Fotos des Pressefrühstücks der GSA
Gemeinden schlagen Alarm wegen schwindender Zahl an Bankomaten

| Redaktion 
| 13.09.2026

Der Zugang zu Bargeld wird in den Regionen zunehmend zum Problem. Nun fordern 95 Prozent der Kommunalvertreter:innen eine gesetzliche Absicherung des Bargeldnetzes.

Der Zugang zu Bargeld ist in Österreich regional ungleich verteilt. Laut einer von Geldservice Austria (GSA) beauftragten Befragung verfügen 15 Prozent der erfassten Gemeinden über keinen eigenen Bankomaten, in 36 Prozent gibt es keine Bankfiliale. Vor allem Filialschließungen und der Rückbau von Geldautomaten gefährden aus Sicht der Befragten die wohnortnahe Versorgung.

Durchgeführt wurde die Erhebung vom Trendforschungsinstitut Pitters Trendexpert. Befragt wurden 205 kommunale Entscheidungsträger:innen, darunter Bürgermeister:innen und Amtsleiter:innen.

Bargeld bleibt im kommunalen Alltag wichtig

Insgesamt bewerten 78 Prozent der Befragten Bargeld für ihre Gemeinde als sehr oder eher wichtig. Bei Vereinen, Märkten und Veranstaltungen halten es 98 Prozent für unverzichtbar, 89 Prozent schreiben ihm für kleine und mittlere Betriebe wirtschaftliche Bedeutung zu. Jeweils 87 Prozent sehen Bargeld zudem als wichtige Alternative bei Cyberangriffen beziehungsweise als besonders relevant für sozial schwächere Bevölkerungsgruppen. Auch für ältere Menschen und bei Ausfällen digitaler Zahlungssysteme gilt eine funktionierende Versorgung mehrheitlich als notwendig.

Gerhard Gierer, Geschäftsführer der Geldservice Austria, leitet daraus Handlungsbedarf für die Bargeldlogistik ab. Bargeld sei ein unverzichtbarer Teil der hybriden Zahlungslandschaft und ein wichtiger Faktor für die lokale Wirtschaft. "Der Wunsch nach sicherer Bargeldver- und -entsorgung ist in den Gemeinden präsenter denn je", so Gierer. Die Ergebnisse sollen der GSA dabei helfen, regionale Versorgungslücken zu erkennen und passende Lösungen anzubieten.

OeNB will Versorgungslücken schließen

Im Februar 2025 vereinbarten die OeNB und der Österreichische Gemeindebund, innerhalb von fünf Jahren bis zu 120 zusätzliche Geldautomaten in unterversorgten Gemeinden aufzustellen. Berücksichtigt werden Orte, in denen weder eine Bankfiliale noch ein Bankomat vorhanden ist. Zu den Kriterien zählen die Gemeindegröße, die Entfernung zum nächsten Geldautomaten und die vorhandene Infrastruktur. 2024 traf dies laut OeNB auf 329 Gemeinden zu.

Nachdem Anfang Juli 2026 bereits 66 Geräte in Betrieb waren (LEADERSNET berichtete), nennt Gemeindebundpräsident Johannes Pressl mittlerweile 73 Standorte. Parallel dazu seien die bereits bestehenden Bankomatstandorte bis Ende 2029 abgesichert worden.

"Bargeld ist Teil einer verlässlichen Daseinsvorsorge und sichert die Wahlfreiheit der Menschen", betont Pressl. Die Digitalisierung solle neue Möglichkeiten schaffen, bestehende Wahlmöglichkeiten aber nicht beseitigen. Grundlage der Absicherung ist ein Moratorium zwischen Gemeindebund und Banken. Es schützt jene Standorte, die am 1. Jänner 2024 bestanden, bis Ende 2029 vor einer Schließung. Die zusätzlichen OeNB-Geräte sollen Versorgungslücken außerhalb dieser Vereinbarung schließen.

Große Mehrheit will Bankomatnetz gesetzlich absichern

Auch bei den politischen und infrastrukturellen Maßnahmen zeigt die Befragung eine klare Tendenz: 66 Prozent halten eine gesetzliche Sicherstellung eines flächendeckenden Bankomatnetzes für sehr wichtig, weitere 29 Prozent für eher wichtig. Damit unterstützen insgesamt 95 Prozent eine entsprechende Regelung.

Mehrheitliche Zustimmung gibt es außerdem für Barzahlungsmöglichkeiten im öffentlichen Bereich, eine verpflichtende Bargeldannahme im Handel und bargeldfähige Automaten. Potenzial sehen die Gemeindevertreter:innen zudem in kommunalen Gebäuden als Bankomatstandorte, in der Zusammenarbeit zwischen Gemeinden sowie in neuen Lösungen für die Bargeldver- und -entsorgung lokaler Unternehmen.

Matthias Schroth, Direktor der OeNB-Hauptabteilung Recht, Bargeld und Beteiligungen, verweist neben der Wahlfreiheit auf den europäischen Aspekt. Euro-Bargeld verbinde Unabhängigkeit beim Bezahlen mit europäischer Souveränität. "Wer Wahlfreiheit erhalten will, braucht auch in Zukunft ein starkes Bargeld", so Schroth.

LEADERSNET begleitete die Präsentation der Erhebungsergebnisse. Einen Eindruck vom Pressefrühstück können Sie mittels Galerie gewinnen. 

www.geldservice.at

Über die GSA

Die GSA ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Nach eigenen Angaben bearbeitete sie 2025 in sieben österreichischen Cash-Centern Bargeld im Wert von 145 Milliarden Euro. Darunter waren 1,71 Milliarden Banknoten und 1,76 Milliarden Münzen. Zudem betreut das Unternehmen rund 5.700 Selbstbedienungsgeräte von Banken und koordiniert jährlich etwa 600.000 Wertetransportstopps. Mehr als 430 Einzahlungstresore ermöglichen Handel und Gewerbe eine gesicherte Bargeldabfuhr. Darüber werde jährlich rund eine Milliarde Euro eingezahlt.

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