Fotos von der vie-real Veranstaltung
Welche Lösungen die Baubranche für Wien sieht

| Redaktion 
| 14.09.2026

Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch stellte die neue Wiener Wohnungsvergabe vor, während Vertreter:innen aus Immobilienwirtschaft, Bau, Architektur und Energietechnik über aktuelle Herausforderungen und mögliche Lösungen bei der neuesten Ausgabe der vie-real diskutierten.

Die jüngste Ausgabe der vie-real, einer Plattform von Vienna Eco, rückte die Entwicklung des Wohnens und Bauens in Wien in den Mittelpunkt. Schauplatz war die Seestadt, wo neben leistbarem Wohnraum auch Sanierung, Energieversorgung und neue Baukonzepte thematisiert wurden. Den Auftakt bildete eine Besichtigung des ÖFB-Campus mit seinen fünf Trainingsplätzen sowie Fitness-, Massage- und Nächtigungsmöglichkeiten.

Neue Regeln für die Vergabe von Wohnraum

Im TZ1 der Wien 3420 Aspern Development sprach Vienna-Eco-Initiator Ralph Vallon anschließend mit Wiens Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch über den sozialen Wohnbau und die neue Wohnungsvergabe in Wien.

Künftig werden Gemeindewohnungen und geförderte Wohnungen bei der Vergabe zusammengeführt. Ein flexibles Punktesystem soll dabei unterschiedliche Lebenssituationen berücksichtigen. Dazu zählen unter anderem der Wien-Bonus, der Status als Jungwiener oder Jungwienerin, Alleinerziehung, lange Wartezeiten und hohe Wohnkostenbelastungen.

"Die Wohnungsvergabe Neu ist die größte Weiterentwicklung unseres Vergabesystems seit Jahrzehnten. Sie sorgt dafür, dass leistbarer Wohnraum künftig noch gezielter dort ankommt, wo er am dringendsten gebraucht wird", sagte Hanel-Torsch.

Die Stadträtin verwies zudem auf geplante Projekte des sozialen Wohnbaus, unter anderem im Donaufeld, auf den Flächen des ehemaligen Nordwestbahnhofs und in Heiligenstadt. Thematisiert wurden außerdem die geplante Baurechtsnovelle, die Dekarbonisierung und Sanierung bestehender Wohngebäude sowie eine Mietrechtsreform.

Seestadt als Modell für Stadtentwicklung

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion "Bauen und Wohnen in Wien – Herausforderungen und Chancen" diskutierten Johann Breiteneder, Vorstand Breiteneder Immobilien und Parking (BIP), Robert Grüneis, Vorstand Wien 3420 Aspern Development, greenonetec-Geschäftsführer Stefan GubiMichael Pisecky, Fachgruppenobmann Immobilien und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Wien, Architektin Sne Veselinovic und Porr-Bau-Geschäftsführer Gernot Wagner.

Gastgeber Robert Grüneis zog eine Zwischenbilanz zur Entwicklung der Seestadt. Dort sei ein neuer Stadtteil mit Arbeitsplätzen, Schulen, Kindergarten, Handel, Gastronomie, Hotellerie, Freizeitmöglichkeiten und Grünflächen entstanden. Hinzu komme eine gute öffentliche Verkehrsanbindung. Das Projekt stoße laut Grüneis auch international auf Interesse und werde regelmäßig von Delegationen aus dem Ausland besucht.

"Entscheidend bleibt es, die Stadt der Zukunft weiter zu entwickeln und neue Konzepte mit einzubringen, damit ein neuer Stadtteil leistbar, klimafit, wirtschaftlich erfolgreich und gleichzeitig lebenswert ist", so Grüneis.

Gemeinsame Energienutzung und neuer Wohnraum

Johann Breiteneder rückte Bürgerenergiegemeinschaften in den Fokus. Dabei wird elektrischer Strom netzübergreifend gemeinschaftlich genutzt. Gemeinsam mit VIG, Donauversicherung und Therme Wien habe BIP mit Unterstützung von Wien Energie und unter Koordination des Stadtwerkekonzerns ein entsprechendes Projekt gestartet. "Hier sehen wir bedeutende Schritte zu einer effizienten gemeinsamen Energienutzung", sagte Breiteneder.

Bei neuen Wohnbauprojekten setzt BIP nach seinen Angaben auch auf die Nutzung von Baulücken. Dadurch solle zusätzlicher klimafitter Wohnraum innerhalb bereits vorhandener Infrastruktur entstehen. Darüber hinaus sprach sich das Unternehmen für eine Aufwertung des urbanen Raums aus, etwa durch teilweise begrünte Oberflächen bei Garagen- und Wohnprojekten.

Sanierung des Bestands als Herausforderung

Für Michael Pisecky, Fachgruppenobmann Immobilien und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Wien, spielt die Sanierung älterer Gebäude und Wohnungsbestände bis 1990 eine zentrale Rolle. Insbesondere thermische Sanierungen könnten seiner Einschätzung nach einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung von Emissionen leisten.

"Dafür bedarf es eines Maßnahmenpaktes, dass auch steuerliche Anreize bietet. Ich denke, dass mit entsprechenden Förderungen dieser Bereich deutlich ausgebaut werden könnte", erklärte Pisecky.

Auch Gründerzeithäuser mit strukturierten Fassaden bezog er ausdrücklich in seine Überlegungen zur Sanierung ein.

Kritik an langen Widmungsverfahren

Architektin Sne Veselinovic thematisierte hingegen die Dauer von Widmungsverfahren im Städtebau. Sie sprach von einer Einspruchskultur, bei der trotz umfangreicher Qualitätssicherung de facto jeder Einspruch erheben könne.

Bei der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen nehme Wien ihrer Einschätzung nach eine führende Position ein. Wohnfonds und Seestadt Aspern würden dabei gemeinsam mit den Bauträgern wichtige Erfahrungen sammeln. "Diese Expertisen kommen schlussendlich allen zu Gute", sagte Veselinovic.

Gebäude sollen selbst Energie erzeugen

Stefan Gubi, Geschäftsführer von greenonetec, stellte die Energieerzeugung durch Gebäude in den Mittelpunkt. Das Unternehmen verfügt laut den bei der Veranstaltung genannten Angaben als weltweit größter Hersteller thermischer Flachkollektoren über eine jährliche Produktionskapazität von mehr als 1,6 Millionen Quadratmetern Kollektorfläche.

"Wir müssen Gebäude künftig nicht nur energieeffizient bauen – wir müssen sie zu aktiven Energieerzeugern machen. Die Technologie dafür ist heute bereits vorhanden", erklärte Gubi.

Die Zukunft liege seiner Einschätzung nach in bedarfsgerechten Gesamtlösungen. Dazu zählte er Solarthermie, die Verbindung von Photovoltaik und Solarthermie mittels PV*T, Wärmepumpen, Speicherlösungen und intelligentes Energiemanagement. Gleichzeitig forderte er technologieoffene Förderungen sowie ein klares Bekenntnis zur österreichischen und europäischen Wertschöpfung.

Elementbau als Ansatz für leistbares Wohnen

Einen weiteren Ansatz für kostengünstigeren Wohnbau präsentierte Porr-Bau-Geschäftsführer Gernot Wagner mit Porr Living. Mehrgeschossige Wohnimmobilien könnten damit laut Wagner für weniger als 2.000 Euro pro Quadratmeter errichtet werden, wobei ein Kellergeschoss in diesem Betrag nicht enthalten sei.

"Durch die Vorfertigung und die Kombination verschiedener Materialien kann der Bauprozess effizienter und kostengünstiger gestaltet werden", erklärte Wagner.

Gleichzeitig verwies er auf den hohen Kostendruck in der Branche. Auftraggeber:innen müssten seiner Einschätzung nach berücksichtigen, dass einer weiteren Kostenoptimierung Grenzen gesetzt seien, wenn zugleich hohe Qualität und Energieeffizienz gewährleistet werden sollen.

Zahlreiche Gäste

Bei einem Imbiss mit Club Cuvée Weinen tauschten sich u.a aus Sascha Zabransky, Geschäftsführer Wien Energie, Ludwig Steinbauer, Geschäftsführer Porr Beteiligungen, Georg Semmler, Vorstandsvorsitzender Rudolfinerhaus, Berater Stefan Höffinger, Bank Austria UniCredit Manager Carsten Becker, Cilli Wiltschko, Prokuristin wbv-gpa, Hans Zwangsleitner, Impools, Personalberater Alexander Granat, Wolfgang Layr, Volksbank Wien, Guido Salentinig, Geschäftsführer Geberit Österreich, Dominik Schmid, WKW Spartenobmann, Herbert Rieser, cafe+co, Berater Ralf-Wolfgang Lothert, Paul Brozsek, List Group, Johannes Dobretsberger, Geschäftsführer JLP Health, Jutta Mantler-Cejnek, Sozialbau sowie Karl Javurek und Rudi Semrad.

LEADERSNET war bei der Veranstaltung. Einen Eindruck können Sie sich hier machen. 

www.vie-club-cuvee.at

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