Druck wurde letztendlich zu groß
Walter Ruck geht – Margarete Kriz-Zwittkovits übernimmt das Ruder

| Redaktion 
| 30.07.2026

Nach tagelanger Kritik infolge veröffentlichter Gesprächsprotokolle hat der langjährige Präsident der Wirtschaftskammer Wien und Obmann des Wiener Wirtschaftsbundes seinen Rücktritt verkündet. Damit endet eine langjährige Ära, die Nachfolge ist bereits geregelt.

Nach den in den vergangenen Tagen bekannt gewordenen Vorwürfen und der zunehmenden öffentlichen sowie politischen Kritik wurde der Druck auf Walter Ruck doch zu groß. Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Präsident der Wirtschaftskammer Wien und Obmann des Wiener Wirtschaftsbundes seine Funktionen zurücklegt.

Mutmaßliche Gesprächsprotokolle als Auslöser

Der Rücktritt erfolgte wenige Tage, nachdem profil und Kronen Zeitung Auszüge aus mutmaßlichen Gesprächsprotokollen veröffentlicht hatten. Die darin kolportierten Aussagen lösten parteiübergreifend Kritik aus und führten zu Rücktrittsforderungen aus Politik und Wirtschaft. Ruck hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Zuletzt hatten unter anderem WKO-Präsidentin Martha Schultz, Bundeskanzler Christian Stocker, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, Europaministerin Claudia Bauer und die Industriellenvereinigung Konsequenzen gefordert oder Ruck den Rücktritt nahegelegt. Kritik kam zudem von ÖVP-Politikerin Ingrid Korosec, SPÖ-Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner und weiteren Vertreter:innen von ÖVP, SPÖ, NEOS, Grünen und FPÖ.

Bereits zuvor hatte die ÖVP Konsequenzen gezogen und Walter Ruck mit sofortiger Wirkung aus der Partei ausgeschlossen. Der Bundesparteivorstand begründete diesen Schritt mit dem massiven Vertrauensverlust infolge der Vorwürfe. Ruck hatte den Parteiausschluss kritisiert und zunächst angekündigt, seine Funktionen als Wirtschaftskammerpräsident und Wirtschaftsbund-Obmann dennoch weiter ausüben zu wollen.

Zusätzlichen Druck erzeugte auch der Austritt der ehemaligen Bundesministerin Maria Rauch-Kallat aus dem Wiener Wirtschaftsbund. Sie begründete ihren Schritt damit, das Verhalten Rucks sowie die Unterstützung durch führende Funktionäre des Wirtschaftsbundes nicht länger mittragen zu können.

Bis zum Schluss viele Unterstützer:innen

Bis vor Kurzem hatte das Umfeld Rucks einen Rücktritt ausgeschlossen. Auch der Wiener Wirtschaftsbund sowie die Wirtschaftskammer Wien hatten ihrem Präsidenten öffentlich den Rücken gestärkt. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hatte ebenfalls erklärt, mit keinem Rückzug Rucks zu rechnen.

In der Vorstandssitzung des Wiener Wirtschaftsbundes gab Ruck am Donnerstag bekannt, dass er sich aus seinen Funktionen zurückzieht und ins Privatleben wechselt. Der Vorstand dankte ihm für seine langjährige Arbeit. Seine Nachfolge übernimmt Margarete Kriz-Zwittkovits, die sowohl Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes als auch Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien wird.

"Die Ereignisse der letzten Wochen haben zu nachvollziehbaren Irritationen geführt, die von unserer eigentlichen Arbeit abgelenkt haben. Meine Aufgabe sehe ich darin, möglichst rasch einen Neubeginn zu organisieren und das verlorene Vertrauen wiederherzustellen sowie den laufenden Reformprozess zügig und umsichtig umzusetzen", sagte Kriz-Zwittkovits in einer ersten Stellungnahme. Sie zeigte sich trotz der überraschenden Aufgabe zuversichtlich, ihren Beitrag für eine erfolgreiche Zukunft von Wirtschaftskammer Wien und Wirtschaftsbund Wien leisten zu können.

Mit dem Rücktritt Walter Rucks endet eine langjährige Ära an der Spitze der Wiener Wirtschaftskammer und des Wiener Wirtschaftsbundes. Mit Margarete Kriz-Zwittkovits übernimmt erstmals eine Frau beide Spitzenfunktionen gleichzeitig.

www.wko.at

www.wirtschaftsbund.at

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