Fotos der Präsentation
68. Kaffeesiederball rückt weibliche Selbstbestimmung ins Zentrum

Unter dem Motto "Wo Gedanken tanzen und der Kaffee nach Freiheit duftet" widmet sich die kommende Ballnacht der Rolle von Frauen in der Wiener Kaffeehauskultur. Als historischer Ausgangspunkt dient Josephine Bakers umstrittener Wien-Auftritt im Jahr 1928.

Am 22. Jänner 2027 ist es wieder so weit und die Wiener Hofburg verwandelt sich erneut in ein weitläufiges Kaffeehaus mit Tanzflächen, Orchestern und künstlerischen Einlagen. Im Mittelpunkt des mittlerweile 68. Kaffeesiederballs stehen dieses Mal Frauen, die die Kaffeehauskultur als Betreiberinnen, Gastgeberinnen, Künstlerinnen und Denkerinnen mitgeprägt haben. 

Nach der 67. Ausgabe, bei der unter dem Motto "Wiener Kaffeehauskultur - Die Kunst der Gemütlichkeit" rund 3.600 Besucher:innen zusammenkamen (LEADERSNET berichtete), richtet sich der Fokus 2027 auf Freiheit, gesellschaftlichen Austausch und weibliche Selbstbestimmung. 

Ende der männlichen Vormachtstellung

Die Wiener Kaffeehäuser waren lange Zeit vorwiegend der männlichen Bevölkerung vorbehalten und galten bis Mitte des 19. Jahrhunderts als reine Männerdomäne für Politik, Handel und Rauchsäle. Erst ab 1856 erhielten Frauen offiziell Zutritt – allerdings oft nur nach Bällen oder in männlicher Begleitung. Gleichzeitig wirkten Frauen bereits zuvor hinter den Kulissen, übernahmen Betriebe und führten diese als Unternehmerinnen weiter. So waren sie, lange bevor sie das Kaffeehaus als Gäste betreten durften, als Sitzkassiererinnen präsent und damit "Herrscherinnen über das Geld". Auf ihrem leicht erhöhten Platz direkt am Eingang oder Buffet sitzend, kassierten sie, führten die Bücher und behielten den Überblick über den gesamten Raum. 

Doch auch als Betreiberinnen prägten Frauen die Geschichte der Kaffeehauskultur. Das Wiener Gewerberecht erlaubte den Witwen, die Konzession ihrer verstorbenen Ehemänner fortzuführen – was viele Frauen nutzen und zu erfolgreichen Kaffeesiederinnen wurden. Um die Wende zum 20. Jahrhundert besuchten Frauen die Kaffeehäuser zunehmend auch ohne männliche Begleitung, lasen Zeitungen, tauschten sich aus oder spielten Karten. Schriftstellerinnen, Journalistinnen und andere Intellektuelle eigneten sich diese Räume schrittweise an und trugen dazu bei, dass sich das Kaffeehaus von einer männlich dominierten Institution zu einem breiter zugänglichen gesellschaftlichen Treffpunkt entwickelte. 

Vom Kaffeehaus als Ort des öffentlichen Diskurses

Diese Geschichte bildet den inhaltlichen Rahmen des Ballmottos "Wo Gedanken tanzen und der Kaffee nach Freiheit duftet". Ballobmann Wolfgang Binder erklärt dazu: "Das Wiener Kaffeehaus war immer schon ein Ort der Freiheit – der Freiheit zu denken und zu diskutieren. Hier wurden Kunst, Musik und Literatur genauso leidenschaftlich besprochen, wie gesellschaftliche und politische Entwicklungen. Genau diese Offenheit und Vielfalt machen die Kaffeehauskultur auch heute noch lebendig und relevant – diese Freiheit und Offenheit bewahren wir und stellen sie in der kommenden Ballnacht in den Fokus!"

Josephine Baker als historische Bezugsperson

Als Ausgangspunkt für das Ballkonzept dient der für Februar 1928 geplante Auftritt von Josephine Baker im Wiener Ronacher. Das Gastspiel der schwarzen US-amerikanisch-französischen Tänzerin und Sängerin löste damals Proteste seitens katholischer Kirche und Wiener Hitlerbewegung aus. Selbst im Parlament wurde über ein Verbot diskutiert, denn ihre körperbetonten Tänze, ihre freizügigen Kostüme und ihre selbstbewusste Bühnenpräsenz galten in konservativen Kreisen als Provokation. Doch die Ablehnung richtete sich nicht nur gegen vermeintliche "Unsittlichkeit". Baker wurde zugleich zur Projektionsfläche für rassistische Ängste vor Jazz und schwarzer Kultur.

Nachdem das Ronacher keine Genehmigung erhalten hatte, trat Baker schließlich ab März 1928 im Johann-Strauß-Theater auf. Für den Kaffeesiederball steht sie nun stellvertretend für künstlerische Freiheit und weibliche Selbstbestimmung. Die Verbindung zu Baker zieht sich dabei sowohl durch die Gestaltung des Ballplakats als auch durch das musikalische Programm. 

Rebecca Horner wird zum Gesicht des Ballplakats

Das von Christof Cremer, dem künstlerischen Leiter des Wiener Kaffeesiederballs, konzipierte Ballplakat zeigt die Tänzerin Rebecca Horner im Frack. Ihre mondän-androgyne Inszenierung versteht sich als Hommage an Josephine Baker. Eine dynamische Porzellanexplosion im Hintergrund greift zugleich das Motiv der Kaffeehauskultur auf. Fotografisch umgesetzt wurde das Plakat erneut von dem britischen Künstler Ashley Taylor

Horner übernimmt außerdem den Solopart der Balletteinlage zur Eröffnung. Gemeinsam mit dem Ensemble der Vereinigung Wiener Staatsopernballett tanzt sie zu "Ich bin ein Vamp" von Mischa Spoliansky, gesungen von Julia Koci. Der russisch-britische Komponist und Pianist, der die Berliner Kabarett- und Revuemusik der 1920er-Jahre mitprägte, liefert den musikalischen Ausgangspunkt für mehrere Programmpunkte des Abends. Die Arrangements sowie die musikalische Leitung der Eröffnungs- und Mitternachtseinlage und des Late-Night-Konzerts übernimmt Bernd Oliver Fröhlich mit seinem Bernd Fröhlich Orchester. 

Von der Strauß-Dynastie bis zum Bigband-Sound

Auch die Strauß-Dynastie findet Eingang in die Eröffnung. Für das Jungdamen- und Herrenkomitee sowie die Walzerformation der Tanzschule Elmayer-Vestenbrugg stehen eine Polka und ein Walzer auf dem Programm. Die Choreografie der Polka stammt von Veronika Baldassari, die Gesamtleitung übernimmt Thomas Schäfer-Elmayer. Für die musikalische Begleitung sorgt das Wiener Opernballorchester unter der Leitung von Laszlo Gyüker

Bei der Mitternachtseinlage kehrt das Programm zur Musik Spolianskys und damit in die 1920er- und 1930er-Jahre zurück. Abgerundet wird die Auswahl durch Musical-Songs, die in dieser Epoche angesiedelt sind und sich an Themen wie Freiheit sowie weibliche Selbstbestimmung orientieren. Gemeinsam mit dem Bernd Fröhlich Orchester treten Juliette Khalil und Julia Koci auf. 

Tasse setzt die Tradition der Damenspende fort

Auch die Julius-Meinl-Kaffeesiederballtasse greift 2027 das Ballmotto auf (LEADERSNET berichtete). Sie wird in limitierter Auflage als Damenspende an die Besucherinnen ausgegeben. Damit setzt der Ball seine Verbindung von Gebrauchsgegenständen, Kunst und Kaffeehauskultur fort. Für die Ausgabe 2026 hatte Noushin Redjaian einen Kunstfächer gestaltet, der mit dem Motiv des Blicks arbeitete (LEADERSNET berichtete). 

Christina Meinl, Vice President Group Strategies and Corporate Communication des Wiener Kaffeerösters Julius Meinl, betont den inhaltlichen Bezug zur kommenden Ballnacht: "Die Wiener Kaffeehauskultur steht für Begegnung, Austausch und freie Gedanken. Frauen haben diese Kultur über Generationen geprägt – als Gastgeberinnen, Unternehmerinnen, Künstlerinnen, Denkerinnen und Gäste. Dass der Kaffeesiederball 2027 ihnen gewidmet ist, setzt ein wichtiges Zeichen. Mit der Kaffeesiederballtasse greift Julius Meinl dieses Thema auf und schafft ein bleibendes Erinnerungsstück an eine Ballnacht, die Frauen und freien Gedanken gewidmet ist."

Unterstützung für den Canisibus

Als Charity-Projekt unterstützt der Klub der Wiener Kaffeesiederinnen und Kaffeesieder 2027 Canisibus der Caritas der Erzdiözese Wien. Dessen Teams bringen jeden Abend, auch an Wochenenden und Feiertagen, warme Suppe und Brot zu Menschen in Not. Nach Angaben der Caritas werden täglich bis zu 400 Gäste versorgt und jährlich rund 100.000 Teller Suppe ausgegeben. Finanziert wird das Angebot durch Spenden.

Berndt Querfeld, Obmann des Klubs der Wiener Kaffeesiederinnen und Kaffeesieder, erklärt: "Die Gäste des Canisibus können sich darauf verlassen, dass die Fahrzeuge jeden Tag zur selben Zeit an denselben Plätzen stehen und sie dort eine gute Mahlzeit erhalten. Diese Sicherheit und die Begegnung mit den freiwilligen Teams, die für die Gäste da sind und wertschätzend auf sie zugehen, das unterstützen wir sehr gerne."

Einen Eindruck von der Plakat- und Programmpräsentation können Sie sich in Kürze mittels Galerie verschaffen. 

www.kaffeesiederball.at

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