Österreichs Regionalbanken haben 2024 erneut ein starkes Jahr verzeichnet. Ausschlaggebend war vor allem das weiterhin hohe Niveau beim Zinsüberschuss, das die Ergebnisse maßgeblich gestützt hat. Gleichzeitig deuten die aktuellen Wirtschaftsprognosen jedoch darauf hin, dass den Instituten eine deutlich schwierigere Phase bevorsteht.
Laut der Regionalbankenstudie Österreich von zeb.Austria könnten mindestens zwei herausfordernde Jahre folgen. Regionalbanken müssten sich in einem Umfeld aus geopolitischen und konjunkturellen Risiken intensiver mit möglichen Risikoszenarien beschäftigen und ihre Betriebsmodelle konsequent weiterentwickeln. "Wir sehen, dass die Institute insgesamt solide aufgestellt sind, doch die bisherigen Erfolgsmodelle müssen adaptiert werden. Daher gilt es, jetzt die kommenden Jahre aktiv zu gestalten und strategische Weichenstellungen vorzunehmen", sagte Michaela Schneider, Partnerin bei zeb.Austria.
Sinkendes Zinsergebnis belastet die Profitabilität
Die guten Ergebnisse der Jahre 2023 und 2024 waren laut zeb in erster Linie auf das vorteilhafte Marktumfeld zurückzuführen. Steigende Zinsen sorgten für hohe Erträge, während Kosten und Risiken vergleichsweise stabil blieben.
Im Jahr 2025 zeigte sich jedoch eine spürbare Veränderung: Sinkende Zinsmargen, steigende Insolvenzen sowie geopolitische Unsicherheiten wirkten sich auf die Ertragslage aus. Diese Faktoren würden nach Einschätzung der Expert:innen auch in den kommenden Jahren das Betriebsergebnis der Banken weiter beeinträchtigen. Eine deutlichere Erholung beim Zinsüberschuss und damit beim Betriebsergebnis wird laut zeb erst ab 2028 erwartet.
Rückläufiger Zinsüberschuss und hohe Risikokosten belasten Ergebnis © zeb consulting
Steigende Insolvenzen erhöhen Druck auf die Kapitalausstattung
Ein wesentlicher Belastungsfaktor ist die steigende Zahl an Unternehmensinsolvenzen – insbesondere in der Bau- und Immobilienbranche (LEADERSNET berichtete). Regionalbanken seien davon laut Studie besonders betroffen, da sie sich überwiegend über Kundeneinlagen refinanzieren und weniger über den Kapitalmarkt. Dadurch würden sich wirtschaftliche Abschwünge direkter auf ihre Stabilität auswirken.
"Ein weiterer Ausfall von Kundenforderungen würde die Risikokosten erheblich erhöhen und hätte auch negative Auswirkungen auf die Kapitalausstattung der Banken", erklärt Andreas Sumper, Managing Partner zeb.Austria.
Das Simulationsmodell von zeb zeigt zudem, welche Folgen eine zusätzliche Verschärfung bei Wertberichtigungen hätte: Bei einem Anstieg um fünf Prozentpunkte würde die Kernkapitalquote im Median von 21,4 Prozent (2024) auf 14,7 Prozent sinken. Rund 53 Prozent der untersuchten Banken lägen dann unter einer Kernkapitalquote von 15 Prozent. 2024 hatten hingegen 97 Prozent der Regionalbanken diese Schwelle überschritten.
Ausfälle bei Kundenforderungen erhöhen Risikokosten und belasten Kapitalausstattung © zeb consulting
"Um ihr Wachstum mit Eigenkapital zu unterlegen, müssen Österreichs Regionalbanken Gewinne schreiben. Fällt das Betriebsergebnis unter die Marke von 0,5 Prozent, so fehlt der Bank die eigenständige Refinanzierungskraft, um das RWA-Wachstum (risikogewichtete Aktiva) mit Eigenkapital zu unterlegen", erläutert Sumper.
Schwächeres Wachstum erfordert strategische Entscheidungen
Insgesamt sieht zeb die Regionalbanken derzeit weiterhin solide aufgestellt, auch aufgrund einer nach wie vor ausreichenden Eigenkapitalausstattung. Dennoch wird die Zukunft laut Studie schwieriger: Bis 2030 dürfte das Wachstum des Ertragspotenzials sowohl im Firmenkundengeschäft als auch im Privatkundengeschäft deutlich geringer ausfallen als in der Periode 2019 bis 2024. Als weiterer Einflussfaktor wird ein nur schwach positives Wirtschaftswachstum genannt, vorausgesetzt, die aktuellen Prognosen bewahrheiten sich.
Wachstumsdynamik lässt nach © zeb consulting
Schneider betont die Notwendigkeit, rasch zu handeln: "Angesichts der kommenden Herausforderungen und der nachlassenden Wachstumsdynamik sind die Banken besonders gefordert, um ihre Ertragssituation zu verbessern. Dazu braucht es klare strategische Entscheidungen, die rasch umgesetzt werden." In diesem Zusammenhang beschreibt sie auch, welche Eigenschaften eine zukunftsfähige Regionalbank auszeichnen sollen: "Eine widerstandsfähige Regionalbank muss sich durch Ertragsoptimierung, ein effizientes Betriebsmodell sowie den Aufbau einer ganzheitlichen Steuerung auszeichnen."
Drei zentrale Handlungsfelder laut Studie
Die Regionalbankenstudie identifiziert drei Bereiche, in denen Institute laut zeb besonders gefordert sind. Im Markt- und Kundengeschäft nennt zeb unter anderem die Differenzierung von Betreuungsmodellen, eine optimierte Kundensegmentierung und Anpassungen bei Filialnetzen. Zudem werden KI-unterstütztes Digital Marketing, CRM sowie "Smart Pricing" im Kredit- und Einlagengeschäft angeführt.
Im Betriebsmodell geht es laut Studie um Prozessvereinfachung, Digitalisierung im End-to-End-Bereich, eine Cloud- und Plattform-Architektur als Basis sowie die Stärkung operativer Resilienz und Drittparteiensteuerung. Ergänzend nennt zeb datengetriebene Operating Models und KI-gestützte Steuerung als Hebel.
Als drittes Feld wird das Steuerungsmodell genannt. Hier hebt zeb unter anderem Zinsergebnisplanung und -steuerung, ESG in der Risikosteuerung samt Transitionsplanung, Risikokultur und interne Governance sowie Maßnahmen gegen Korruption und Geldwäsche hervor, einschließlich des EU Anti-Money-Laundering Pakets.
www.zeb-consulting.com
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