Neue Direktzüge und längere Reisezeiten
Mehr Züge, höhere Preise und Baustellen prägen den ÖBB-Fahrplan 2027

| Redaktion 
| 14.10.2026

Neue Direktverbindungen und moderne Züge erweitern das Bahnangebot ab Dezember 2026. Gleichzeitig steigen die Ticketpreise, monatelange Streckensperren verlängern die Reisezeiten und der Sparkurs der Bundesregierung bremst künftige Investitionen.

Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 setzen die ÖBB auf zusätzliche Reisemöglichkeiten im In- und Ausland. Nach dem umfangreichen Angebotsausbau rund um die Eröffnung der Koralmbahn (LEADERSNET berichtete) soll das bestehende Verbindungsnetz weitgehend erhalten und gezielt ergänzt werden. Neben neuen Direktverbindungen sind weitere moderne Fahrzeuge vorgesehen. Gleichzeitig müssen sich Fahrgäste auf höhere Ticketpreise und längere Fahrzeiten aufgrund umfangreicher Bauarbeiten einstellen.

ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä sieht im neuen Fahrplan eine Fortsetzung des bisherigen Angebotsausbaus. Zusätzliche Direktverbindungen und moderne Züge sollen Bahnreisen im nationalen und internationalen Verkehr komfortabler machen.

Zusätzliche Direktzüge zwischen Graz und Linz

Ein Schwerpunkt liegt auf dem innerösterreichischen Fernverkehr. Ab Juli 2027 sollen zwischen Graz und Linz täglich drei zusätzliche Intercity-Züge pro Richtung verkehren. Gemeinsam mit den bestehenden Interregio-Verbindungen stehen damit elf tägliche Direktzüge je Richtung zur Verfügung.

Auch auf der Koralmbahn wird das Angebot erweitert. Zwischen Graz und Villach sind zusätzliche Interregio-Verbindungen in den frühen Morgen- und späten Abendstunden vorgesehen. An Werktagen kommt außerdem eine Frühverbindung hinzu, die Graz um 4.48 Uhr verlässt und Klagenfurt um 5.47 Uhr erreicht. Dort bestehen Anschlüsse in Richtung Villach und Salzburg. Die Interregio-Züge zwischen Graz und Maribor werden künftig auch am Flughafen Graz halten.

In der Ostregion sollen zusätzliche Züge unter anderem zwischen Wien und Wiener Neustadt sowie auf den Strecken nach Eisenstadt, Wulkaprodersdorf und Eichgraben/Altlengbach verkehren. Auch die Anbindung des Flughafens Wien soll verbessert werden, während zwischen Wolfsthal und Wien schnellere Verbindungen vorgesehen sind. In Vorarlberg wird das grenzüberschreitende Angebot in Richtung Deutschland und Schweiz erweitert.

Neue internationale Verbindungen 

Nach Abschluss der Generalsanierung zwischen Passau und Nürnberg kehren ab Dezember ICE-Direktverbindungen nach Nürnberg, Frankfurt, Dortmund und Berlin zurück. Zwischen Wien und Nürnberg stehen damit insgesamt zehn ICE-Verbindungen zur Verfügung. Zusätzlich wird das Angebot zwischen Wien und Dortmund um ein weiteres Zugpaar in den Tagesrandzeiten ergänzt. Eine neue nächtliche ICE-Verbindung soll außerdem Wien mit Stuttgart verbinden.

Für Reisen nach Italien ist ab Sommer 2027 eine weitere Erweiterung vorgesehen. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn und Trenitalia wollen die ÖBB den Hochgeschwindigkeitszug Frecciarossa auf Verbindungen von München über Innsbruck nach Mailand beziehungsweise Rom anbieten.

Auch Belgrad könnte nach mehrjähriger Unterbrechung wieder direkt mit Österreich verbunden werden. Geplant sind zwei tägliche Züge pro Richtung bei einer Fahrzeit von rund sechseinhalb Stunden. Der genaue Starttermin steht allerdings noch nicht fest, da zunächst die erforderliche Streckenzulassung in Ungarn vorliegen muss. Es wäre die erste entsprechende Direktverbindung seit 2019.

In Richtung Slowakei sind zwei neue Eurocity-Verbindungen von Wien über Bratislava und Žilina nach Košice vorgesehen. Darüber hinaus sollen ab Sommer 2027 einzelne Railjet-Xpress-Verbindungen über Wien hinaus bis Bratislava beziehungsweise Zürich verlängert werden.

ÖBB-Tickets werden teurer

Neben den zusätzlichen Reisemöglichkeiten bringt der Fahrplanwechsel auch höhere Kosten für Bahnreisende. Mit 13. Dezember 2026 passen die ÖBB ihre Tarife an. Standardtickets und ÖBB-Vorteilscards werden im Durchschnitt um 3,5 Prozent teurer.

Die Preisanpassung fällt damit zeitlich mit der Einführung des neuen Fahrplans zusammen. Während die ÖBB zusätzliche Verbindungen und neue Fahrzeuge ankündigen, müssen Reisende für reguläre Tickets künftig mehr bezahlen.

Der Verkauf der Fahrkarten für das neue Fahrplanjahr hat bereits begonnen, so die ÖBB.

Monatelange Streckensperren verlängern die Reisezeiten

Von 8. Februar bis 9. Juli 2027 wird das Deutsche Eck zwischen Freilassing und Rosenheim aufgrund umfangreicher Sanierungsarbeiten vollständig gesperrt. Besonders betroffen sind Reisende nach Tirol, Vorarlberg, München und in die Schweiz. Als Alternative steht laut dem Unternehmen zwischen Salzburg und Kufstein ein Schienenersatzverkehr zur Verfügung, wodurch sich die Reisezeit um rund eine Stunde verlängern soll. Durchgehende Züge werden über Zell am See umgeleitet, was je nach Reiseziel 90 bis 120 Minuten zusätzlich bedeuten soll.

Auch der internationale Verkehr ist betroffen. Railjet-Xpress-Züge zwischen Wien und München werden über Passau geführt, zwischen Salzburg und München ist ein Shuttleverkehr über Mühldorf im Zwei-Stunden-Takt vorgesehen. Zwei Züge pro Richtung zwischen Graz und München sollen über Wörgl umgeleitet werden. Die Verbindungen zwischen Wien und Salzburg bleiben von der Sperre unberührt.

Parallel dazu wird die Tauernstrecke zwischen Schwarzach-St. Veit und Mallnitz-Obervellach im selben Zeitraum vollständig gesperrt. Dort findet die zweite Etappe einer umfassenden Tunnel- und Streckensanierung statt. Für beide Strecken haben die ÖBB gemeinsam mit der Deutschen Bahn Ersatz- und Umleitungskonzepte erarbeitet.

Milliardeninvestitionen in neue Züge

Ungeachtet der bevorstehenden Einschränkungen setzen die ÖBB ihre Flottenmodernisierung fort. Bis 2030 sollen insgesamt rund 6,1 Milliarden Euro in 330 neue und moderne Züge investiert werden.

Bereits 2026 wurde der Fahrzeugbestand um rund 80 Einheiten erweitert. Für 2027 sind weitere 57 Fahrzeuge vorgesehen.

Im Nahverkehr kommen unter anderem 27 zusätzliche Cityjet-Doppelstockzüge zum Einsatz. Für die grenzüberschreitenden Verbindungen zwischen Tirol und Südtirol sind sechs neue Coradia-Stream-Züge geplant. Diese sollen künftig durchgehende Fahrten ermöglichen, ohne dass Fahrgäste am Brenner umsteigen müssen. Im Fernverkehr wird die Flotte um zehn Railjets der neuen Generation und 14 Railjet-Doppelstockzüge erweitert.

Sparmaßnahmen bremsen künftige Bahninvestitionen

Die Budgetkonsolidierung der Bundesregierung wirkt sich auch auf den Bahnsektor aus. Zwar erhält die ÖBB-Infrastruktur AG ab 2027 erstmals mehr als drei Milliarden Euro jährlich aus dem Bundesbudget, gleichzeitig sollen laut Unternehmen mehrere geplante Bauprojekte zeitlich verschoben werden. Dadurch sollen gegenüber dem bisherigen Finanzrahmen jährlich 285 Millionen Euro eingespart werden.

Auch die Bundeszahlungen für Verkehrsdienstverträge, mit denen wirtschaftlich nicht rentable Zugverbindungen finanziert werden, sollen nach einem weiteren Anstieg 2027 im Jahr 2028 auf rund 1,4 Milliarden Euro sinken. Das entspricht dennoch einem Plus von 13 Prozent gegenüber 2025.

Weitere Kürzungen betreffen den Güterverkehr. Die jährlichen Förderungen werden um 26 Millionen Euro auf knapp 178 Millionen Euro reduziert. Zudem sollen die Ausgaben für die grüne Transformation, darunter Elektromobilität und Ladeinfrastruktur, in den kommenden beiden Jahren schrittweise um 20 Millionen Euro zurückgehen.

www.oebb.at

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