Insolvenzverfahren ohne Eigenverwaltung
Erdbau- & Transportbetrieb schlittert in Millionenpleite

| Tobias Seifried 
| 17.05.2026

Als Gründe für die Zahlungsunfähigkeit werden die Rezession im Baugewerbe, hohe Zinslasten und gestiegene Treibstoffkosten genannt. Von der zweiten Insolvenz des Traditionsbetriebs sind rund 290 Gläubiger:innen betroffen.

Die anhaltende Flaute im Baugewerbe setzt die Zuliefer- und Dienstleistungsbetriebe weiter unter Druck. Über das Vermögen der Baumann Erdbewegung GmbH mit Sitz in St. Georgen bei Obernberg am Inn (OÖ) wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. 

Finanzsituation und Ursachen

Das im Jahr 2002 gegründete Unternehmen ist im Erdbau, Wegebau sowie im Transportbereich mit einem eigenen Lkw-Fuhrpark tätig und wickelt auch Großprojekte ab. Laut den Kreditschutzverbänden KSV1870 und AKV belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund 2,59 Millionen Euro. Dem steht ein Aktivvermögen von circa 824.000 Euro (aufgeteilt in Anlage- und Umlaufvermögen) gegenüber. Insgesamt sind rund 290 Gläubiger:innen und 36 Dienstnehmer:innen von der Pleite betroffen.

Als Hauptursachen für den wirtschaftlichen Engpass nennt das traditionsreiche Innviertler Unternehmen im Eröffnungsantrag die allgemeine Rezession in der Baubranche sowie drastisch gestiegene Treibstoff- und Materialkosten. Erschwerend seien eine spürbare Verschlechterung der Zahlungsmoral von Auftraggeber:innen und rasant angestiegene Zinsbelastungen für bestehende Finanzierungen hinzugekommen. Da bereits eingeleitete Einsparungsmaßnahmen die Liquidität nicht mehr rechtzeitig stabilisieren konnten, wurde der Gang zum Insolvenzgericht unausweichlich.

Volle Auftragsbücher und Sanierungserfahrung 

Trotz der aktuellen Schieflage blickt die Geschäftsführung optimistisch auf das Restrukturierungsverfahren. Ein wesentlicher Pluspunkt sei, dass man laut Insolvenzantrag über einen gut gefüllten Auftragsbestand für das restliche Jahr 2026 verfüge. Durch das Verfahren soll die Gesellschaft nun von der erdrückenden Altlasten- und Tilgungsschuld befreit werden, um wieder profitabel wirtschaften zu können.

Zudem verweist das Unternehmen auf seine Historie: Bereits im Jahr 2015 bewältigte der Betrieb erfolgreich ein Insolvenzverfahren und erfüllte damals den Sanierungsplan ordnungsgemäß. Diese Erfahrung soll nun eine zügige prozessuale Abwicklung garantieren.

Gläubigern wird Mindestquote angeboten

Den Gläubiger:innen wird vorerst die gesetzliche Mindestquote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von 24 Monaten ab Annahme, angeboten. Finanziert werden soll die Quote primär aus den künftigen Erträgen der Fortführung sowie – falls notwendig – durch finanzielle Unterstützung von dritter Seite.

Zum Insolvenzverwalter wurde der Rieder Rechtsanwalt Robert Tremel bestellt. Gläubiger:innen können ihre Forderungen noch bis zum 15. Juli 2026 anmelden. Die entscheidende Sanierungsplantagsatzung ist für den 9. September 2026 angesetzt.

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