Wer den Namen Dyson hört, denkt vermutlich an Staubsauger ohne Beutel, an Ventilatoren ohne sichtbare Rotorblätter und an High-Tech-Haartrockner. Mit Anfang September kommt nun eine neue Kategorie dazu, in der das Unternehmen bisher nicht vertreten war. In Paris hat Firmengründer James Dyson mit der CameraJet erstmals eine elektrische Zahnbürste vorgestellt. Das Besondere daran: Mithilfe einer eingebauten Kamera und Künstlicher Intelligenz soll das Gerät Zahnzwischenräume erkennen und binnen Millisekunden gezielt ausspülen.
Ein Makroobjektiv im Mund
Den Ausgangspunkt der Entwicklung liefert eine firmeneigene Erhebung aus dem Jahr 2017. Demnach greifen neun von zehn Personen seltener zur Zahnseide, als sie sollten, und die durchschnittliche Putzdauer liegt bei 45 Sekunden statt der empfohlenen zwei Minuten. Liegen bleibt dabei ausgerechnet jener Bereich, in dem sich Plaque zuerst ansetzt und verhärtet. "Die Verwendung von Zahnseide ist mühsam und zeitaufwendig. Nur wenige von uns tun es, obwohl wir wissen, dass wir es sollten", erklärte der Firmengründer bei der Präsentation. Wer sich nicht um seine Zahngesundheit kümmert, riskiert verschiedenste Munderkrankungen – laut dem Global Oral Health Status Report 2025 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit rund 3,7 Milliarden Menschen von solchen betroffen.
Dysons technische Antwort auf dieses Problem sitzt nun direkt unter dem Bürstenkopf. Eine Makroobjektivkamera mit 100.000 Pixeln filmt den Innenraum des Mundes und übergibt 28 Bilder pro Sekunde an einen Algorithmus namens "Gap Optical Targeting", der aus dem Livebild die Position der Zahnzwischenräume ableitet und ihren weiteren Verlauf prognostiziert. Etwa 100 Millisekunden nach der Erkennung feuert das Gerät einen kegelförmigen Strahl Mundspülung in die Lücke. Damit die Bildaufnahme nicht durch die Vibration gestört wird, arbeitet die Kamera mit einer Stroboskopie bei 257 Hertz, knapp neben der Taktfrequenz des Bürstenkopfs. Nach Angaben des Unternehmens stecken hinter dem System 16 Millionen Codezeilen und ein Trainingsdatensatz von über 470.000 Zahnbildern. Insgesamt hätten 661 Ingenieur:innen gemeinsam mit 30 Zahnmediziner:innen sechs Jahre lang am Gerät getüftelt und dabei 38 Patente angemeldet.
Was sonst noch im Griff steckt
Auch die Form des Strahls ist ein eigenes Kapitel. Klassische Mundduschen setzen auf ein nadelförmiges Profil, das laut den Herstellertests zwar in die Plaque eindringt, sie aber nicht vom Zahn löst. Der breit gefächerte Kegel soll flächiger ansetzen und dabei mit weniger Druck auskommen, was Zahnfleisch und Schmelz zugutekommen soll. Geprüft wurde das an einer künstlichen Plaque, die Dyson in einer fünfjährigen und vom Konzern finanzierten Forschungskooperation mit der Fakultät für Zahnmedizin der National University of Singapore entwickelt hat. Beim Bürstenkopf setzt der Hersteller auf zwei unterschiedlich harte Borstentypen, festere innen gegen Verfärbungen, weichere außen für den Zahnfleischrand, dazu auf eine variable Schallbewegung, die den Anstellwinkel laufend verändert. In einem Labortest soll die Bürste in schwer erreichbaren Bereichen bis zu 69 Prozent mehr Plaque entfernen als marktführende Premium-Elektrogeräte, gemessen wurde allerdings im reinen Putzmodus.
Die restliche Ausstattung erklärt einen guten Teil des Preises. Ein Behälter mit 12,5 Milliliter Fassungsvermögen soll pro Anwendung exakt so viel Mundspülung abgeben, dass sich alle Zwischenräume behandeln lassen, ohne dass die Flüssigkeit im Mund überhandnimmt. Eine Membranpumpe soll den Druck in jeder Haltung konstant halten, ob das Gerät nun aufrecht, schräg oder waagrecht geführt wird. Ein RFID-Tag im Bürstenkopf zählt die Reinigungen mit und meldet den fälligen Austausch. Verbunden ist die Bürste per WLAN und Bluetooth mit der MyDyson-App, die neben Abdeckungskarten und Auswertungen zum Putzverhalten auch das Kamerabild in Echtzeit anzeigt. Sichtbar wird darin, was sonst dem zahnärztlichen Blick vorbehalten bleibt. Gespeichert werde dabei nichts, betont der Hersteller, die Kamera laufe ausschließlich in der Live-Ansicht und im automatischen Strahlbetrieb, Aufnahmen landen weder im Gerät noch in der Cloud.
Auch die Zahnpasta musste neu erfunden werden
Weil eine Kamera im Mund naturgemäß ein Sichtproblem bekommt, sobald jemand mit herkömmlicher Zahnpasta zu putzen beginnt, hat Dyson gleich eine eigene entwickelt. Diese kommt ohne den üblichen Schaumbildner Natriumlaurylsulfat aus, damit die Erkennung nicht durch Schaum blockiert wird. Die zugehörige Mundspülung ist ebenfalls schaumreduziert und auf den Präzisionsstrahl abgestimmt. Beide enthalten Natriumfluorid sowie Phosphate und Xylit und sind in den Geschmacksrichtungen Minze und Ingwer-Minze zu haben, für empfindliche Zähne kommt eine Sensitive-Variante mit Pfefferminz dazu.
Damit entsteht allerdings auch eine Abhängigkeit, die über den einmaligen Kaufpreis hinausreicht. Wer die Kamerafunktion nutzen will, ist auf die schaumfreie Paste des Herstellers angewiesen, dazu kommen Mundspülung und Bürstenköpfe aus demselben Sortiment. Die laufenden Kosten der Anwendung dürften sich damit ordentlich summieren, kosten die Zahnpasten in der 75-ml-Tube doch zwischen zehn und zwölf Euro und die Mundspülungen in der 400-ml-Flasche zehn Euro. Für ein Doppelpack Bürstenköpfe bezahlt man 30 Euro.
"Wir wollten drei grundlegende Probleme lösen: diese Zwischenräume sichtbar machen, Plaque entfernen und die Reinigungsleistung beim Zähneputzen verbessern. Durch die Verbindung von Kamera, maschinellem Lernen, präziser Fluiddynamik, fortschrittlicher Putztechnologie, Konnektivität und Wi-Fi eröffnet Dyson CameraJet eine völlig neue Möglichkeit, die Mundgesundheit zu unterstützen", erläuterte James Dyson.
Erhältlich ist das Dentalsystem ab sofort im Dyson-Onlineshop, in den Dyson Stores und bei ausgewählten Handelspartnern für 479 Euro (UVP). Enthalten sind neben der Bürste eine Ladestation, die auf Knopfdruck in drei Sekunden Mundspülung nachfüllen soll, ein Reiseetui sowie Zahnpasta und Mundspülung. Zur Wahl stehen die Farbvarianten Ultra Blue und Ceramic Pink.
www.dyson.at
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