Klimakrise als Stresstest
Hitze legt Schwächen unseres Wirtschaftssystems offen

| Larissa Bilovits 
| 30.07.2026

Hohe Temperaturen, Energieengpässe und gestörte Lieferketten machen Unternehmen zunehmend verwundbar. Quality Austria zeigt, wie Kreislaufwirtschaft Emissionen senken und zugleich die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit stärken kann.

Mitte Juni wurde Österreich von der ersten Hitzewelle des Jahres überrollt. In der Wiener Innenstadt zeigte das Thermometer exakt 40,0 Grad Celsius – das war die höchste Temperatur, die in Wien seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1775 gemessen wurde. 102 der 251 heimischen Messstationen meldeten Monatsrekorde, in 40 Fällen handelte es sich um Allzeit-Höchstwerte. Die Auswirkungen davon machten sich nicht nur am eigenen Leib bemerkbar, sondern auch an der heimischen Infrastruktur: Während sich auf der Westautobahn Betonplatten wölbten und mehrere Zugverbindungen im ganzen Land gestrichen oder ausgebremst wurden, fiel in mehreren Wiener Bezirken der Strom aus. In Ungarn, der Schweiz und Frankreich mussten gar Atomkraftwerke ihre Leistung reduzieren, weil das Kühlwasser der Flüsse zu warm war.

ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski bezeichnete das Thermometer angesichts dieser Kettenreaktion als "makroökonomischen Frühindikator". Damit rückt eine Debatte in den Vordergrund, die Anbieter wie Quality Austria seit Jahren führen: die Frage, welchen Anteil das vorherrschende lineare Wirtschaftsmodell an der Erwärmung hat und welche Rolle Kreislaufwirtschaft bei der Gegensteuerung spielen kann.

Wo das lineare Modell Emissionen erzeugt

Klimakrise und Wirtschaft werden in der öffentlichen Diskussion häufig getrennt betrachtet. Aus Sicht von Kreislaufwirtschafts-Expert:innen bestehen dagegen direkte Verbindungen: Das dominante Prinzip "take, make, use, waste" beruht auf der laufenden Neugewinnung von Rohstoffen, auf fossiler Energie in Produktion und Transport sowie auf der Entsorgung von Materialien, die noch als Ressource nutzbar wären. Emissionen fallen dabei auf jeder Stufe an.

Kreislaufwirtschaft wird in diesem Zusammenhang oft mit Recycling gleichgesetzt. Recycling ist Teil des Konzepts, steht in der Hierarchie der sogenannten "R-Strategien" allerdings am Ende dieser Reihenfolge. Als wirksamer gelten die vorgelagerten Stufen: Produkte werden so konstruiert, dass sie eine längere Lebensdauer haben, reparierbar bleiben und nach der Nutzungsphase in Bestandteile zerlegt werden können, deren Materialien ohne Qualitätsverlust erneut einsetzbar sind.

Was zirkuläre Betriebe unterscheidet

Für Unternehmen ist ein Umdenken nicht ausschließlich eine Klimafrage. Wer zirkulär arbeitet, benötige laut Quality Austria weniger Primärenergie, verursache geringere Emissionen und sei durch kürzere, stärker regional organisierte Kreisläufe weniger anfällig für die physischen Folgen der Erwärmung. Betriebe mit linearem Modell tragen umgekehrt zu diesen Folgen bei und sind ihnen zugleich in besonderem Maß ausgesetzt.

Ein Beispiel aus der Praxis liefert der Gebäudebestand. Bauten ohne außenliegenden Sonnenschutz heizen sich in Hitzeperioden stark auf. Eine zirkulär angelegte Sanierung, die Fassaden- und Dachbegrünung mit einer Photovoltaikanlage kombiniert, verlängert die Lebensdauer der Bausubstanz, senkt den Energiebedarf für Kühlung und verbessert die Bedingungen für Bewohner:innen und Beschäftigte. Notwendig sind dafür in der Regel mehrere Maßnahmen und entsprechende Entscheidungen in Design, Beschaffung und Planung.

Qualifizierung für den Umbau

Europa erwärmt sich laut dem EU-Klimawandeldienst Copernicus schneller als jeder andere bewohnte Kontinent. Für Axel Dick, Prokurist Business Development Umwelt und Energie, CSR bei Quality Austria und Projektmitglied bei "Circular Globe", reiche es dementsprechend nicht mehr aus, auf Entscheidungen von Politik und Gesellschaft zu warten. "Es geht darum, dass wir alle jetzt unsere persönliche Verantwortung und unsere individuellen Beiträge erkennen und entschlossen handeln", so Dick.

Ebendieses Handlungswissen soll die Lehrgangsreihe "Circular Globe" bieten, die Quality Austria gemeinsam mit der Schweizer SQS entwickelt hat. Teilnehmer:innen erarbeiten darin, wie sich Kreislaufprinzipien in betriebliche Abläufe übersetzen lassen, wie der eigene Reifegrad eingeschätzt werden kann und welche Schritte am Beginn einer Transformation stehen. Klimaschutz ist dabei kein eigenes Modul, sondern laut Anbieter Bestandteil jedes zirkulären Ansatzes. 

www.qualityaustria.com

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