Manchmal ist die Packung größer als der Inhalt, manchmal verschwindet die teuerste Zutat still und leise aus der Rezeptur, und manchmal schrumpft die Füllmenge, während der Preis in die entgegengesetzte Richtung geht. Seit mehr als 15 Jahren sammelt der Verein für Konsumenteninformation (VKI) genau solche Fälle auf seiner Plattform Lebensmittel-Check, geht den Meldungen nach, konfrontiert die Hersteller damit und stellt die Ergebnisse anschließend online. Mehr als 1.500 Produkte sind so schon durchleuchtet worden, und jede Woche kommen zwei dazu.
Einmal im Jahr dürfen dann die Konsument:innen selbst richten und via Online-Voting die sogenannte "Konsum-Ente" vergeben. Im Vorjahr etwa war das "Rennen" um den wohl nicht allzu begehrten Negativpreis schnell entschieden: Rund die Hälfte der knapp 15.000 Stimmen ging an das Magnum-Mandel-Eis von Eskimo, das bei geschrumpfter Menge mehr gekostet hatte (LEADERSNET berichtete). Seit Mittwoch (9. September), läuft nun das Voting für das heurige Jahr, bei dem noch bis inklusive 9. Oktober über fünf Kandidaten abgestimmt werden kann.
Sechs Kekse in einer Schale für acht
Beim ersten Kandidaten wird die Diskrepanz zwischen Verpackung und Inhalt spätestens nach dem ersten Griff in die Schachtel sichtbar. Die Bardollini Pistachio Cookies liegen in einer Kunststoffschale mit vier Mulden. In den beiden äußeren Fächern sind jeweils zwei der mit Pistaziencreme gefüllten Kekse übereinandergestapelt, in den beiden mittleren dagegen nur je einer.
Damit die einzelnen Kekse dort dennoch auf derselben Höhe liegen, wurden die beiden Mulden mit Kunststoffpodesten erhöht. Ohne diese wäre Platz für zwei weitere Stück – insgesamt also für acht statt der enthaltenen sechs Kekse. Genau diese Verpackungsgestaltung brachte dem Produkt nun eine Nominierung für die Konsum-Ente ein.
Likör bleibt auf der Vorderseite unerwähnt
Aus einem anderen Grund sorgt Ferrero Fiesta l'Originale für Kritik. Der einzeln verpackte Kuchenriegel enthält 8,5 Prozent Likör – darauf weist die Vorderseite der Verpackung allerdings nicht hin. Erst beim Blick auf die Rückseite findet sich die alkoholische Zutat in der Zutatenliste.
Aus Sicht des VKI ist das insbesondere deshalb problematisch, weil derartige Kuchenriegel schnell in der Schultasche oder am Pausentisch landen können. Ein deutlicher Hinweis auf der Vorderseite würde demnach nicht nur Eltern die Kaufentscheidung erleichtern, sondern auch Menschen, die aus persönlichen, gesundheitlichen oder anderen Gründen bewusst auf Alkohol verzichten.
Drei kleine Riegel in reichlich Verpackung
Auch bei Neoh Crunch ist es das Verhältnis zwischen Produkt und Verpackung, das für die Nominierung sorgt. Im Karton befinden sich drei Riegel, die jeweils noch einmal einzeln in Kunststoff verpackt sind. Diese Hüllen fallen jedoch deutlich größer aus als die darin enthaltenen Snacks.
Solange die Riegel verpackt im Karton liegen, fällt der Größenunterschied kaum auf, weil die Kunststoffhüllen den vorhandenen Platz entsprechend ausfüllen. Erst ausgepackt wird sichtbar, wie klein die drei Riegel im Verhältnis zur äußeren Verpackung tatsächlich sind.
Rama ist zum zweiten Mal nominiert
Ein Wiedersehen mit der Konsum-Ente gibt es für Rama. Bereits 2022 holte sich die Margarine den Negativpreis, nachdem die Füllmenge von 500 auf 450 Gramm reduziert worden war. Seit dem Frühjahr 2026 enthält die Packung nur noch 400 Gramm – und kostet gleichzeitig deutlich mehr. An der Größe des Bechers hat sich hingegen nichts geändert.
Im Vergleich zur früheren 450-Gramm-Version errechnet der VKI eine Verteuerung von bis zu 46 Prozent, gegenüber der einstigen 500-Gramm-Packung sind es sogar bis zu 63 Prozent. Zusätzlich erschwert wird der Vergleich dadurch, dass derzeit zwei unterschiedliche 400-Gramm-Varianten erhältlich sind. Die runde und die eckige Packung enthalten zwar dieselbe Menge, unterscheiden sich aber bei Fettgehalt und Rezeptur – unter anderem ist in der runden Variante Palmöl enthalten.
Vom Testsieger zum Kandidaten für den Negativpreis
Eine besonders schnelle Wendung legte Ruben's Pistaziencreme hin. Noch im Dezember 2025 ging sie als Siegerin aus dem Taste:Check des VKI hervor. In der Blindverkostung schnitt sie geschmacklich mit Abstand am besten ab, wies zugleich den niedrigsten Zuckergehalt und den zweithöchsten Pistazienanteil im Testfeld auf.
Kurz darauf machten Konsument:innen den VKI jedoch auf eine veränderte Rezeptur aufmerksam. Die anschließende Überprüfung zeigte, dass der Pistazienanteil von ursprünglich 45 auf nur noch 15 Prozent gesunken war. Preis und Aufmachung des Produkts blieben hingegen unverändert. Ein solcher Austausch beziehungsweise eine deutliche Reduktion einer wertgebenden Zutat bei gleichbleibendem Preis wird als "Skimpflation" bezeichnet – und brachte der Creme nun einen Platz unter den fünf Nominierten ein.
Kritik führt bei jedem vierten Produkt zu Änderungen
Mit dem Lebensmittel-Check und der jährlichen Konsum-Ente will der VKI allerdings nicht nur Ärgernisse öffentlich machen. Nach Angaben des Vereins wird rund jedes vierte beanstandete Produkt infolge der Kritik tatsächlich verändert.
Zuletzt zeigte sich das etwa bei den veganen Bio Pralinés von Govinda, deren Verpackung bei gleichbleibender Füllmenge verkleinert wurde. Beim Frozen Dessert von Friends of Asia verschwanden zuvor verwendete Azofarbstoffe aus der Rezeptur. Änderungen bei Produktnamen beziehungsweise Auslobungen gab es wiederum beim Gewußt wie Bio Heidelbeer Sirup und beim dmBio Früchtetee mit Waldfrüchten.
Das Online-Voting, das noch bis inklusive 9. Oktober läuft, finden Sie hier.
www.vki.at
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