Fotos vom MiA-IndustrieForum 2026
Drei Viertel der Industrie-Führungskräfte befürchten Deindustrialisierung Österreichs

| Tobias Seifried 
| 29.10.2026

Die internationale Geschäftslage der heimischen Industrie verbessert sich, doch der Standort Österreich verliert an Wettbewerbsfähigkeit. Wie sich bei einem Forum in Wien zeigte, stehen deshalb auch viele Arbeitsplätze unter Druck.

Österreichs Industrie blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Während sich die Geschäftslage auf den internationalen Märkten zuletzt etwas verbessert hat, wird die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Produktionsstandorte zunehmend kritisch beurteilt. Das zeigt die achte Ausgabe des "Made in Austria IndustriePanel 2026", die von der TU Wien gemeinsam mit Fraunhofer Austria, der FHWien der WKW, EIT Manufacturing East und dem Fachverband der Metalltechnischen Industrie (FMTI) durchgeführt wurde. 

Für die Untersuchung wurden 106 Führungskräfte aus 101 produzierenden Unternehmen befragt (siehe Infobox). Jetzt wurden die Ergebnisse beim MiA-IndustrieForum 2026 in Wien präsentiert.

Drei Viertel rechnen mit Deindustrialisierung

Laut Studie bewerten 55,7 Prozent der Befragten die internationale Geschäftslage ihres Unternehmens als positiv oder sehr positiv. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um 5,2 Prozentpunkte. Deutlich schlechter fällt hingegen die Einschätzung des Standorts Österreich aus: Nur noch 30,7 Prozent beurteilen dessen internationale Wettbewerbsfähigkeit positiv – ein neuer Tiefstand innerhalb der Studienreihe. Besonders deutlich wird die Skepsis beim Blick auf die kommenden Jahre. 76,3 Prozent der Befragten erwarten innerhalb des nächsten Jahrzehnts eine Deindustrialisierung Österreichs. Zudem sind 85 Prozent der Ansicht, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit ihrer heimischen Standorte in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert hat.

"Die Unternehmen zeigen trotz schwieriger Rahmenbedingungen Widerstandskraft", sagt Sebastian Schlund, Leiter des Forschungsbereichs Industrial Engineering an der TU Wien und Geschäftsführer von Fraunhofer Austria. Hohe Kosten, geopolitische Unsicherheiten und internationaler Wettbewerbsdruck würden den Standort jedoch erheblich belasten.

Beschäftigung wächst weltweit, Österreich droht Rückgang

Auch bei den Beschäftigungsaussichten zeigt sich eine deutliche Diskrepanz. Während 63,8 Prozent der befragten Unternehmen in den kommenden fünf Jahren weltweit mit steigenden Beschäftigtenzahlen rechnen, erwarten 60,5 Prozent einen Rückgang in der heimischen Produktion und den produktionsnahen Bereichen. Gleichzeitig ist der Anteil der Beschäftigten in diesen Bereichen an österreichischen Standorten auf 45,7 Prozent gesunken. Die Studienautor:innen sehen darin einen möglichen Hinweis auf Produktionsverlagerungen.

Hannes Hunschofsky, Managing Director von EIT Manufacturing East, verweist auf die Innovationskraft der heimischen Betriebe. Um langfristig hochwertige Arbeitsplätze zu sichern, brauche es jedoch eine stärkere europäische Zusammenarbeit und die gezielte Förderung von Schlüsseltechnologien.

Innovationskraft erreicht neuen Höchstwert

Trotz der schwierigen Standortbedingungen investieren die Unternehmen weiterhin in neue Produkte und Technologien. 88,3 Prozent der befragten Betriebe stufen sich selbst als innovativ ein. Der Umsatzanteil neuer Produkte und Dienstleistungen erreicht mit 28,4 Prozent einen neuen Höchstwert. Zunehmend setzen die Unternehmen auf Automatisierung, um steigende Lohnstückkosten und den Fachkräftemangel abzufedern.

"Die Betriebe investieren in Innovation, Automatisierung und KI – das zeigt die Studie deutlich", erklärt Sabine Hesse, Geschäftsführerin des FMTI. Damit diese Investitionen und die damit verbundenen Arbeitsplätze in Österreich bleiben, brauche es wettbewerbsfähige Kosten, weniger Bürokratie und eine rasche Umsetzung der Industriestrategie, die auch für kleinere und mittlere Unternehmen praktikabel sei.

KI-Einsatz steigt deutlich

Besonders dynamisch entwickelt sich der Einsatz neuer Technologien. An den österreichischen Standorten der befragten Unternehmen kommen mittlerweile durchschnittlich 517 Industrieroboter auf 10.000 Beschäftigte. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2020. Auch künstliche Intelligenz gewinnt an Bedeutung: Erstmals setzt mit 59,1 Prozent eine Mehrheit der befragten Betriebe KI-Anwendungen oder maschinelles Lernen in der Produktion beziehungsweise in produktionsnahen Bereichen ein. Gegenüber 2025 entspricht das einem Anstieg um 10,2 Prozentpunkte. Dennoch bleibe menschliche Arbeit aus Sicht der Unternehmen unverzichtbar. 96,8 Prozent der Befragten messen ihr weiterhin eine große oder sehr große Bedeutung bei.

Walter Mayrhofer, Forschungsleiter an der FHWien der WKW, betont, dass Automatisierung und KI wichtige Hebel zur Steigerung der Produktivität seien. Ihr Potenzial könnten sie allerdings nur entfalten, wenn Unternehmen gleichzeitig in die Qualifizierung ihrer Beschäftigten und sichere Technologien investieren.

Fotos vom Forum sehen Sie in der Galerie.

www.fh-wien.ac.at

Über die Studie

Das "Made in Austria IndustriePanel" untersucht jährlich die Entwicklung und Zukunftsperspektiven der österreichischen Produktionswirtschaft.

Die aktuelle Ausgabe basiert auf den Angaben von 106 Führungskräften aus 101 produzierenden Unternehmen. Schwerpunkte sind unter anderem Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung, Automatisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

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Über die Studie

Das "Made in Austria IndustriePanel" untersucht jährlich die Entwicklung und Zukunftsperspektiven der österreichischen Produktionswirtschaft.

Die aktuelle Ausgabe basiert auf den Angaben von 106 Führungskräften aus 101 produzierenden Unternehmen. Schwerpunkte sind unter anderem Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung, Automatisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

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