Wie sich die Energiezukunft Österreichs sicher, leistbar und klimafreundlich gestalten lässt, stand im Mittelpunkt des Oesterreichs Energie Kongresses 2026, der am Mittwoch und Donnerstag unter dem Motto "Zukunft unter Strom" in der Wiener Hofburg über die Bühne ging. Mehr als 800 Teilnehmer:innen aus Energiewirtschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft nutzten die zweitägige Veranstaltung, um über den Ausbau der Erneuerbaren, Versorgungssicherheit und Resilienz zu sprechen. Ebenso auf der Agenda standen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts, die fortschreitende Elektrifizierung sowie die Frage, welche Rolle Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Energiesystem künftig spielen werden.
Energiewende als gemeinsame Aufgabe
Dass das Thema längst nicht mehr nur die Branche selbst betrifft, zeigte sich bereits bei der Eröffnung. "Wenn ich in den Raum blicke, sehe ich Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen, aber eines eint uns: Wir alle wollen eine sichere, saubere und leistbare Energiezukunft", so Barbara Schmidt (Generalsekretärin von Oesterreichs Energie) in ihrer Begrüßungsrede. Sie betonte, dass sich die Veranstaltung als Plattform verstehe, auf der unterschiedliche Blickwinkel aufeinandertreffen, um bessere Fragen stellen und schließlich gemeinschaftlich tragfähige Lösungen finden zu können. "Wir müssen den Umbau als Teamplay verstehen", appellierte Michael Baminger (Präsident von Oesterreichs Energie) dazu an das Publikum.
Eine politische Perspektive brachte gleich zum Auftakt Wolfgang Hattmannsdorfer (Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus) ein und erklärte: "Energie steht ganz oben auf der Agenda der Bundesregierung." Dabei verwies er auf die enge Verbindung zwischen einer stabilen Energieversorgung und der Konkurrenzfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.
Erster Tag rückte Marktöffnung, Resilienz und Vertrauen in den Fokus
Durch das zweitägige Programm, das auch eine Videobotschaft von Bundespräsident Alexander Van der Bellen umfasste, führten ORF-Journalistin Mari Lang und Presse-Wirtschaftsressortchef Jakob Zirm. Im Anschluss an die Eröffnungsreden beleuchtete Herbert Diess (Aufsichtsratsvorsitzender der Infineon Technologies AG und früherer Vorstandschef von Volkswagen), welche Bedeutung Energie für die Industrie hat. Unter dem Leitgedanken "Alles wird elektrisch, was man elektrifizieren kann" skizzierte er eine weitgehend elektrifizierte Welt.
Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Strommarktliberalisierung zog danach eine hochkarätige Runde Zwischenbilanz und diskutierte, wie das Energiesystem der kommenden Jahrzehnte aufgestellt sein muss. Auf dem Podium debattierten Schmidt, Franz Angerer (Geschäftsführer, Österreichische Energieagentur), Markus J. Beyrer (Generaldirektor, BusinessEurope) sowie Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus).
Angesichts geopolitischer Spannungen, Preisschocks auf den Energiemärkten und zunehmenden Wetterextreme rückten am Nachmittag Resilienz und Versorgungssicherheit ins Zentrum. Florence Gaub (Forschungsdirektorin am NATO Defense College in Rom) zeigte aus Sicht der Zukunftsforschung, wie sich Informationen strukturieren und in konkrete Entscheidungen übersetzen lassen.
Welche Lehren aus Energie-, Klima- und Sicherheitskrisen zu ziehen sind, erörterten im Anschluss Energieexperte Johannes Benigni (Geschäftsführer, JBC Vienna), Kavita Surana (Professorin und Leiterin des Institute for Data, Energy, and Sustainability, Wirtschaftsuniversität Wien) und Gerald Tretter (Partner, BearingPoint). Eingeordnet wurde die Debatte von den drei Spartensprechern von Oesterreichs Energie: Karl Heinz Gruber (Spartensprecher Erzeugung; Geschäftsführer, Verbund Hydro Power), Jörg Sollfelner (Spartensprecher Handel und Vertrieb; Geschäftsführer, EVN Energieservices) und Franz Strempfl (Spartensprecher Netze; Geschäftsführer, Energienetze Steiermark).
Wie Vertrauen und eine sachliche Kommunikation in der oft emotional geführten Energiedebatte gelingen können, diskutierten im weiteren Programmverlauf Lukas Bittner (Referatsleiter Militärstrategie, Bundesministerium für Landesverteidigung), Christoph Hofinger (Geschäftsführer, Foresight), Bernhard Müller (Industry Lead Aerospace & Defence, PwC Österreich) und Elke Ziegler (Leiterin der Wissenschaftsredaktion im ORF).
Eines der Highlights des Tages war die Ehrung des Branchennachwuchses. So wurden vier junge Talente für wissenschaftliche und technische Arbeiten zu aktuellen Fragestellungen der E-Wirtschaft mit dem Oesterreichs Energie-Preis ausgezeichnet. Überdies wurde der von Oesterreichs Energie und Verbund initiierte Roland-Langthaler-Preis verliehen. EVN-Vorstandssprecher Stefan Szyszkowitz leitete schließlich zum Abendempfang im Palais Niederösterreich über.
Strompreis, Elektrifizierung und KI am zweiten Tag
Den zweiten Kongresstag eröffnete Erwin Raffeiner (CEO und Mitgründer von Sprecher Automation) mit einem Impuls dazu, wie lokale Wertschöpfung Abhängigkeiten verringern und die Versorgungssicherheit stärken kann. Um den Preis und den Wert von Strom ging es danach mit Herwig Hauenschild (Geschäftsführer der Energieallianz Austria), Martin Hoyer (Partner und Lead Strategy and Execution for Power & Utilities Europe West, EY-Parthenon), Manuela Lenk (Generaldirektorin der Statistik Austria) und Michael Strebl (Vorstand der E-Control). Die Elektrifizierung von Wärme, Mobilität und Industrie sowie der nötige Ausbau von Netzen, Speichern und Flexibilitätsoptionen standen im Mittelpunkt der folgenden Session mit Frederik Beelitz (Head of Advisory DACH bei Aurora Energy Research), Tara Esterl (Leiterin der Competence Unit Integrated Energy Systems im AIT Austrian Institute of Technology), Alfons Haber (Vorstand der E-Control) und Michael Weinhold (Leiter der Stabstelle Innovation & Technologie Smart Infrastructure bei Siemens).
Einen Blick über die Grenzen warfen Kristian Ruby (Generalsekretär von Eurelectric), Eva Tatschl-Unterberger (Geschäftsführerin von KNG-Kärnten Netz) und Dietmar Wiesinger (Vorstand von Cancom Austria), die internationale Erfolgsmodelle auf ihre Übertragbarkeit auf Österreich abklopften.
Einen eigenen Themenblock erhielten Digitalisierung und KI, wobei Nathalie Alon (Legal & Compliance Director, Novo Nordisk), Tobias Glück (Leiter der Competence Unit Complex Dynamical Systems, AIT Austrian Institute of Technology), Wolfgang Groeller (Principal Solutions Architect, Fortinet) und Sadet Kaya-Stein (Senior Program Managerin und KI-Expertin, ACOmarket) sowohl die Potenziale als auch die Risiken für das Energiesystem und dessen Cybersicherheit beleuchteten.
Gedächtnistrainer Markus Hofmann beschäftigte sich im Anschluss mit dem Stellenwert menschlicher Fähigkeiten in Zeiten von KI und ließ das Publikum bei praktischen Übungen selbst aktiv werden, bevor Baminger zum Abschluss eine positive Bilanz zog: "Der Kongress hat geschafft, die Vielfalt der Herausforderungen und die Vielfalt der Perspektiven zu zeigen." Für die Branche sei es entscheidend, sich nicht nur untereinander auszutauschen, sondern gezielt auch Expertise und Standpunkte von außerhalb einzubinden.
Eindrücke vom Kongress finden Sie in der Galerie.
www.oesterreichsenergie.at
Kommentar veröffentlichen