Fotos vom Pressefrühstück
Immer mehr Menschen suchen ihren Lebensmittelpunkt im Waldviertel

| Redaktion 
| 15.09.2026

Besonders Einfamilienhäuser und bezugsfertige Bestandsobjekte sind gefragt, während das verfügbare Angebot knapp bleibt. Gleichzeitig sorgt der anhaltende Zuzug dafür, dass zusätzlicher Wohnraum benötigt wird.

Im Rahmen eines Pressefrühstücks zum Thema "Wohnen im Waldviertel" wurden aktuelle Zahlen zur Entwicklung des regionalen Immobilienmarktes und zum Zuzug in die Region präsentiert. Peter Weinberger, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien NÖ/Wien/Burgenland, Interkomm-Obmann und Weitraer Bürgermeister Patrick Layr sowie Regionalentwickler Josef Wallenberger beleuchteten dabei die Situation am Immobilienmarkt und die Attraktivität des Waldviertels als Wohnstandort. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten, gestiegener Zinsen und schwacher Konjunktur zeigt sich der Markt 2026 stabiler als in den vergangenen Jahren. Gleichzeitig bleibt das Angebot insbesondere bei gefragten Bestandsimmobilien knapp, so die Experten.

Immobilienmarkt zeigt stabile Entwicklung

Im Jahr 2025 wurden im Waldviertel 1.855 Immobilien mit einem Gesamtwert von 196 Millionen Euro verkauft. Damit lag das Ergebnis leicht über jenem des Vorjahres, aber weiterhin deutlich unter dem Niveau der Boomjahre 2021 und 2022. 

Auch die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 weisen auf eine stabile Entwicklung hin. In diesem Zeitraum wurden 642 Transaktionen registriert, nach 650 Verkäufen im ersten Halbjahr 2025. Das Transaktionsvolumen erhöhte sich gleichzeitig geringfügig von 52 auf 53 Millionen Euro.

"Der Immobilienmarkt im Waldviertel zeigt sich insgesamt wieder freundlicher. Allerdings trifft eine aktuell wieder steigende Nachfrage auf stagnierendes Angebot, insbesondere bei neuen Immobilien", fasst Weinberger die Situation zusammen.

Nach den Preisrückgängen der Jahre 2023 und 2024, die laut den Experten vor allem auf höhere Zinsen und verschärfte Kreditvergabebedingungen zurückzuführen waren, stabilisierte sich der Markt und legte 2025 wieder zu. 

Einfamilienhäuser werden wieder teurer 

Die gefragteste Immobilienart im Waldviertel bleibt das Einfamilienhaus. Im Jahr 2025 wurden dafür durchschnittlich rund 2.300 Euro pro Quadratmeter bezahlt. Gegenüber den rund 1.800 Euro des Vorjahres entspricht das einem Plus von 27 Prozent. 

Auch Grundstückspreise verteuerten sich. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis erhöhte sich von 20 auf 26 Euro. Damit hätten die Grundstückspreise das Niveau des Boomjahres 2022 beinahe wieder erreicht, erklärte Weinberger. Damals seien bis zu 30 Euro pro Quadratmeter bezahlt worden. Bei Einfamilienhäusern bestehe hingegen noch Abstand zu den Höchstwerten der Jahre 2021 und 2022, als die Preise laut dem Experten bei bis zu 2.600 Euro pro Quadratmeter gelegen haben. 

Anders entwickelte sich der Wohnungsmarkt. Wohnungen waren 2025 mit durchschnittlich rund 2.400 Euro pro Quadratmeter etwas günstiger als im Vorjahr, als der Wert noch bei etwa 2.700 Euro gelegen hatte. 

Bestandsimmobilien besonders gefragt

Das Interesse an Wohnimmobilien blieb laut Raiffeisen Immobilien auch im ersten Halbjahr 2026 rege. Die Preise entwickelten sich stabil bis leicht steigend. Besonders gefragt sind Einfamilienhäuser sowie Bestandsobjekte in gutem Bauzustand. Das entsprechende Angebot ist allerdings begrenzt. 

"Angesichts stark gestiegener Baukosten stellen bestehende Häuser für eine wachsende Kundengruppe eine attraktive Alternative zum Neubau dar", erläutert Weinberger.

Notwendige Arbeiten würden bei gebrauchten Immobilien vielfach schrittweise durchgeführt und die Gebäude nach und nach an die Bedürfnisse der neuen Eigentümer:innen angepasst. Ein Vorteil des Waldviertels sei den Experten nach das in diesem Zusammenhang breite Angebot an vergleichsweise günstigen Handwerksbetrieben. 

Menschen aus Ballungsräumen zieht es ins Waldviertel 

Auch während der Hitzewellen des heurigen Sommers blieb das Interesse laut Raiffeisen Immobilien hoch. Vor allem Menschen aus Ballungszentren würden das klimatisch angenehmere Waldviertel wieder stärker als möglichen Wohnort wahrnehmen. 

"Menschen aus den Ballungszentren entdecken das klimatisch angenehmere Waldviertel wieder verstärkt für sich", sagt Weinberger. Dazu zählten sowohl Interessierte an einem Zweitwohnsitz als auch Best Ager, die einen Wohnort für ihren nächsten Lebensabschnitt suchten.

Beide Gruppen interessieren sich laut Weinberger vor allem für kleine bis mittelgroße Landhäuser mit einer Fläche von bis zu 150 beziehungsweise 170 Quadratmetern. Gut erhaltene Immobilien dieser Größenordnung seien jedoch zu wenig verfügbar.

Bei der Suche nach einem Alterswohnsitz würden mittlerweile auch Randlagen häufiger akzeptiert. Best Ager müssten nicht mehr beruflich nach Wien pendeln und seien vielfach mobil genug, um mit einer weniger umfassenden Infrastruktur umzugehen.

Waldviertel verzeichnet weiterhin mehr Zu- als Wegzüge

Auch die Wanderungszahlen zeigen einen anhaltenden Zuzug. Laut Statistik Austria verlegten im vergangenen Jahr 5.285 Menschen ihren Hauptwohnsitz in die NUTS-3-Region Waldviertel. 1.269 von ihnen kamen aus Wien, weitere 542 aus dem Wiener Umland. Insgesamt zogen 329 Personen mehr in die Region als von dort weg.

Eine positive Wanderungsbilanz verzeichneten auch die Bezirke Gmünd, Horn, Krems Land und Waidhofen an der Thaya sowie die Stadt Krems. Eine Ausnahme bildete der Bezirk Zwettl mit einem Minus von 97 Personen. 

Der Zuzug reicht allerdings nicht aus, um die natürliche Bevölkerungsentwicklung vollständig auszugleichen. 1.519 Geburten standen 2.571 Sterbefällen gegenüber. Daraus ergibt sich eine negative Geburtenbilanz von 1.052 Personen.

"Zuzug ist und bleibt wichtig für das Waldviertel! Daher möchten wir das Waldviertel und das Lebensgefühl hier sichtbar machen und zeigen, wie modernes Leben in der Region tatsächlich aussieht",  sagte Interkomm-Obmann Patrick Layr.

Der Verein Interkomm setzt bereits seit 2008 auf die Positionierung der Region unter der Marke "Wohnen im Waldviertel – Wo das Leben neu beginnt." Seit dem Start des Projekts wurden insgesamt 88.953 Hauptwohnsitze im Waldviertel gegründet, so Layr. 

Leistbares Wohnen und Sicherheit als Argumente

Neben der Lebensqualität wird auch Sicherheit als ein Grund für das Interesse an der Region genannt. Regionalentwickler Josef Wallenberger versteht darunter unter anderem finanzielle Sicherheit durch leistbares Wohnen, berufliche Perspektiven, Versorgungssicherheit und Stabilität.

"Neben dem noch leistbaren Wohnraum und der enormen Lebensqualität ist es das Thema Sicherheit, das die Menschen überzeugt", so Wallenberger.

Besonders interessant ist dabei die Altersstruktur der Zuziehenden. Die größte Gruppe sei zwischen 20 und 37 Jahre alt und komme häufig bereits mit Familie ins Waldviertel oder plane, in naher Zukunft eine Familie zu gründen. Dabei spiele auch die Frage eine Rolle, wo die eigenen Kinder aufwachsen und zur Schule gehen sollen.

Fehlendes Angebot wird zur Herausforderung

Der Nachfrage nach Wohnraum steht ein begrenztes Angebot gegenüber. Die 66 Mitgliedsgemeinden von Interkomm suchen daher nach Eigentümer:innen, die Immobilien verkaufen oder vermieten möchten. Über die Website "Wohnen im Waldviertel" können entsprechende Objekte kostenlos inseriert werden.

Neben Baugrundstücken stehen vor allem bezugsfertige Bestandsimmobilien im Fokus. Viele Interessierte wollten demnach möglichst rasch in die Region übersiedeln und ihr neues Zuhause anschließend Schritt für Schritt sanieren. Dieses Vorgehen könne auch die Finanzierung erleichtern. Selbst ehemalige Gasthäuser würden inzwischen erfolgreich zu Wohnraum umgebaut.

Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Mietwohnungen. Neben den Angeboten gemeinnütziger Wohnbauträger entstehen deshalb zunehmend neue Wohnmodelle in bestehenden Gebäuden. 

Große Häuser werden in mehrere Wohnungen geteilt

Eine Möglichkeit bestehe darin, große Einfamilienhäuser in mehrere Wohneinheiten mit separaten Eingängen aufzuteilen. Eigentümer:innen könnten dadurch weiterhin selbst im Gebäude wohnen und zusätzliche Flächen vermieten. Gleichzeitig entstehe neuer Wohnraum. Im Zuge solcher Umbauten würden häufig auch Barrierefreiheit, Energieeffizienz und Wohnkomfort verbessert werden.

Weitere Möglichkeiten bieten Einliegerwohnungen. Sie können sowohl für mehrere Generationen einer Familie als auch als leistbarer Wohnraum für jüngere Menschen genutzt werden. Dadurch könnten zudem nachbarschaftliche Strukturen entstehen, bei denen kleinere Unterstützungsleistungen im Alltag beiden Seiten zugutekommen.

"Die Zukunft vieler alter Häuser entscheidet sich nicht allein an der Bausubstanz, sondern auch an unserer Fähigkeit, Wohnen neu zu denken", sagt Wallenberger.

Interkomm und Raiffeisen Immobilien verfolgen daher das Ziel, Eigentümer:innen leerstehender Immobilien und ungenutzter Flächen mit Menschen zusammenzubringen, die Wohn- oder Geschäftsräume suchen. Auf diese Weise sollen bisher ungenutzte oder leerstehende Objekte wieder verfügbar werden.

LEADERSNET war beim Pressefrühstück. Einen Eindruck können Sie sich hier machen. 

www.raiffeisen-immobilien.at

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