Nach einem Pre-Opening mit rund 150 Gästen, bei dem unter anderem auf das 35. Jubiläum von Horizont angestoßen wurde, starteten am Mittwoch, dem 23. September 2026, die 33. Österreichischen Medientage am Erste Campus in Wien.
Machtfragen und Medienwandel im Fokus
Der erste Konferenztag führte von demokratischer Widerstandsfähigkeit über Künstliche Intelligenz bis zur Finanzierung heimischer Medien. Den Rahmen setzte Jürgen Hofer, Publishing Director von Horizont, in seiner Eröffnungsrede. Er stellte zur Diskussion, wer den technologischen und wirtschaftlichen Wandel künftig gestaltet und welchen Handlungsspielraum österreichische Medien dabei behalten. Hofer verwies auf die Macht internationaler Plattformen über Daten, Aufmerksamkeit und Werbegelder sowie auf die Bedeutung von Medienfreiheit und vertrauenswürdiger Information. Regionale Nähe, publizistische Relevanz und Vertrauen beschrieb er als mögliche Stärke heimischer Anbieter.
Von Verteidigung bis Desinformation
Den Auftakt auf der Hauptbühne machte Sicherheitsexpertin Ulrike Franke mit einer Keynote über Demokratie und liberale Ordnung angesichts von Kriegen, autoritären Entwicklungen und digitalen Bedrohungen. Danach diskutierten Daniel Kosak, Lukas Mandl, Reinhard Marak und Andreas Perotti über Infrastruktur, Verteidigungsinvestitionen und die Rolle der Wirtschaft für einen widerstandsfähigen Standort. Katrin Prähauser moderierte das Gespräch.
Die anschließende Debatte verlagerte den Blick auf den öffentlichen Diskurs. Unter der Moderation von Gregor Schütze sprachen Helmut Brandstätter, Ingrid Brodnig, Harald Katzmair, Clemens Schwaiger und Michael Wagenhofer über Desinformation, Propaganda und Deepfakes. Brodnig warnte davor, dass allgemeine Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Informationen Menschen für Inhalte empfänglicher machen könnten, die ihr Weltbild bestätigen. Katzmair rückte die gesellschaftlichen Folgen von Isolation und einen selbstbestimmten Umgang mit KI in den Mittelpunkt.
Schwaiger hob wiederum die eigene Recherche und die Präsenz der Kronen Zeitung vor Ort hervor. Vollständig mit KI erzeugte Beiträge auf der Websites schloss er für sein Medienhaus aus. Auch war er für eine Kennzeichnung von KI-Inhalten. Brodnig sah einen möglichen Nutzen von KI als Hilfsmittel in Redaktionen, kritisierte aber den Einsatz großer Sprachmodelle zum Verfassen journalistischer Texte. Bei europäischen Regeln für Plattformen gingen ihre Einschätzungen und jene Brandstätters auseinander. Brandstätter verwies auf bereits gesetzte Schritte, Brodnig bemängelte die aus ihrer Sicht mangelnde Durchsetzung.
Plattformmacht und wirtschaftliche Antworten
Nach einer Pause stand Gerhard Zeiler im Gespräch mit Corinna Milborn auf der Bühne. Thema war die Verschiebung von Macht im digitalen Zeitalter. Anschließend diskutierten Markus Breitenecker, Marlene Svazek und Stephan Zöchling, moderiert von Andreas Schauder, darüber, wer die öffentlichen Erzählungen über Österreich prägt.
Am Nachmittag nahm Medienwissenschaftler Martin Andree in seiner Keynote das Verhältnis von freien Märkten und freien Medien in den Blick. Danach diskutierten Pia Bambuch, Xenia Daum, Gerald Grünberger, Simon Kravagna und Franz Solta mit Moderatorin Anna Wallner über mögliche Vorteile heimischer Medien im Wettbewerb mit globalen Plattformen.
Mit dem Einfluss von KI auf kreative Arbeit befasste sich wiederum Dörte Sprengler-Ahrens. Es folgte eine Debatte mit Christopher Buschow, Daniela Kraus und Volker Schaffler unter der Moderation von Tatjana Lukáš über neue Medienangebote. Katharina Behrends, Markus Frerker und Maximilian Orgonyi sprachen danach, moderiert von Daniel Glaser, über den Umbau von Medienhäusern und neue Produkt- und Plattformmodelle.
Eine weitere Runde widmete sich künftigen Erlösen. Stefan Ebner, Elisabeth Frank, Mario Frühauf, Matthias Seiringer, Karin Seywald-Czihak und Anastasia Troyanov nahmen teil, Michael Weber moderierte. Den Abschluss der Hauptbühne bildete eine Diskussion über Sport, Sponsoring und Wertschöpfung für Marken und Medien mit Maja Kölich, Erwin van Lambaart, Richard Peer und Caterina Preti. Die Moderation übernahm Michael Fiala.
Masterclasses und Abendveranstaltung
Parallel zum Bühnenprogramm waren zwei Masterclasses angesetzt. Luisa Fernau behandelte den sicheren Einsatz von KI im Newsroom, während sich Katharina Hahn und Jana Elena Koch der Übertragung von Studienergebnissen in die redaktionelle Ansprache junger Zielgruppen widmeten. Eine APA-Breakout-Session mit Andreas Mauczka und Katharina Schell befasste sich zudem mit automatisierten KI-Prozessen und neuen Formen der Aufbereitung und Verteilung von Inhalten. Eine weitere Breakout-Session sah einen Austausch mit Martin Andree über den Medienstandort Österreich vor, moderiert von Klaus Herrmann. Am Abend war die ebenfalls einladungsgebundene Servus Media Night angesetzt (LEADERSNET berichtete).
Der erste Tag verband damit Fragen der Sicherheit und des öffentlichen Vertrauens mit den Geschäftsmodellen der Medienbranche. Am 24. September wird die Konferenz fortgesetzt (LEADERSNET berichtete).
Unter den Gästen
Am ersten Tag gesehen wurden u.a. Clemens Pig (designierter ORF-Generaldirektor), Harald Kräuter (ORF-Direktor für Technik und Digitalisierung), Michael Krön (ORF-Chefproducer), Karin Seywald-Czihak (Geschäftsführerin der ÖBB Werbung), Kathrin Zierhut-Kunz (Geschäftsführerin von ORF III), Maximilian Dasch (Vizepräsident VÖZ), Thomas Gruber (Co-CEO der ProSiebenSat.1 PULS 4 Gruppe), Bernhard Albrecht (Co-CEO der ProSiebenSat.1 PULS 4 Gruppe), Markus Breitenecker (langjähriger Geschäftsführer von ProSiebenSat.1Puls 4), Oliver Böhm (Chief Commercial Officer der oe24 Media Group), Hans Mahr (Journalist und Medienmanager), Gerald Grünberger (Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Zeitungen), Jochen Prüller (Inhaber von Prüller PR), Ralf Hillebrand (Ressortleiter bei den Salzburger Nachrichten), Barbara Steinbrenner ("Die Presse"), Stephan Prähauser (Radiounternehmer und Betreiber von Welle 1), Dietmar Otti (Global Head of Media bei Red Bull), Georg Zanger (Rechtsanwalt) sowie Christoph Ammerer (Red Bull Media House) und viele mehr.
LEADERSNET begleitete die Eröffnung der Österreichischen Medientage. Einen Eindruck können Sie sich mittels Galerie verschaffen. Von der Servus Media Night können Sie sich hier einen Eindruck machen.
www.medientage.at
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