Rund 400 Werke, etwa 120 Künstler:innen und eine Wiener Hochgarage aus den 1920er-Jahren standen kürzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Grund dafür war die erste Astoria Artshow, mit der sich die heimische Galerieszene von 10. bis 13. September 2026 in neuer Konstellation präsentierte. Das viertägige Format verstand sich dabei als Vorschau auf eine internationale Kunstmesse, die ab kommendem Jahr dauerhaft in Wien stattfinden soll.
Hinter der Veranstaltung steht VAU – Vienna Art United. Der nicht gewinnorientierte Verein wurde im April 2026 von den Galeristen Markus Peichl, Maximilian Thoman und Thomas Krinzinger gegründet. Innerhalb kurzer Zeit schlossen sich nach Angaben der Initiative 35 Wiener Galerien an. Der Zusammenschluss war auch Reaktion auf die Lücke im Wiener Messekalender, denn die viennacontemporary war eingestellt worden, die Spark Art Fair fand 2026 ebenfalls nicht statt. Damit übernahmen jene Akteur:innen selbst die Organisation, die bei klassischen Kunstmessen gewöhnlich als Aussteller:innen auftreten. "Wir wollen die Kräfte des österreichischen Galerienstandorts bündeln", so VAU-Obmann Peichl. Die Premiere sollte zeigen, ob sich aus diesem Zusammenschluss ein längerfristig tragfähiges Modell entwickeln lässt.
Ausstellung Messe greifen ineinander
Die Astoria Artshow löst sich sichtbar vom üblichen Raster einer Kunstmesse. Anstelle klar voneinander abgegrenzte Kojen setzte das Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezzi auf eine offene Präsentation. Freistehende Wände und räumliche Setzungen brachen die Arbeiten unterschiedlicher Galerien miteinander in Beziehung, ohne die Spuren der früheren Garagennutzung zu verdecken.
Die Schau gliederte sich in drei Bereichen: "Main Position" war zeitgenössischen Einzelpräsentationen gewidmet. In der von der Sammlerin Casandra Hermann kuratierten "New Positions – Zone 1" wurden 15 jüngere künstlerische Positionen gezeigt. Ergänzt wurde das Programm durch "Editions, Projects & Institutions" für Sonderpräsentationen von Akademien, Kunstverlagen und Art Spaces.
Die Garage wird Teil der Inszenierung
Die Astoria Garage in der Trautsongasse war nicht bloß Hülle, sondern prägte den Charakter der Schau. Spiralförmige Rampen, ein mehrgeschossiger Lichthof, die Glaskuppel sowie alte Beschilderungen und sichtbare Reparaturstellen blieben Teil des Rundgangs. Die heutige Gestalt des sechsgeschossigen Baus entstand in mehreren Etappen. Auf frühe Garagennutzungen ab 1918 folgten Aus- und Umbauten in den Jahren 1923 und 1935.
Mehrere Arbeiten nahmen unmittelbar auf diesen Ort Bezug. Der US-Künstler Mark Dion zeigte bei Lombardi-Kargl eine "Mobile Wilderness Unit" mit einem präparierten Wolf auf einem Anhänger. Nik Geene integrierte für die "Zone 1" ein Auto in seine Installation "Jolene". Arbeiten von Lawrence Weiner wiederum traten mit den alten Hinweisen an den Garagenwänden in einen sprachlichen Dialog.
Solidarische Gebühren, öffentliche Förderung
VAU erprobte auch bei den Teilnahmegebühren ein vom klassischen Messemodell abweichendes System. Laut "Die Presse" zahlten die Galerien abhängig von ihrem Umsatz zwischen 500 und 2.500 Euro. Die Gebühr richtete sich somit nicht nach der Größe der Ausstellungsfläche. Das sollte insbesondere kleineren Marktteilnehmer:innen die Teilnahme erleichtern.
Ermöglicht wurde die Astoria Artshow zugleich durch öffentliche und privatwirtschaftliche Unterstützung. Zu den genannten Partner gehören unter anderem die Stadt Wien, das Kulturministerium, die Wien Holding, die Wirtschaftsagentur Wien, Bildrecht und WienTourismus.
Für 2027 muss aus der Initiative eine Struktur werden
Die Astoria Artshow hat der Wiener Galerienszene nach dem Wegfall zweier Messeformate wieder eine gemeinsame Plattform gegeben. In Verbindung mit der Parallel Vienna und dem Galerienfestival Curated by könnte daraus erneut eine international wahrnehmbare Wiener Kunstwoche entstehen. Bis zur angekündigten Fortsetzung bleiben jedoch wesentliche Entscheidungen zu treffen. Offen ist, ob die Astoria Garage neuerlich zur Verfügung steht, welche Flächen künftig genutzt werden können und ob die offene Präsentation mit jeweils wenigen Positionen pro Galerie beibehalten wird.
Die Premiere lieferte dafür jedoch ein erkennbares Profil: Eine selbst organisierte Messe zwischen Kunstmarkt und Ausstellung, deren Architektur mehr war als eine fotogene Kulisse. Ob daraus ein dauerhaftes internationales Format wird, entscheidet sich nun weniger am Aufbruchsgeist als an Finanzierung, Organisation und einem belastbaren Konzept für 2027.
Unter den Gästen
Bei der Astoria Artshow anzutreffen waren unter anderem ZiB-Moderatorin Nadja Bernhard, Siegfried Meryn (Internist und ORF-Gesundheitsexperte), Eva Schlegel (Künstlerin), Florentina Welley (Journalistin), Soli Kiani (Künstlerin), Isabell Kisling-Steinek (Galeristin & VAU-Vorstandsmitglied), Karoline Bartosch-Hilger (Galeristin), Verena Kaspar-Eisert (Direktorin der Heidi Horten Collection) sowie Markus Peichl (Galerist und Obmann von VAU – Vienna Art United) und viele mehr.
Einen Eindruck von der Astoria Artshow können Sie mittels Galerie gewinnen.
www.astoriaartshow.com
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