Wie die am Mittwoch veröffentlichten Ergebnisse der Austrian Tax Survey 2026 zeigen, sehen Österreichs Unternehmen im heimischen Steuersystem einen zunehmenden Wettbewerbsnachteil. Für die aktuelle Deloitte-Studie wurden 291 Führungskräfte – überwiegend aus dem Steuerbereich – online befragt (siehe Infobox). 74 Prozent bewerten das steuerliche Umfeld im europäischen Vergleich als eher oder sehr herausfordernd.
Dabei würden strukturelle Probleme im Inland aus Sicht der Befragten teilweise schwerer wiegen als internationale Entwicklungen. 63 Prozent nennen die hohe Steuer- und Abgabenbelastung als Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs, 54 Prozent die Bürokratie. Die aktuelle Weltlage folgt mit 44 Prozent, hohe Energiekosten mit 41 Prozent.
Auch internationale Standortvergleiche weisen laut den Studienautor:innen auf Herausforderungen hin. Im World Competitiveness Ranking des IMD ist Österreich 2026 von Platz 26 auf Rang 29 zurückgefallen. Als wesentliche Schwachstellen würden dort unter anderem die Steuerpolitik und die öffentlichen Finanzen genannt.
Komplexe Regeln bereiten die größten Probleme
Bei den steuerlichen Herausforderungen steht die Komplexität der Regelungen in der Befragung an erster Stelle. 76 Prozent zählen diese zu den drei Themen, die sie derzeit am stärksten beschäftigen. Lohnabgaben folgen mit 62 Prozent, Betriebsprüfungen und Abgabenverfahren mit 42 Prozent sowie steuerliche Compliance und Tax-Management-Prozesse mit 40 Prozent.
Für Herbert Kovar, Managing Partner Tax & Legal bei Deloitte Österreich, erschwere die Kombination aus sich verändernden steuerlichen Rahmenbedingungen und zusätzlichen regulatorischen Anforderungen die Unternehmensplanung. "Österreichs Unternehmerinnen und Unternehmer müssen sich wieder auf das Steuersystem verlassen können", fordert Kovar.
Als weiteres Problem wird in der Studie die mangelnde Planbarkeit genannt. 53 Prozent der Befragten sehen politische Diskussionen über neue Steuern als wesentliche Quelle steuerlicher Unsicherheit. Jeweils 48 Prozent verweisen auf häufige Gesetzesänderungen sowie unklare, doppeldeutige oder widersprüchliche Interpretationen durch die Finanzverwaltung.
Nur drei Prozent halten Budgetmaßnahmen für richtig
Besonders kritisch beurteilen die Befragten die Budgetpolitik der Bundesregierung. Lediglich drei Prozent sind der Ansicht, dass insgesamt die richtigen steuerlichen Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung gesetzt worden seien. 46 Prozent halten diese nur teilweise für zielführend, 47 Prozent verneinen die Frage. Gegenüber dem Vorjahr habe sich der Anteil jener, die die Maßnahmen für ungeeignet halten, laut Deloitte nahezu verdoppelt.
Bei den gewünschten Gegenmaßnahmen zeigt sich ein klares Bild: 85 Prozent stufen Bürokratieabbau auf allen Ebenen als wichtigen oder sehr wichtigen Hebel für eine nachhaltige Budgetkonsolidierung ein. Eine Reform des Gesundheitssystems kommt auf 80 Prozent, eine Neuausrichtung des Fördersystems auf 77 Prozent und eine weitere Entlastung des Faktors Arbeit auf 75 Prozent. 68 Prozent halten zudem eine Reduktion der Steuersätze zur Ankurbelung der Wirtschaft für wichtig.
Neue Steuern finden hingegen deutlich weniger Zustimmung. Rund sieben von zehn Befragten messen deren Einführung laut Studie für eine nachhaltige Budgetkonsolidierung geringe oder keine Bedeutung bei.
Befragte wünschen sich Steuerentlastungen
Auch beim internationalen Wettbewerb um Investitionen sehen die befragten Führungskräfte Handlungsbedarf. Um Österreich für ausländisches Kapital attraktiver zu machen, würden sie vor allem auf eine Senkung lohnabhängiger Abgaben und allgemeine Steuererleichterungen setzen. Dahinter folgen gezielte Förderungen für Zukunftsbranchen und klarere Regelungen für Erfolgsbeteiligungen. Auch Steuererleichterungen für Risikokapital und flexiblere gesellschaftsrechtliche Beteiligungsformen werden als mögliche Maßnahmen genannt.
"Unser Steuersystem ist zu teuer, zu kompliziert und zu behäbig", fasst Herbert Kovar die Ergebnisse zusammen. Da sich die internationale Lage nicht steuern lasse, müsse die Politik seiner Ansicht nach bei jenen Faktoren ansetzen, die sie selbst beeinflussen könne – insbesondere bei Steuern, Bürokratie und Investitionsbedingungen.
Stimmung am Wirtschaftsstandort bleibt angespannt
Über die Steuerpolitik hinaus zeichnet die Befragung ein verhaltenes Stimmungsbild. 68 Prozent beurteilen die aktuelle Lage am Wirtschaftsstandort negativ, lediglich neun Prozent positiv. Gleichzeitig geben 59 Prozent an, ihre eigene Geschäftstätigkeit sei durch globale Krisen und deren Folgen für Energieversorgung und Inflation eher oder sehr stark beeinträchtigt. Unter den befragten CFOs liegt dieser Anteil bei 82 Prozent.
Auch bei der allgemeinen Bewertung des Standorts überwiegen mittlere und schlechte Noten. 41 Prozent vergeben ein "Befriedigend", 28 Prozent ein "Genügend" und 13 Prozent ein "Nicht genügend". 17 Prozent beurteilen Österreich mit "Gut", ein Prozent mit "Sehr gut". Damit geben 82 Prozent der Befragten dem Wirtschaftsstandort höchstens ein "Befriedigend".
www.deloitte.com
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