Russmedia übernimmt Moser Holding
Grünes Licht für spektakulären Mediendeal im Westen Österreichs

| Larissa Bilovits 
| 21.07.2026

Nach rund sechswöchiger Prüfung hat die Bundeswettbewerbsbehörde den Zusammenschluss von Russmedia und Moser Holding unter Verpflichtungszusagen freigegeben. Das Closing ist für Ende August geplant.

Die Medienstruktur im Westen Österreichs ordnet sich neu, und eines der größten Häuser wechselt dabei nun den Eigentümer. Bereits Anfang Juni hatten die Moser Holding und Russmedia angekündigt, ihre Kräfte in einer gemeinsamen Mediengruppe zu bündeln (LEADERSNET berichtete). Nun hat die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) den Zusammenschluss freigegeben, mit dem die Vorarlberger Russmedia die alleinige Kontrolle über die Tiroler Moser Holding übernimmt.

Familie Moser steigt aus

Angemeldet wurde bei der Behörde am 8. Juni 2026 der indirekte Erwerb von mehr als 50 Prozent der Geschäftsanteile an der Moser Holding. Russmedia übernimmt 77 Prozent der Anteile an der gemeinsamen Gruppe, die Gründerfamilie Moser zieht sich damit vollständig zurück. Die BTV Vier Länder Bank beteiligt sich als strategische Partnerin mit 23 Prozent. Schon bisher hielt die Bank 24,99 Prozent an der Moser Holding, die Mehrheit von 75,01 Prozent lag bei der JS Moser Medienholding und damit bei der Familie des Mitgründers Joseph Stephan Moser.

Den Ton in der neuen Gruppe geben damit die Vorarlberger und ihre Eigentümerfamilie Russ an. Das Closing der Transaktion ist für Ende August geplant. Erst danach kann die operative Zusammenarbeit der beiden Häuser in Tirol und Vorarlberg starten.

Bedenken bei der Medienvielfalt

Vor der Freigabe prüfte die BWB das Vorhaben in enger Kooperation mit der Kommunikationsbehörde Austria (KommAustria) und dem Bundeskartellanwalt. Regionale und lokale Medienunternehmen in Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich sowie österreichweit tätige Medienhäuser wurden im Rahmen einer Marktbefragung um ihre Einschätzung gebeten. Aus rein wettbewerblicher Sicht warf der Zusammenschluss nach eingehender Prüfung "keine Bedenken" auf.

Anders sah es bei der Medienvielfalt aus. Im Zuge des Verfahrens zeigte sich, dass der Zusammenschluss zu einer "Reduktion der Anbietervielfalt in Westösterreich" führt. Zudem könnte Russmedia seine stärkere Marktposition nutzen, um die Vielfalt auf den ohnehin stark konzentrierten Medienmärkten in Vorarlberg und Tirol weiter einzuschränken. "Dies kann etwa im Falle von Plänen zur Einstellung von Medienangeboten, Einsparungen in Redaktionen oder einem eingeschränkten Zugang zu Druck- und Zustelldienstleistungen erfolgen", hieß es dazu im Statement der Behörde.

Um diese Bedenken auszuräumen, gab Russmedia verbindliche Verpflichtungszusagen ab, die ab Durchführung des Zusammenschlusses für die Dauer von sieben Jahren gelten (siehe Infobox). Dazu zählen die redaktionelle Unabhängigkeit zur Gewährleistung eigenständiger redaktioneller Entscheidungen, der Zugang zu Druckdienstleistungen für regionale und lokale Medienunternehmen sowie die Suche nach Dritten zur Fortführung von Printmedien vor einer geplanten Einstellung. Auch bei der Hauszustellung legte sich das Vorarlberger Haus fest. Vorgesehen sind eine Öffnung für regionale und lokale Medienunternehmen in Vorarlberg sowie keine Verschlechterung der aktuellen Situation in Tirol. Die zeitliche Befristung sieht die Behörde mit Blick auf den Anpassungsbedarf traditioneller Medien als verhältnismäßig an. Beide Häuser bekennen sich ausdrücklich zu den Zusagen.

Zwei traditionsreiche Medienhäuser werden zum Big Player

Gegründet wurde die Innsbrucker Moser Holding rund um die Tiroler Tageszeitung, die 1945 erstmals erschien und mit tt.com bis heute den Kern des Hauses bildet. Über die Landesgrenzen hinaus ist das Haus breit aufgestellt. In Oberösterreich erscheinen die Oberösterreichische Rundschau und MeinBezirk, gemeinsam mit der Styria Media Group betreibt die Moser Holding über die RegionalMedien Austria zudem österreichweit die Gratiswochenzeitungen BezirksBlätter/MeinBezirk, dazu kommen die Magazine der Bundesländerinnen.

Zu Russmedia mit Hauptsitz im Vorarlberger Schwarzach zählen die Tageszeitungen Vorarlberger Nachrichten und Neue Vorarlberger, Online-Portale wie vol.at und laendleimmo.at, Wochenzeitungen und Magazine wie die Vorarlbergerin und Kontur, der Radiosender Antenne Vorarlberg sowie der TV-Sender Ländle TV. Mit dem Zusammenschluss entsteht nun also eine der bestimmenden Mediengruppen im Westen des Landes.

"Mit der Freigabe der BWB ist ein sehr wesentlicher erster Schritt getan. Die Grundlage für eine gemeinsame Mediengruppe im Westen Österreichs steht — mit klarer Perspektive für die regionalen Marken und ihre Redaktionen", so Silvia Lieb, CEO Moser Holding, in einer entsprechenden Aussendung. Derzeit arbeite man mit Hochdruck an der Umsetzung der Closingschritte, erklärt die Medienmanagerin.

"Wir freuen uns über die Freigabe. Damit kann nach dem Closing die gemeinsame Arbeit von Moser Holding und Russmedia in Tirol und Vorarlberg beginnen", meint auch Markus Raith, Geschäftsführer Russmedia, und betont abschließend: "Unsere Verantwortung ist klar: unabhängige Redaktionen, starke regionale Marken und weitere Investitionen in den digitalen Ausbau der Aktivitäten, um beides langfristig zu sichern."

Die Entscheidung der Bundeswettbewerbsbehörde sowie die konkreten Verpflichtungszusagen können Sie hier nachlesen.

www.moserholding.com

www.russmedia.com

www.btv.at

www.bwb.gv.at

Die Verpflichtungszusagen im Überblick

  • Redaktionelle Unabhängigkeit: Die Vorarlberger Nachrichten samt vol.at und die Tiroler Tageszeitung samt TT.com behalten eigenständige, räumlich getrennte Redaktionen, unterschiedliche Chefredaktionen und eigene Redaktionsstatuten. Vergleichbare Vorgaben gelten auch für die Radio- und TV-Angebote in Tirol und Vorarlberg.
  • Faire Druckbedingungen: Bestehende Druckaufträge regionaler und lokaler Medienunternehmen müssen zu wirtschaftlich angemessenen und nicht diskriminierenden Konditionen fortgeführt werden. Neue Aufträge sind nach Maßgabe freier Kapazitäten ebenfalls anzunehmen.
  • Schutz vor vorschnellen Einstellungen: Soll ein Printmedium eingestellt werden, muss zuvor eine Fortführung durch Dritte ermöglicht werden. Kommt keine direkte Lösung zustande, ist das Medium öffentlich zum Verkauf anzubieten – spätestens drei Monate vor der geplanten Einstellung und begleitet von mindestens drei Inseraten in beiden Tageszeitungen.
  • Absicherung der Hauszustellung: Bestehende Zustellaufträge regionaler Medienunternehmen sollen zu fairen und nicht diskriminierenden Konditionen weitergeführt werden. Neue Aufträge sind bei vorhandenen Kapazitäten ebenfalls anzunehmen; entsprechende Zusagen gelten auch für Tirol.
  • Sieben Jahre Laufzeit: Die Verpflichtungszusagen gelten ab Durchführung des Zusammenschlusses für sieben Jahre. Bei wesentlich veränderten Rahmenbedingungen können Gespräche über eine Anpassung oder vorzeitige Beendigung geführt werden.

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

Die Verpflichtungszusagen im Überblick

  • Redaktionelle Unabhängigkeit: Die Vorarlberger Nachrichten samt vol.at und die Tiroler Tageszeitung samt TT.com behalten eigenständige, räumlich getrennte Redaktionen, unterschiedliche Chefredaktionen und eigene Redaktionsstatuten. Vergleichbare Vorgaben gelten auch für die Radio- und TV-Angebote in Tirol und Vorarlberg.
  • Faire Druckbedingungen: Bestehende Druckaufträge regionaler und lokaler Medienunternehmen müssen zu wirtschaftlich angemessenen und nicht diskriminierenden Konditionen fortgeführt werden. Neue Aufträge sind nach Maßgabe freier Kapazitäten ebenfalls anzunehmen.
  • Schutz vor vorschnellen Einstellungen: Soll ein Printmedium eingestellt werden, muss zuvor eine Fortführung durch Dritte ermöglicht werden. Kommt keine direkte Lösung zustande, ist das Medium öffentlich zum Verkauf anzubieten – spätestens drei Monate vor der geplanten Einstellung und begleitet von mindestens drei Inseraten in beiden Tageszeitungen.
  • Absicherung der Hauszustellung: Bestehende Zustellaufträge regionaler Medienunternehmen sollen zu fairen und nicht diskriminierenden Konditionen weitergeführt werden. Neue Aufträge sind bei vorhandenen Kapazitäten ebenfalls anzunehmen; entsprechende Zusagen gelten auch für Tirol.
  • Sieben Jahre Laufzeit: Die Verpflichtungszusagen gelten ab Durchführung des Zusammenschlusses für sieben Jahre. Bei wesentlich veränderten Rahmenbedingungen können Gespräche über eine Anpassung oder vorzeitige Beendigung geführt werden.

leadersnet.TV