bei zahlreichen Testkandidaten – darunter auch Modelle bekannter Hersteller.
Diese sechs Reifen überzeugen
In der Mittelklasse-Dimension 225/50 R17 schaffen vier Modelle die Gesamtnote "gut": der Pirelli Cinturato Winter 3, der Continental WinterContact TS 870, der Goodyear UltraGrip Performance 3 und der Michelin Alpin 7. Bei den schmaleren Kleinwagenreifen erreichen lediglich der Continental WinterContact TS 870 und der Michelin Alpin 7 diese Bewertung.
Modell (Dimension 225/50 R17)
Gesamtnote
Bewertung
Pirelli Cinturato Winter 3
2,2
gut
Continental WinterContact TS 870
2,3
gut
Goodyear UltraGrip Performance 3
2,4
gut
Michelin Alpin 7
2,5
gut
Bridgestone Blizzak 6
2,6
befriedigend
Hankook Winter i*cept RS3
2,7
befriedigend
Esa+Tecar Supergrip Pro2
2,7
befriedigend
Dunlop Winter
2,9
befriedigend
Yokohama BluEarth Winter V906
3,1
befriedigend
Vredestein Wintrac Pro+
3,1
befriedigend
Falken Eurowinter HS02 Pro
4,8
nicht genügend
Toyo Tires Observe EWS1
5,3
nicht genügend
Tracmax Ice-Plus S210
5,4
nicht genügend
Aptany RW211
5,4
nicht genügend
Royal Black Royalwinter UHP
5,5
nicht genügend
Sunwide Snowide
5,5
nicht genügend
Auch bekannte Marken schwächeln
Dass ein bekannter Markenname allein keine Garantie für ein besseres Ergebnis ist, zeigt das Mittelfeld der Dimension 185/65 R15. Hier liegen der Linglong Sport Master Winter und der Optimo Winter Touring OW41 mit einem "befriedigend" vor dem ebenfalls befriedigend bewerteten Goodyear-Modell. Die getesteten Reifen von Bridgestone, Nokian und Vredestein erhalten hingegen jeweils nur ein "genügend". Vor diesen drei Kandidaten reiht sich auch der GT Radial WinterPro2 Evo mit einem "befriedigend" ein.
Modell (Dimension 185/65 R15)
Gesamtnote
Bewertung
Continental WinterContact TS 870
2,2
gut
Michelin Alpin 7
2,5
gut
Hankook Winter i*cept RS3
3,1
befriedigend
Linglong Sport Master Winter
3,1
befriedigend
Optimo Winter Touring OW41
3,2
befriedigend
Goodyear UltraGrip Performance 3
3,3
befriedigend
GT Radial WinterPro2 Evo
3,5
befriedigend
Bridgestone Blizzak LM 005
3,8
genügend
Nokian Tyres Snowproof 2
3,8
genügend
Vredestein Wintrac
3,8
genügend
Barum Polaris 6
3,8
genügend
Kumho WinterCraft WP52+
3,9
genügend
Viking WinTech NewGen
3,9
genügend
Sunny Winter-max NW611
4,8
nicht genügend
Atlas Polarbear HP
5,5
nicht genügend
Rockblade Rock 868S
5,5
nicht genügend
Laut Kerbl lasse sich daraus allerdings ebenso wenig eine pauschale Empfehlung für weniger bekannte Anbieter ableiten. Unabhängige Tests seien deshalb eine wichtige Orientierung beim Reifenkauf.
Große Sicherheitsunterschiede bei Nässe
Besonders deutlich treten die Schwächen mehrerer Modelle den Tester:innen zufolge auf nasser Fahrbahn zutage. Die Unterschiede beim Bremsen seien erheblich: Während die besten Reifen bereits zum Stillstand gekommen sind, sind die schwächsten noch mit fast 50 km/h unterwegs. Mehrere Testkandidaten erhalten wegen ihrer mangelhaften Leistungen bei Nässe ein "nicht genügend".
"Gerade, wenn es nass ist, entscheiden oft wenige Meter, ob es zu einem schweren Unfall kommt", betont Kerbl. Entsprechend stark wirken sich die Leistungen bei Regen auf die Gesamtbewertung aus.
Bestwerte auf Schnee schützen nicht vor dem Durchfallen
Wie wenig eine Spitzenleistung in einer einzelnen Disziplin über die Gesamtqualität aussagt, verdeutliche der Sunwide Snowide in der Dimension 225/50 R17. Er erzielt auf Schnee die beste Bewertung, weist auf trockener und nasser Fahrbahn jedoch deutliche Schwächen auf. Unterm Strich steht deshalb ein "nicht genügend".
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Rockblade Rock 868S in der Kleinwagen-Dimension. Auch er liefert laut den Tester:innen auf Schnee die beste Leistung seines Testfeldes, falle wegen gravierender Defizite auf trockener und insbesondere nasser Fahrbahn aber durch. Wer sich beim Kauf ausschließlich an den Schneeeigenschaften orientiert, könne somit bei anderen winterlichen Straßenverhältnissen erhebliche Nachteile in Kauf nehmen, so das ernüchternde Fazit.
Kleinwagenreifen schwächeln bei der Umweltbilanz
Neben der Fahrsicherheit fließen auch Laufleistung, Abrieb, Effizienz, Geräuschentwicklung und Nachhaltigkeit in die Beurteilung ein. Hier fällt die Bilanz für die Dimension 185/65 R15 demnach besonders unerfreulich aus: Kein einziges Modell erreicht in der Umweltbilanz ein "gut".
Hauptgrund sei laut den am Test beteiligten Mobilitätsclubs die vergleichsweise geringe prognostizierte Laufleistung. Im Durchschnitt kommen die getesteten Kleinwagenreifen auf rund 31.000 Kilometer und liegen damit deutlich unter vielen anderen Reifendimensionen. Bei den Reifen der Größe 225/50 R17 schneiden einzelne Modelle hingegen sowohl bei der Sicherheit als auch bei den Umweltkriterien überzeugend ab.
Abschließend halten die Tester:innen fest, dass der aktuelle Test unterstreiche, worauf es beim Winterreifenkauf ankommt: "Entscheidend ist eine ausgewogene Leistung auf trockener, nasser und winterlicher Fahrbahn." Weder ein großer Markenname noch ein Bestwert auf Schnee reiche dafür allein aus.
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