LEADERSNET: Sehr geehrte Frau Polan, Sie verantworten seit Kurzem den Bereich Corporate Affairs bei JTI. Was steckt hinter der Marke JTI?
Silvia Polan: Japan Tobacco International (JTI) zählt zu den führenden international tätigen Konzernen im Tabak- und Nikotinbereich. In Österreich ist die Austria Tabak vermutlich der bekanntere Name. Sie blickt auf eine 242-jährige Geschichte zurück, die auf eine Gründungsidee aus der Zeit Kaiser Josephs II. zurückgeht. Daraus entstanden die Austria Tabakwerke, ein Vollmonopol im Staatseigentum, das Herstellung und Verkauf sämtlicher Tabakwaren umfasste. Ab dem Jahr 2000 folgte unter Finanzminister Karl-Heinz Grasser die Teilprivatisierung, anschließend die Übernahme durch den britischen Konzern Gallaher, der 2007 seinerseits von JTI übernommen wurde.
LEADERSNET: Wie groß ist das Unternehmen heute in Österreich?
Polan: Wir beschäftigen in Österreich derzeit 450 Mitarbeiter:innen. Dazu zählen JTI Austria bzw. Austria Tabak ebenso wie Ökolab, das größte und modernste Umweltanalytik-Labor innerhalb unserer Konzernstruktur, und der Tabakgroßhändler TOB mit Sitz in Gumpoldskirchen. Gemeinsam mit unserem Außendienst ergibt das diese 450 Mitarbeiter:innen.
LEADERSNET: Welche Rolle spielen die Trafikant:innen für JTI?
Polan: Die Trafikant:innen sind unsere Kund:innen und zugleich unsere engsten Geschäftspartner:innen. Die derzeit rund 4.200 Trafiken sind über die Monopolverwaltung organisiert, ein Tochterunternehmen des Finanzministeriums. Diese Struktur war eine der Bedingungen beim EU-Beitritt Österreichs 1995 - der Markt für Tabak- und Nikotinwaren wurde zwar geöffnet, der Einzelhandel blieb aber als Monopol erhalten. Ausschlaggebend dafür ist die Vorzugsberechtigung: Menschen mit einem Grad der Behinderung von 50 Prozent werden bei der Lizenzvergabe bevorzugt. Auch das geht auf Kaiser Joseph II. zurück, der Kriegswitwen und Kriegsversehrte als vorzugsberechtigt definiert hat, um benachteiligten Menschen die Möglichkeit zu geben, unternehmerisch tätig zu werden.
LEADERSNET: Im Geschäftsfeld Rauchen hat sich sehr viel verändert. Wo stehen wir aktuell?
Polan: Rauchen hat sich weiterentwickelt. Neben dem Tabakkonsum steht heute auch der Nikotinkonsum. Es gibt E-Zigaretten, in denen nikotinhaltige oder nikotinfreie Flüssigkeiten verdampft werden, und Nikotinbeutel, also kleine Zellstoffbeutel, die unter die Lippe geschoben werden und das Nikotin über die Schleimhaut abgeben. Dazu kommen Tabakerhitzer, bei denen ein elektrisches Gerät ein zigarettenähnliches Tabakstäbchen verdampft. Und natürlich gibt es weiterhin Zigarren, Feinschnitt und die Zigarette als meistverkauftes Produkt.
LEADERSNET: Das ist ein hochkompetitiver Markt mit vielen Anbietern. Was tut sich derzeit vonseiten des Gesetzgebers?
Polan: Die Bundesregierung hat sich im März 2025 entschlossen, das Monopol auszuweiten und auch neuere Produkte wie E-Zigaretten und Nikotinbeutel einzubeziehen. Diese Produkte dürfen nun nur noch exklusiv über die Trafiken verkauft werden. Das halten wir für sinnvoll, denn es handelt sich um sensible Genusswaren, und die Trafikant:innen sind die Expert:innen dafür. Sie können auch den Jugendschutz sicherstellen. Darüber hinaus wird ihnen in einem Markt, der sich tendenziell verändert, die Marge abgesichert. In Kraft getreten ist das mit April. Vor dem Sommer wurde zusätzlich eine Novelle des Tabak- und Nichtraucherschutzgesetzes verabschiedet, mit der Einweg-E-Zigaretten verboten werden. Diesen Schritt haben andere EU-Mitgliedsstaaten bereits gesetzt. Hinzu kommen strengere Strafen für das Wegwerfen dieser Produkte, zum Beispiel auf Spielplätzen. Dort soll weder konsumiert noch entsorgt werden. Auch die Nikotinbeutel, für die als neue Produktgruppe bislang kein streng definierter Rahmen bestand, sind in diesem Gesetz nun umfassend geregelt. Aus Sicht der Hersteller gilt: Regulierung ist gut, solange sie maßvoll ist. Und ich glaube, das ist hier in einem durchaus sinnvollen Rahmen gelungen.
LEADERSNET: Wer Genussmittel reguliert, müsste konsequenterweise auch Fettgehalt und Zucker regulieren. Wo verläuft die Grenze?
Polan: Wenn es so einfach wäre, würden es alle richtig machen. Leider gibt es immer wieder Tendenzen von Gesetzgebern, vor allem auf europäischer Ebene, über das Maß hinauszuschießen. Ein gewisses Maß an Eigenverantwortung ist Menschen durchaus zumutbar. Wer erwachsen ist, Warnhinweise lesen kann und sich der Risiken bewusst ist, die der Konsum bestimmter Produkte mit sich bringt, sollte als mündige:r Bürger:in selbst entscheiden können. Gerade auf europäischer Ebene gibt es nach wie vor Bestrebungen, sehr strenge und wenig sinnvolle Reglementierungen durchzusetzen. In unserem Bereich führt das am Ende dazu, dass Produkte illegal hergestellt, gekauft und konsumiert werden. Das ist das schlechtestmögliche Ergebnis: Der Staat erhält keine Steuern, die Produkte sind völlig unkontrolliert, niemand weiß, was tatsächlich enthalten ist, und die organisierte Kriminalität wird zusätzlich befeuert. Dort bleibt es ja nicht bei illegalen Tabakprodukten, das reicht von Waffen bis hin zu Menschenhandel.
LEADERSNET: Sie sind in dieser Funktion neu. Wie erleben Sie die Aufgabe?
Polan: Sie gefällt mir ausgesprochen gut. Ich bin seit neun Jahren im Unternehmen und kenne viele Details und Zahlen sehr genau. Als Leiterin des Bereichs Corporate Affairs und Communication macht es Freude, diese Themen gemeinsam mit meinem Team der Öffentlichkeit näherzubringen.
LEADERSNET: JTI ist historisch immer sehr kulturaffin gewesen, unter anderem mit einer der großen Kunstsammlungen aus Zeiten der Austria Tabak. Woher kommt dieses Engagement für Kultur?
Polan: Am ehesten würde ich es mit Verantwortung beschreiben. Ein Unternehmen, das schon so lange besteht und ein verantwortungsvoller Arbeitgeber ist, wofür wir immer wieder ausgezeichnet werden, trägt auch eine gewisse Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Dazu gehört, kulturelle Veranstaltungen, Museen, kleinere Theaterbetriebe oder große Institutionen mit Strahlkraft wie die Salzburger Festspiele (LEADERSNET berichtete) zu unterstützen und darauf zu achten, dass sie sich weiterhin gut entwickeln können. Das entspricht einem Unternehmen, das das große Ganze im Blick hat und nicht nur das eigene Geschäft.
LEADERSNET: Der "Jedermann" in Salzburg (LEADERSNET berichtete) gibt uns mit, ein wenig aufeinander aufzupassen und nicht allzu gierig zu sein. Unter dieser Prämisse zum Abschluss: Dürfen wir uns auf die Zukunft freuen oder sollten wir sie mit großem Respekt erwarten?
Polan: Ich persönlich freue mich auf die Zukunft, denn Optimismus schadet niemandem. Er ist gerade jetzt notwendig. Krisen haben wir genug, schlechte Wirtschaftsdaten ebenso. Wenn alle mit etwas mehr positiver Energie durch den Sommer und in den Herbst gehen, dürfen wir uns auch in der Politik wieder Schwung, neue Ideen und mehr Kooperationsbereitschaft erhoffen.
LEADERSNET: Vielen Dank!
www.jti.com
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