"Gender Key"
sheconomy hat eine eigene Taste fürs Gendern entwickelt

Ein kostenloses Plugin soll geschlechtergerechte Sprache im Schreiballtag deutlich einfacher machen. Die begleitende Kampagne spielt mit einem Satz, den man aus der Wirtschaftswelt nur allzu gut kennt.

Kaum eine sprachliche Frage wird im deutschsprachigen Raum seit Jahren so emotional diskutiert wie das Gendern. Während Befürworter:innen darin einen Beitrag zu mehr Gleichstellung sehen, halten Kritiker:innen geschlechtergerechte Formulierungen für umständlich oder ideologisch aufgeladen. Im Kern geht es dabei um die Frage, wen Menschen eigentlich vor Augen haben, wenn sie von "Unternehmern", "Ärzten" oder "Experten" lesen. Zahlreiche psycholinguistische Studien legen nahe, dass das generische Maskulinum, also die männliche Form als vermeintlich neutrale Sammelbezeichnung, vor allem Bilder von Männern hervorruft.

Frauen sind damit zwar formal mitgemeint, in der Vorstellung der Leser:innen aber deutlich seltener präsent. Gerade in der Wirtschaft, wo Frauen in Vorständen und Geschäftsführungen nach wie vor stark unterrepräsentiert sind, ist das also längst mehr als eine Stilfrage. Genau hier setzt das Frauen-Wirtschaftsmagazin sheconomy deswegen nun mit einem neuen Tool an, das geschlechtergerechte Sprache buchstäblich auf die Tastatur bringt.

Zwei Tasten statt Sonderzeichen-Suche

Konkret belegt der sogenannte "Gender Key" – ein kostenloses Plugin – zwei Tasten der Tastatur neu. Wer nach einer Personen- oder Berufsbezeichnung die Plus-Taste drückt, ergänzt automatisch die Endung "*in", die Raute-Taste wiederum fügt "*innen" an. Aus "Unternehmer" wird so mit einem einzigen Anschlag "Unternehmer*innen", ohne dass Sonderzeichen mühsam zusammengesucht werden müssen. Das Tool arbeitet dabei also nicht mit einer vorgegebenen Wortliste, sondern funktioniert grundsätzlich bei jeder Personen- oder Berufsbezeichnung.

Das Plugin kann jederzeit aktiviert und wieder pausiert werden. Gedacht ist es laut sheconomy für Privatpersonen ebenso wie für Unternehmen, Medien und Organisationen, die geschlechtergerechte Sprache ohne großen Aufwand in ihren Alltag integrieren wollen. Derzeit steht der Gender Key als kostenlose Beta-Version für Windows 11 und ausgewählte macOS-Versionen zur Verfügung. Unterstützt werden vorerst ausschließlich deutsche QWERTZ-Tastaturen.

Die Haltung hinter dem Projekt

Hinter dem Tool steht mit sheconomy ein Medium, das sich auf Wirtschaft, Karriere und die Förderung von Frauen im Berufsleben spezialisiert hat. Für Geschäftsführerin Kristin Hanusch-Linser gehe es bei dem Projekt um die Vorstellungen, die Sprache von wirtschaftlichen Rollen vermittelt: "Sprache prägt, wen wir mit Wirtschaft, Führung und Leistung verbinden und damit auch, wem wir diese Rollen selbstverständlich zutrauen."

Chefredakteurin Lara Gonschorowski verweist wiederum auf das Umfeld, in dem der Launch stattfindet: "Das Thema Gendern ist unter anderem aufgrund der Landtagswahlen in Deutschland, aber auch aufgrund politischer Entscheidungen in Österreich so diskussionsgeladen wie nie. Und genau deshalb setzen wir mit sheconomy ein Zeichen, und zwar ein Zeichen für Gleichstellung."

"Wir können strukturelle Ungleichheit nicht wegklicken, aber wir können eine ganz konkrete Hürde beseitigen", ist Julia Emma Weninger, die das Projektmanagement rund um den Gender Key verantwortet, überzeugt.

Kampagne spielt mit einem vertrauten Satz

Begleitet wird der Launch des Gender Keys von der Kampagne "Wir brauchen Macherinnen", die unter dem Motto "Mitgemeint? Reicht uns nicht." steht. Die zugehörigen Sujets, die aus der kreativen Feder von HFA-Studio stammen, greifen bekannte Formulierungen aus dem Wirtschaftsleben auf und zeigen, wie eine kleine sprachliche Änderung deren Aussage verändert. "Die Stärke der Idee liegt in ihrer radikalen Einfachheit: Eine kleine Taste verändert ein Wort – und mit ihm das Bild, das in unseren Köpfen entsteht", erklärt Leo-Constantin Scheichenost, Creative Director bei HFA-Studio.

Sujet LEADERINNEN sheconomy© HFA-Studio

Auch abseits des Bildschirms soll die Initiative sichtbar werden, etwa durch Sticker für die Tastatur sowie eine echte Taste als Schreibtisch-Objekt. Ergänzend läuft die Gender Key Challenge, die zehn Werktage lang täglich eine kleine Aufgabe rund um geschlechtergerechte Sprache stellt. Die Aufgaben sind bewusst alltagsnah gehalten und setzen etwa bei E-Mails oder der Kommunikation im Team an. Zum Start teilen außerdem ausgewählte Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Medien und Social Media auf LinkedIn und Instagram ihre Sicht auf inklusive Sprache. Weiters ruft sheconomy dazu auf, die Kampagnenmotive in sozialen Netzwerken zu teilen.

www.sheconomy.media

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