Niederösterreichs Unternehmen stehen derzeit vielfältig unter Druck. Auf der einen Seite binden bürokratische Pflichten Jahr für Jahr Millionen Arbeitsstunden, auf der anderen Seite treiben steigende Preise für Treibstoff, Strom und Gas die Kosten in die Höhe. Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) und Landesgruppenobmann des Wirtschaftsbundes Niederösterreich (WBNÖ), will deshalb gleich bei beiden Themen ansetzen: Gemeinsam mit dem WBNÖ-Direktor und Nationalratsabgeordneten Harald Servus unterstützt er eine bundesweite Kampagne des Österreichischen Wirtschaftsbundes (ÖWB) gegen unnötige Berichtspflichten, bei den Energiepreisen fordert er zudem eine spürbare Entlastung.
Mehr als 50 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr
Für Niederösterreich ergibt eine aktuelle Hochrechnung der KMU Forschung Austria einen bürokratischen Aufwand von rund 52 Millionen Arbeitsstunden und 3,4 Milliarden Euro im Jahr. Ausgangspunkt ist der österreichweite Wert von rund 320 Millionen Stunden beziehungsweise 21,1 Milliarden Euro, was etwa 200.000 Vollzeitstellen entspricht. Dieser Wert wurde auf den niederösterreichischen Anteil an den Beschäftigten von rund 16 Prozent umgelegt. In eine ähnliche Richtung weist der erste Entbürokratisierungsbericht des Staatssekretariats für Deregulierung und Entbürokratisierung, der im Juli 2026 veröffentlicht wurde und auf mehr als 5.000 von Bürger:innen, Unternehmen und Verwaltung eingebrachten Fällen beruht. Laut WBNÖ beziffert er den bürokratischen Aufwand der heimischen Betriebe auf rund 20 Milliarden Euro jährlich – das sind fast 7 Prozent ihrer gesamten Personalkapazität.
Bereits 2024 hatte die KMU Forschung Austria im Auftrag der WKNÖ den Aufwand für das Bundesland erhoben. Sie kam damals auf 53 Millionen Arbeitsstunden und rund drei Milliarden Euro pro Jahr, was 2,5 Prozent des Umsatzes und 10,1 Prozent der Bruttowertschöpfung der niederösterreichischen Betriebe entsprach. "Was wir 2024 in dieser Studie aufgezeigt haben, bestätigt sich jetzt eins zu eins in den aktuellen Bundeszahlen. Die Belastung ist seither nicht kleiner geworden, sie liegt nach wie vor bei mehreren Milliarden Euro im Jahr, die unseren Betrieben für Kund:innen, Mitarbeiter:innen und Investitionen fehlen", sagt Ecker.
Die Kampagne läuft auf einen Rollentausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung hinaus. Nicht mehr die Unternehmen sollen erklären müssen, weshalb eine Berichtspflicht verzichtbar ist. Vielmehr soll der Staat den Nachweis erbringen, dass es sie weiterhin braucht. "Dass jetzt sogar der eigene Bericht der Bundesregierung das Ausmaß bestätigt, nimmt uns niemand mehr weg", meint Servus. "Auch Niederösterreich muss seine eigenen Melde- und Nachweispflichten, etwa bei Förderungen oder Genehmigungsverfahren, auf den Prüfstand stellen."
Sprit- und Energiekosten belasten ganze Branchen
Zur Bürokratie kommt ein zweiter Kostenfaktor, der vielen Betrieben derzeit besonders zusetzt, nämlich die hohen Spritpreise. Sie treffen alle Branchen, die auf Fahrzeuge angewiesen sind, von Transport und Bau über das Handwerk bis zu Handel, mobilen Dienstleistungen, Tourismus und Industrie. Kurzfristig lassen sich diese Ausgaben in vielen Fällen kaum senken, und an die Kund:innen können sie oft nur teilweise weitergegeben werden. "Unsere Betriebe brauchen jetzt Entlastung und Planungssicherheit", appelliert Ecker. Den Weg dorthin sieht der Kammerpräsident in niedrigeren Steuern auf Treibstoff, betont aber: "Staatliche Markteingriffe und Margenbegrenzungen sind der falsche Weg – sie schaffen neue Unsicherheit, bremsen Investitionen und schwächen den Wettbewerb, statt Energie dauerhaft leistbarer zu machen."
Ecker meldete sich damit kurz vor der Entscheidung der Bundesregierung zu Wort, die Spritpreisbremse für Oktober und November neu aufzulegen. Diese kombiniert eine Senkung der Mineralölsteuer um 6,7 Cent je Liter mit einer Margenbegrenzung von 3,5 Cent, inklusive der geringeren Mehrwertsteuer sollen Benzin und Diesel dadurch um rund 12,2 Cent pro Liter günstiger werden. Formal beschließen soll die Maßnahme der Nationalrat am 28. September in einer Sondersitzung.
Handlungsbedarf ortet Ecker auch bei Strom und Gas. Die Österreichische Energieagentur weist für September beim Strom-Großhandelspreisindex ein Plus von 26 Prozent gegenüber August und von 68,12 Prozent im Jahresvergleich aus. Beim Gas liegen die Steigerungen bei 16,6 beziehungsweise 71,1 Prozent. "Diese Entwicklung ist ein Warnsignal. Unsere Unternehmen brauchen wettbewerbsfähige und planbare Energiepreise – bei Treibstoff genauso wie bei Strom und Gas", so Ecker.
Laut dem WKNÖ-Wirtschaftsbarometer vom Sommer 2026 rechnen zwei Drittel der Unternehmen mit weiter steigenden Kosten, vor allem bei Löhnen, Energie und Material. Für 29 Prozent sind die Energiekosten schon jetzt ein konkreter Nachteil im Wettbewerb, und das allgemeine Wirtschaftsklima liegt mit einem Saldo von minus 32,3 weiterhin klar im negativen Bereich. "Unsere Betriebe sind bereit zu investieren und Verantwortung zu übernehmen. Aber sie können nicht jede neue Kostenwelle auffangen oder weitergeben. Jetzt braucht es Entscheidungen, die spürbar entlasten und wieder Vertrauen schaffen", resümiert der WKNÖ-Präsident.
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