Die Österreichische Post hat im ersten Halbjahr 2026 trotz schwieriger Rahmenbedingungen zwar ein Umsatzplus erzielt, verbuchte beim Gewinn aber einen Dämpfer. Bei den Konzernerlösen gab es eine Steigerung um 3,8 Prozent auf 1,544 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Während insbesondere das E-Commerce- und Logistikgeschäft zulegte, setzte sich der Rückgang im klassischen Briefgeschäft fort.
Geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten
Geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten würden das Geschäft weiterhin prägen, so das Unternehmen. Neben dem allgemeinen Kostendruck würden vor allem Digitalisierungsmaßnahmen großer Geschäftskund:innen sowie von Behörden und öffentlichen Einrichtungen die Entwicklung beeinflussen. Hinzu komme ein verändertes Kaufverhalten der Konsument.
Damit setze sich der strukturelle Wandel der Branche fort: Während die Briefmengen sinken, werden mehr Pakete verschickt. Gleichzeitig bleibe auch das Paketgeschäft von intensivem Wettbewerb geprägt. Die Post setzt daher verstärkt auf eine breitere Aufstellung – von Finanzdienstleistungen und Telekommunikation bis hin zu E-Fulfillment.
Paketmengen in Österreich steigen, aber...
Wesentlichen Anteil am Umsatzwachstum hatte im ersten Halbjahr die Division E-Commerce & Logistics. Sie steigerte ihre Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,5 Prozent auf 910,9 Millionen Euro. Neben der Entwicklung des Online-Handels habe dazu die Marktposition des Unternehmens in Österreich beigetragen.
Die Paketmengen im österreichischen Markt erhöhten sich um neun Prozent und entwickelten sich damit laut Post deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Zusätzlich machte sich erstmals die Einbeziehung von euShipments.com bemerkbar. Der E-Commerce-Anbieter ist seit März 2026 Teil des Konzerns und wurde mit 6. März vollkonsolidiert.
Im Paketgeschäft ist aber nicht (mehr) alles Gold was glänzt. Denn bereits Anfang Juli habe sich die EU-Paketabgabe von drei Euro für Sendungen aus Nicht-EU-Staaten bemerkbar gemacht. In Österreich sei ein relativ starker Rückgang bei Paketen aus Asien zu beobachten gewesen, sagte Post-Generaldirektor Walter Oblin. Dieser Effekt habe sich mittlerweile zwar etwas abgeschwächt, im zweiten Halbjahr dürften die neuen Abgaben auf EU- und nationaler Ebene jedoch deutliche Spuren hinterlassen.
Zur Erinnerung: Ab Oktober werden in Österreich für Pakete, die über große Plattformen versendet werden, 2,40 Euro pro Sendung verrechnet. Mit 1. November kommt für Sendungen aus Nicht-EU-Ländern zudem eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro hinzu. Oblin erwartet dadurch einen spürbaren Dämpfer für das Paketgeschäft: Während die Paketmengen in Österreich im ersten Halbjahr noch um neun Prozent zulegten, rechnet er für die zweite Jahreshälfte nur noch mit einem Wachstum von zwei bis drei Prozent.
"Trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds konnten wir unseren Umsatz steigern. Gleichzeitig treiben wir die strategische Transformation unseres Konzerns konsequent voran, mit Investitionen in neue Geschäftsfelder, internationaler Expansion und dem Ausbau unserer Infrastruktur", so Oblin.
Briefgeschäft belastet Ergebnis
Deutlich schwächer entwickelte sich die Division Brief, Filiale & Services. Die Erlöse gingen um 7,4 Prozent auf 566,1 Millionen Euro zurück. Verantwortlich dafür seien vor allem der fortschreitende Strukturwandel im Briefgeschäft und die Neuausrichtung des Telekom-Geschäfts gewesen.
Wie prognostiziert, blieb auch das Konzernergebnis unter dem Vorjahresniveau. Das EBITDA sank um 5,9 Prozent auf 187,7 Millionen Euro, das EBIT um 22 Prozent auf 73,3 Millionen Euro. Neben dem beschleunigten Rückgang im Briefgeschäft und den Veränderungen im Telekom-Bereich hätten der intensive Wettbewerb auf internationalen Märkten sowie regulatorische Maßnahmen in der Türkei belastet.
bank99 erweitert ihr Angebot
Positiv entwickelte sich das Finanzdienstleistungsgeschäft. Das Zinsergebnis der bank99 stieg um 14,9 Prozent auf 37,7 Millionen Euro, das EBIT belief sich auf 4,2 Millionen Euro.
Im Juli 2026 startete die Bank zudem mit dem Wertpapierdepotgeschäft. Für das Gesamtjahr erwartet die Post einen leichten Umsatzanstieg. "Bei der bank99 ist es uns gelungen, innerhalb von fünf Jahren zu einer anerkannten und profitablen Finanzdienstleisterin aufzusteigen", so Oblin.
Yelllow soll Telekom-Geschäft neu positionieren
Mit Yelllow ist die Post seit April 2026 auch mit einer neuen Marke im Mobilfunkmarkt vertreten (LEADERSNET berichtete u.a. hier, hier und hier). Für die ersten Monate berichtet das Unternehmen von einem "sehr guten Kundenhochlauf".
Yelllow zählt damit neben der bank99 zu jenen Geschäftsfeldern, mit denen die Post ihre Positionierung über das traditionelle Brief- und Paketgeschäft hinaus verbreitern will.
Postnetz wächst auf mehr als 3.100 Standorte
Parallel baut die Österreichische Post ihr Filial- und Servicenetz aus. Im ersten Halbjahr wurde die 3.000. Poststelle eröffnet (LEADERSNET berichtete). Bis Ende 2026 sollen mehr als 3.100 Standorte zur Verfügung stehen.
Ein wesentlicher Teil der Expansion erfolgt über Selbstbedienungsangebote. Die Nutzung der Poststationen nehme weiterhin deutlich zu. "Auch in einem sich verändernden Marktumfeld versteht sich die Österreichische Post als verlässliche Grundversorgerin für zentrale Dienstleistungen des Alltags", sagt Oblin.
Übernahme stärkt internationales Paketnetz
Auch international setzt der Konzern auf Expansion. Ende Juli unterzeichnete die Österreichische Post die Übernahme des serbischen Paketdienstleisters D Express. Damit soll die Position in Serbien sowie generell in Südost- und Osteuropa gestärkt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Fulfillment-Geschäft. Mit euShipments.com in Bulgarien baut die Post ihre Aktivitäten entlang der E-Commerce-Wertschöpfungskette aus. Das Angebot reicht von Fulfillment und Lagerlogistik über grenzüberschreitende Transporte bis zur Zustellung auf der letzten Meile.
Post hält an Jahresprognose fest
Trotz der Herausforderungen hält die Österreichische Post an ihrer Prognose für 2026 fest. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern einen leichten Umsatzanstieg. Im Paketgeschäft wird weiterhin mit einem Wachstum im oberen einstelligen Prozentbereich gerechnet. Zölle und Gebühren könnten den grenzüberschreitenden E-Commerce im zweiten Halbjahr allerdings bremsen.
Im Brief- und Werbegeschäft erwartet die Post unverändert einen Umsatzrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich, im Finanzdienstleistungsgeschäft ein leichtes Wachstum.
Auch das Ergebnisziel bleibt bestehen. Für 2026 wird weiterhin ein EBIT innerhalb der Bandbreite der vergangenen Jahre angestrebt. Produkt- und Preisanpassungen sowie ein stärkerer Fokus auf E-Commerce-Fulfillment sollen im zweiten Halbjahr positive Impulse liefern.
Bis zu 160 Millionen Euro für Investitionen
Für 2026 plant die Österreichische Post Investitionen zwischen 140 und 160 Millionen Euro. Die Mittel sollen unter anderem in die Modernisierung und Erweiterung der Logistikinfrastruktur, den Ausbau des Paketautomatennetzes in Südost- und Osteuropa sowie die weitere Elektrifizierung der Zustellflotte fließen.
www.post.at
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