Studie offenbart Paradoxon
Warum Künstliche Intelligenz nicht automatisch mehr Produktivität bedeutet

| Larissa Bilovits 
| 21.01.2026

Eine neue Studie von Workday und ein Praxisbeispiel von Neuroth zeigen, warum ein strategischer Umgang mit den gewonnenen Ressourcen entscheidend für den nachhaltigen Erfolg von KI-Strategien ist. 

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz führt zwar in vielen Unternehmen zu spürbaren Produktivitätsgewinnen, deren wirtschaftlicher Nutzen bleibt jedoch häufig hinter den Erwartungen zurück. Das geht aus der neuen, globalen Workday-Studie mit dem Titel "Jenseits von Produktivität: Was KI wirklich wert ist" (siehe Infobox) hervor, die vergangene Woche im Rahmen einer Presseveranstaltung im Hilton Vienna Park vorgestellt wurde. Demnach sparen Mitarbeitende mit KI-gestützten Anwendungen zwar Zeit, ein erheblicher Teil dieser Effekte geht jedoch durch notwendige Korrekturen, Überarbeitungen und Validierungen wieder verloren. Entscheidend für nachhaltigen Mehrwert ist daher weniger der bloße Einsatz der Technologie als vielmehr die Frage, wie Organisationen die gewonnenen Ressourcen strategisch nutzen.

"Zu viele KI-Tools verlagern die schwierigen Fragen zu Vertrauen, Genauigkeit und Wiederholbarkeit auf einzelne Benutzer", sagte Gerrit Kazmaier, President Product and Technology bei Workday. "Bei Workday haben wir jahrelang KI als einfache, menschenzentrierte Lösungen bereitgestellt – nicht als reine Technologie – damit Kund:innen nicht alles selbst verdrahten und jede Antwort überprüfen müssen. Unsere Philosophie ist, dass KI die komplexe Arbeit im Hintergrund erledigen sollte, damit sich Menschen auf Urteilskraft, Kreativität und Verbindung konzentrieren können. So wandeln Organisationen KI-gestützte Geschwindigkeit in nachhaltigen, menschengeführten Vorteil um."

Das KI-Produktivitätsparadoxon

Konkret nutzt laut eigenen Angaben etwa ein Drittel der österreichischen Mitarbeitenden KI-Tools oder -Technologien in ihrer täglichen Arbeit. Weiters meinen 59 Prozent, in den vergangenen zwölf Monaten durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz deutlich produktiver gewesen zu sein. Allerdings geht ein Großteil der gewonnenen Zeit für Nachbesserung von minderwertigen KI-generierten Inhalten drauf – so verbringt rund die Hälfte der Befragten (52 %) ein bis zwei Stunden in der Woche unter anderem mit Fehlerkorrekturen, dem Umschreiben von Inhalten und der Validierung von Outputs aus standardisierten KI-Tools. Dies wiederum führt zu einem falschen Eindruck von Produktivität und Return on Investment (ROI). 

Große Schulungslücke

Darüber hinaus verzeichnen heimische Unternehmen nach wie vor große Schulungslücken in diesem Bereich. Gerade einmal vier von zehn befragten Führungskräften (41 %) erklären, dass ihre Organisation die Reinvestitionen von KI-gestützten Effizienzgewinnen in Qualifizierung und Aus- und Weiterbildung priorisiert hat. Solche Schulungs- und Entwicklungsprogramme tatsächlich erfahren zu haben, gibt überdies lediglich ein Viertel der Mitarbeitenden (26 %) an. So zeigt sich eine klare Diskrepanz zwischen Führungsabsicht und Mitarbeitererlebnis.

Ähnlich verhält sich dies auch im internationalen Vergleich – laut der Studie werden die meisten Einsparungen durch KI eher in Technologie (39 %) als in die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden (30 %) reinvestiert. Und anstatt die gewonnene Zeit gezielt für den Kompetenzaufbau zu nutzen, wird die Arbeitslast vielfach schlicht erhöht (32 %).

Eingesparte Zeit strategisch nutzen

Überdies zeigt die globale Auswertung, dass jene Organisationen, die mit KI tatsächlich messbare Fortschritte erzielen, einen grundlegend anderen Umgang mit den entstehenden Zeitgewinnen pflegen. Mitarbeitende mit positiven KI-Erfahrungen setzen die freigewordenen Ressourcen deutlich häufiger für anspruchsvollere Tätigkeiten ein, wie etwa für vertiefte Analysen, fundiertere Entscheidungen oder strategische Aufgaben (57 %), statt lediglich ihr Arbeitspensum zu erhöhen. Gleichzeitig profitieren sie wesentlich öfter von gezielten Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten (79 %).

Letztlich kommt die Studie daher zu dem Schluss, dass besonders erfolgreiche Unternehmen eingesparte Zeit eher als strategische Ressource nutzen: Sie investieren in die Weiterentwicklung ihrer Teams, fördern Zusammenarbeit und stärken jene Kompetenzen, die Urteilsvermögen, Kreativität und Entscheidungsfähigkeit erfordern. Entscheidend sei dabei weniger die Technologie selbst als die Fähigkeit der Mitarbeitenden, sie wirksam einzusetzen. So seien Investitionen in Menschen der wirksamste Hebel, um Nachbearbeitungen zu reduzieren, die Qualität der Ergebnisse zu steigern und technologische Effizienz in nachhaltigen Geschäftswert zu überführen.

"Erst Basis, dann Excellence"

Im Zuge der Studienpräsentation stellte Barbara Tscheliessnigg, COO von Neuroth, ein Praxisbeispiel aus dem Unternehmen vor, in dem die laufende digitale Transformation erläutert wurde. Neuroth hat im Rahmen des internen Projekts "Level Up" seine HR-Strukturen modernisiert und mit der Einführung von Workday Human Capital Management administrative Prozesse stärker standardisiert und datenbasiert ausgerichtet. Ziel sei es, die wachsende internationale Organisation organisatorisch besser zu unterstützen und Personalmanagement stärker strategisch zu steuern. Dabei verstehe das Unternehmen Digitalisierung als Mittel zur Effizienzsteigerung, zur Verbesserung interner Abläufe und zur Schaffung von Freiräumen für Beratung und Kundenbetreuung, unter anderem durch harmonisierte Prozesse, einheitliche Datenmodelle und den gezielten Einsatz von KI in ausgewählten Bereichen.

"KI kann nur so gut sein wie die Daten, auf denen sie aufbaut. Erst die Basis, dann die Excellence – so funktioniert Digitalisierung, die wirklich Wert schafft", betont Barbara Tscheliessnigg, COO der Neuroth-Gruppe und verantwortlich für HR, IT und Prozesse (People & Tech). KI verstehe man bei Neuroth als Ergänzung, nicht als Ersatz: "Künstliche Intelligenz und Automatisierung sind ein Hebel für Innovation, aber der Mensch bleibt immer im Mittelpunkt. Durch die Integration unserer HR-Prozesse schaffen wir ein konsistentes, vernetztes Datenfundament, das den Einsatz von KI im HR-Bereich wirklich sinnvoll macht. KI ist für uns kein Hype, sondern ein Werkzeug – um uns noch stärker auf Wertschöpfung und unsere Kund:innen zu konzentrieren."

Die gesamte Studie können Sie hier nachlesen.

www.workday.com

www.neuroth.com

Über die Studie

Diese Daten stammen aus der globalen Studie "Jenseits von Produktivität: Was KI wirklich wert ist", die im Auftrag von Workday von Hanover Research im November 2025 durchgeführt wurde. Die Studie umfasste 3.200 Befragte aus Nordamerika, Asien-Pazifik (APAC) und Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA). Alle Teilnehmenden waren Vollzeitbeschäftigte in Organisationen mit einem jährlichen Umsatzvolumen von 100 Millionen Dollar und mehr und waren aktive Nutzer:innen von KI-Technologie.

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Über die Studie

Diese Daten stammen aus der globalen Studie "Jenseits von Produktivität: Was KI wirklich wert ist", die im Auftrag von Workday von Hanover Research im November 2025 durchgeführt wurde. Die Studie umfasste 3.200 Befragte aus Nordamerika, Asien-Pazifik (APAC) und Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA). Alle Teilnehmenden waren Vollzeitbeschäftigte in Organisationen mit einem jährlichen Umsatzvolumen von 100 Millionen Dollar und mehr und waren aktive Nutzer:innen von KI-Technologie.

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