Skulptur als Klanglinie
Musik, Wissenschaft & Kunst – das vereint Koloman Wagner im Kunsthaus Köflach

| Gerhard Krispl / LEADERSNET-ART Herausgeber 
| 16.07.2026

Skulpturen klingen und tanzen zur physikalischen Idee des Raum-Zeit-Kontinuums.

Wir beginnen mit der Wissenschaft, respektive mit Chemie: Liebe auf den ersten Blick. Die Kunstwerke von Koloman Wagner ziehen die Betrachter:innen von Beginn an in den Bann.

Das Kunsthaus Köflach hat sich in den vergangenen zwei Jahren zunehmend als Ort zeitgenössischer Kunst etabliert und erreicht mit der aktuellen Ausstellung von Koloman Wagner nun ein Niveau, das Maßstäbe setzt. Bereits beim Betreten der Ausstellung entfaltet sich eine besondere Atmosphäre. Monumentale Skulpturen, zusammengesetzt aus Tausenden präzise gefertigten Einzelteilen, erheben sich im Raum. Sie wirken zugleich kraftvoll und filigran, überwältigend und sinnlich. Es sind Werke von außergewöhnlicher Anziehungskraft.

Foto der Ausstellung
© Koloman Wagner

Dass hinter diesen Arbeiten ein durchdachtes Konzept steht, überrascht bei Koloman Wagner nicht. Der promovierte Physiker und Komponist verfolgt einen einzigartigen Ansatz, in dem er Formen, Klänge und Bewegungen aus unterschiedlichen Disziplinen miteinander verknüpft. Ausgangspunkt seiner künstlerischen Arbeit ist die physikalische Idee des Raum-Zeit-Kontinuums. Wagner betrachtet Raum und Zeit als einen zusammenhängenden vierdimensionalen Objektraum und entwickelt daraus Übersetzungen zwischen Musik, räumlicher Form und Bewegung.

Foto der Ausstellung

Foto der Ausstellung
Fotos der Ausstellung © Koloman Wagner

Und einen außergewöhnlichen Künstler kann man nur außergewöhnlich anpreisen. So kam bei der feierlichen Eröffnung der Welt-Cellist Friedrich Kleinhapl nach Köflach und ließ das Publikum sehr berührt zurück. Seine Interpretationen von Johann Sebastian Bach, Friedrich Gulda, Øistein Sommerfeldt und Ennio Morricone fanden die perfekte Symbiose zu den Werken Kolomans und des Künstlers absolute Begeisterung.

Die Ausstellung verfolgt ein exaktes Konzept und gliedert sich in vier Räume: Im ersten Raum werden musikalische Notationen in räumliche Formen übertragen. Der zweite Raum zeigt eine freiere Interpretation desselben Prinzips. Im dritten Raum wird der Prozess umgekehrt – hier wird Form zur Klanglinie. Der vierte Raum lädt Besucher:innen dazu ein, die Zusammenhänge eigenständig zu entdecken und zu erleben. Auf die Frage, ob es ihm wichtig sei, dass das Publikum seine Arbeiten "versteht", oder ob vielmehr das unmittelbare Erleben im Vordergrund stehe, antwortet Wagner: "Mein Ansatz eröffnet dem Betrachter einen konzeptionellen Zugang, der seine Wahrnehmung erweitern kann. Ich betrachte die Übersetzung zwischen Klang, Bewegung und räumlicher Form aber primär als Werkzeug. Ich glaube nicht, dass man Kunst im klassischen Sinne verstehen kann." So bliebe es schon ganz und gar dem Publikum überlassen, sich dieser hochkonzeptionellen Kunst auf eigene Weise zu nähern, sei es über intellektuelle Auseinandersetzung, sinnliche Wahrnehmung oder emotionale Erfahrung. Sichtlich stolz waren die Galerist:innen des Künstlers, Waltraud und Mario Mauroner, die eigens von Salzburg zur Eröffnung angereist waren.

Foto der Ausstellung
© Koloman Wagner

Ein weiterer Höhepunkt während der Eröffnungstage war die performative Führung, die Kunst, Musik und Tanz miteinander verbindet. Die "Junior Dancers des Ballett Graz" – Adonia Martineau, Hannes Lüttringhaus, Miya Käser und Florian Mozar – präsentierten unter der Choreografie von Nimrod Poles eine zeitgenössische Interpretation von Verschmelzung und Transformation innerhalb der skulpturalen Welt Wagners. Die Aufführung bedeutete sowohl für das Kunsthaus als auch für die Tänzer:innen eine Premiere. "Ich wollte bei diesen außergewöhnlichen Skulpturen eine ebenso anmutige und beeindruckende Rahmenveranstaltung anbieten und bin sehr glücklich und begeistert von dem Ergebnis", erklärt die Leiterin des Kunsthauses, die gerne an ihre Tätigkeit an der Oper Graz zurückdenkt und ein großer Fan des Ballett Graz unter der Leitung von Dirk Elwert ist. Ein herzliches Dankeschön gilt Anita Frauwallner von OMNi-BiOTiC® für das großzügige Sponsoring, das dieses Projekt erst möglich gemacht hat.

Die Kunstinteressierten kommen mit hoher Erwartung und gehen als begeisterte Koloman Wagner Fans aus dem Kunsthaus raus. Als Glanzlicht des Ausstellungsjahres bekommt die Schau einen ebenbürtigen Abschluss: Am Freitag, den 31. Juli, beenden wir ebenfalls musikalisch die Ausstellung. Bereits das zweite Mal veranstaltet das Kammermusikfestival mit dem Kunsthaus Köflach ein Konzert in der Wagenremise im Gestüt Piber. Tickets sind über www.kammermusik.co.at/konzerte/lacrimosa erhältlich.

Ausstellung Koloman Wagner – Skulptur als Klanglinie 
Kunsthaus Köflach
bis 31. Juli 2026
www.kunsthaus-k.at

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Herausgeber von LEADERSNET-ART ist Gerhard Krispl.

 

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