Zwei Tage vor der offiziellen Programmpräsentation am Küniglberg hat der ORF am Dienstag die Eckpunkte seines Programmjahres 2027 vorgestellt. Im Zentrum soll demnach im kommenden Jahr das Vertrauen des Publikums stehen, das der Sender angesichts von Desinformation und einer immer zersplitterteren Medienlandschaft weiter festigen will. Die Ausgangslage ist dafür laut ORF gut, denn fast zwei Drittel der Menschen in Österreich halten den öffentlich-rechtlichen Sender für einen Garanten seriöser Berichterstattung, und allein seine TV-Angebote erreichen täglich rund 3,6 Millionen Menschen. Weil sich die Nutzungsgewohnheiten verändern, setzt die Programmoffensive "Für Österreich" neben Vertrauen, Vielfalt und Reichweite aber auch auf die Plattform als vierte Säule. Fernsehen, Radio und Online sollen weiter zusammenwachsen und so vor allem ein jüngeres Publikum erreichen.
Wechsel an der Spitze
Das neue Programm fällt in eine Zeit, in der sich an der Spitze des Hauses ein Wechsel anbahnt: Ingrid Thurnher führt den ORF noch bis Jahresende als Generaldirektorin, mit 1. Jänner 2027 übernimmt der ehemalige APA-Chef Clemens Pig (LEADERSNET berichtete). "Gerade unter den derzeit schwierigen Rahmenbedingungen ist es alles andere als selbstverständlich, dem Publikum auch im kommenden Jahr ein derart vielfältiges und hochwertiges Programm bieten zu können. Möglich wird das durch die große Kompetenz, Leidenschaft und das Engagement aller ORF-Mitarbeiter:innen sowie unserer zahlreichen externen Partner:innen. Darauf bin ich stolz und dafür sehr dankbar", so Thurnher.
"Wir haben den Anspruch, als unverzichtbarer Teil der österreichischen Öffentlichkeit und damit essenzieller Baustein des demokratischen Zusammenlebens ein 'ORF für alle' zu sein", erklärte Pig. "Diesen Auftrag noch besser darzustellen und zu kommunizieren wird unser Ansporn in den kommenden Jahren sein. 'Ein ORF, dem Österreich vertraut' ist nicht nur Motto dieser Programmpräsentation, sondern Startschuss für eine Weiterentwicklung zu einem starken ORF in einem starken gemeinsamen österreichischen Medienmarkt, der eines nie aus dem Blick verliert: die Partnerschaft und Verbundenheit mit den Menschen in Österreich."
Und Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz ergänzte: "Im Fokus unseres Programms stehen die Menschen in Österreich – ihre Lebensrealitäten, ihre Interessen und ihre Geschichten. Deshalb setzen wir konsequent auf heimische Themen, vertraute Gesichter und Produktionen, die Nähe schaffen und Relevanz für die Zuschauer:innen haben. Unser Anspruch ist es, dem Publikum Inhalte zu bieten, die einen Mehrwert haben und die man in dieser Form nur beim ORF findet. Die Performance und aktuellen Reichweiten der ORF-Sendergruppe zeigen, dass dieser Weg der richtige ist."
Abschied beim Tatort und neue Serien
Die größte personelle Veränderung im Fiction-Bereich betrifft den österreichischen "Tatort". Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser geben mit dem Fall "Dann sind wir Helden" ihre Rollen als Moritz Eisner und Bibi Fellner ab. 2027 folgen ihnen Miriam Fussenegger und Laurence Rupp als Ermittlungsduo Charlie Hahn und Alex Maleky nach (LEADERSNET berichtete). Ihre ersten Einsätze spielen im Wiener Gemeindebau und in der Kunstszene. Neue Gesichter gibt es auch beim "Landkrimi", wo Maya Unger an der Seite von Hary Prinz die Ermittlungen in der Steiermark übernimmt, weitere Filme spielen in Kärnten und Niederösterreich. Ursula Strauss bleibt dem Publikum dagegen gleich doppelt erhalten: Sie kehrt in der neunten Staffel von "Schnell ermittelt" zum 20-Jahr-Jubiläum der Reihe zurück und ermittelt zusätzlich in der neuen Krimireihe "Tiroler Blut" als Profilerin in Innsbruck. "Der Bergdoktor" mit Hans Sigl geht überdies bereits in seine 20. Staffel.
Neu ins Programm kommen unter anderem die Spitalsserie "Pflegeleicht", in der junge Pflegekräfte den Krankenhausalltag durcheinanderbringen, sowie die Comedy-Miniserien "2Hot2Drive" mit Christoph Fritz als geplagtem Fahrschullehrer und "Sheep", eine bereits mehrfach ausgezeichnete ORF/ZDF-Koproduktion. Julia Koschitz verkörpert in "Das Vergessen" eine Polizistin, die trotz früher Alzheimer-Diagnose das Verschwinden ihrer Nichte aufklären will. Der Film "Benko – Size Does Matter" widmet sich der Karriere und dem Absturz des einstigen Immobilienunternehmers René Benko, der sich am Dienstag erneut vor Gericht verantworten musste (LEADERSNET berichtete). Zu Weihnachten zeigt der ORF außerdem "Aufputzt' is", das mit 450.000 verkauften Tickets der erfolgreichste Kinofilm der Saison 2025/26 war (LEADERSNET berichtete). Und Thomas Stipsits bekommt es im vierten Stinatz-Krimi "Allerheiligenfiasko" mit dem rätselhaften Tod eines Mesners zu tun.
Große Shows und ein Comeback
In der Unterhaltung kehrt ein Klassiker zurück. "Wetten, dass..?" feiert in ORF 2 sein Comeback, moderiert wird die Show von Bill und Tom Kaulitz. Der Samstag-Hauptabend in ORF 1 gehört weiterhin großen Familienshows wie "Klein gegen Groß", "Der Quiz-Champion" oder "Verstehen Sie Spaß?". Im Frühjahr öffnet außerdem wieder der Ballroom von "Dancing Stars".
Auch die Satire hat Grund zu feiern, denn "Willkommen Österreich" wird 20 Jahre alt. Beim Opernball blicken Christoph Wagner-Trenkwitz und Karl Hohenlohe zudem auf ein Vierteljahrhundert als Kommentatorenduo zurück. Nach dem Song Contest in Wien im heurigen Jahr (LEADERSNET berichtete) ist der ORF im kommenden Jahr beim Eurovision Song Contest in Burgas in Bulgarien wieder als Teilnehmer dabei.
Ski-WM als sportlicher Höhepunkt
Sportlich steht der Winter im Mittelpunkt. Höhepunkt ist die Alpine Ski-WM in Crans-Montana, die ORF 1 von den Trainings bis zur Siegerehrung live überträgt. Dazu kommen die Weltcup-Klassiker in Sölden, Kitzbühel und Schladming sowie die Vierschanzentournee, bei der erstmals auch die Damen eine eigene Tournee bestreiten. Die "Hermann Maier Star Challenge", die der ORF gemeinsam mit dem Schweizer Fernsehen zeigt, lockte zuletzt bis zu 800.000 Zuseher:innen vor ORF 1. Dabei bezwingen Prominente gemeinsam mit ehemaligen Skiprofis eine Weltcup-Piste.
Mit der Rodel-WM in Innsbruck und der Snowboard-, Freestyle- und Freeski-WM im Montafon finden zwei weitere Titelkämpfe in Österreich statt. Im Fußball begleitet der ORF das Nationalteam in der Nations League und auf dem Weg zur EURO 2028. Die Formel 1 bleibt in Kooperation mit ServusTV bis 2029 im ORF, pro Saison sind allerdings nur noch elf statt zwölf Rennen zu sehen.
True Crime, Dokus und Information
Jeden Donnerstag erzählt ORF 1 in der Reihe "True Stories" wahre Geschichten aus Österreich, darunter die Dokumentation "70 Jahre Falco" über das Vermächtnis des Popstars. Ein Schwerpunkt liegt überdies auf True Crime: "Landverbrechen" untersucht, wie Verbrechen und regionale Machtverhältnisse zusammenhängen, etwa beim Mordanschlag mit einer vergifteten Praline auf den Bürgermeister von Spitz. Die neue zehnteilige Reportage "TATsache" beleuchtet Fälle der jüngeren Vergangenheit und wird von einem Podcast mit ZIB-Moderator Stefan Lenglinger begleitet.
Die Naturdoku-Reihe "Universum" feiert ihr 40-jähriges Bestehen. Zu den Höhepunkten gehört eine persönliche Folge, in der Hermann Maier durch das Thayatal führt, den kleinsten Nationalpark Österreichs. Im Informationsbereich stehen die Landtagswahlen in Oberösterreich und Tirol, die französische Präsidentschaftswahl sowie Österreichs Rolle im UNO-Sicherheitsrat im Fokus. Im Radio stehen dafür vor allem die Angebote von Ö1, ergänzt um Podcasts von Ö1 und Ö3. Dazu kommen Initiativen wie "Licht ins Dunkel", "Österreich hilft Österreich", das "Ö3 Weihnachtswunder" und das "Ö3 Mental Health Festival".
Von Beethoven bis zum Burgtheater
Den kulturellen Auftakt des Jahres macht wie gewohnt das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, das 2027 Tugan Sokhiev dirigiert. Der 200. Todestag von Ludwig van Beethoven ist Anlass für einen eigenen Schwerpunkt, zu dem unter anderem die Oper "Leonore" aus dem MusikTheater an der Wien und die neue Dokumentation "Pieces of Beethoven" gehören. Im Hauptabend von ORF 1 ist zudem "Elisabeth!" zu sehen – in diesem Soloabend nähert sich Stefanie Reinsperger am Burgtheater der Kaiserin aus feministischer Perspektive.
Neu ist die Dokureihe "Die großen Musikmetropolen der Welt" über Wien, München, Paris und London. Im Sommer überträgt der ORF außerdem wieder zahlreiche Klassik-Events, vom Sommernachtskonzert in Schönbrunn bis zu den Salzburger Festspielen.
Neue Angebote für ein junges Publikum
Für Kinder baut der ORF sein Angebot ORF Kids aus, das ohne Werbung und Gewalt auskommt und im Web, in der App sowie in ORF 1 läuft. Geplant sind etwa die zweite Staffel der Tanzshow "Tanzen mit den Stars", das Quiz "Smart10 Kids" mit Moderatorin Caroline Athanasiadis und "Mika – Dem Geld auf der Spur", das Finanzwissen alltagsnah vermittelt.
Auch für die Generation Z wächst das Angebot. Formate wie "Rede!", "Checkst du", "Navid fragt nach" und "Safe so!" sind für Social Media konzipiert, die ZIB erreicht auf Instagram, TikTok und YouTube bereits ein junges Millionenpublikum. Noch heuer geht außerdem ein Creator- und Talent-Netzwerk an den Start. Darüber will der ORF mit Nachwuchstalenten neue Inhalte für Social-Media-Plattformen entwickeln.
Treffpunkt der Werbewirtschaft
"Die ORF-Programmpräsentation ist seit vielen Jahren eine der wichtigsten Informationsveranstaltungen für die österreichische Werbe- und Kreativwirtschaft. Wie kein anderer Event vermittelt dieser Event zentrale Werte des ORF-Programms auch an die Werbewirtschaft: Vertrauen, Vielfalt, Digitalisierung und Reichweite sichern heute mehr denn je nachhaltigen Werbeerfolg", meint Matthias Seiringer, Leiter der ORF-Enterprise, und ergänzt: "Mit der Verleihung der begehrten ORF-Awards im Rahmen der ORF-Programmpräsentation werden zudem besondere Arbeiten der Werbewirtschaft vor den Vorhang geholt und prämiert."
Die große Programmpräsentation mit Verleihung der ORF-Awards findet am Donnerstag, dem 24. September, am Mediencampus (Küniglberg) statt.
www.orf.at
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