Nur vier Länder vor uns
Österreich zählt bei Arbeitskosten zu den teuersten Ländern der EU

| Tobias Seifried 
| 16.08.2026

Besonders in der Industrie fallen die Kosten je geleisteter Arbeitsstunde hoch aus. Eine aktuelle Analyse zeigt zudem, wie groß die Unterschiede innerhalb Europas sind und wo heimische Unternehmen im Ranking landen.

Wie aus einer aktuellen Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht, kostete eine geleistete Arbeitsstunde Unternehmen der österreichischen Privatwirtschaft 2025 im Schnitt 46,30 Euro. Damit belegen wir im EU-Vergleich Rang fünf. Höhere Werte verzeichneten lediglich Luxemburg mit 56,20 Euro, Dänemark mit 53,30 Euro, Belgien mit 49,70 Euro und Schweden mit 46,60 Euro. Unmittelbar dahinter folgten die Niederlande mit 46,20 Euro und Deutschland mit 45,70 Euro. Der EU-Durchschnitt lag mit 34,70 Euro deutlich darunter. 

Rang Land Arbeitskosten je Stunde
(allgemein)
1 Luxemburg 56,20 Euro
2 Dänemark 53,30 Euro
3 Belgien 49,70 Euro
4 Schweden 46,60 Euro
5 Österreich 46,30 Euro
6 Niederlande 46,20 Euro
7 Deutschland 45,70 Euro
8 Frankreich 44,70 Euro
9 Irland 42,40 Euro
10 Finnland 40,60 Euro
11 Italien 31,50 Euro
12 Slowenien 30,00 Euro
13 Spanien 26,00 Euro
14 Estland 21,30 Euro
15 Zypern 19,90 Euro
16 Tschechien 19,80 Euro
17 Slowakei 19,70 Euro
18 Griechenland 19,50 Euro
19 Polen 18,30 Euro
19 Portugal 18,30 Euro
21 Kroatien 18,00 Euro
22 Litauen 17,60 Euro
22 Malta 17,60 Euro
24 Lettland 16,80 Euro
25 Ungarn 15,50 Euro
26 Rumänien 13,40 Euro
27 Bulgarien 11,80 Euro

Gegenüber dem Vorjahr erhöhten sich die österreichischen Arbeitskosten demnach um 4,5 Prozent. Damit fiel der Anstieg geringfügig stärker aus als im EU-Schnitt von 4,3 Prozent. Deutlich größere Zuwächse verzeichneten zahlreiche ost- und südosteuropäische Länder, deren absolutes Kostenniveau allerdings weiterhin erheblich niedriger liegt. Da die Produktivität in Österreich zuletzt kaum noch gestiegen ist, haben wir an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Ökonom:innen sprechen dabei gerne davon, dass sich Österreich in den letzten Jahren "aus dem Markt gepreist" habe.

Industrie auf Rang drei

Besonders weit vorne findet sich Österreich im verarbeitenden Gewerbe. Hier beliefen sich die Arbeitskosten auf 51,30 Euro je Stunde. Im EU-Ranking bedeutet das Platz drei hinter Dänemark mit 55 Euro und Belgien mit 53,40 Euro. Deutschland kam in diesem Bereich auf 49,50 Euro. Der EU-Durchschnitt lag im Industriesektor bei gerade einmal 33,70 Euro, was schon sehr viel über die unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit innerhalb des Binnenraums aussagt. 

Rang Land Arbeitskosten je Stunde
(Industriesektor)
1 Dänemark 55,00 Euro
2 Belgien 53,40 Euro
3 Österreich 51,30 Euro
4 Niederlande 49,80 Euro
5 Deutschland 49,50 Euro
6 Luxemburg 48,40 Euro
7 Schweden 47,20 Euro
8 Frankreich 47,10 Euro
9 Finnland 43,60 Euro
10 Irland 42,40 Euro
11 Italien 32,80 Euro
12 Slowenien 29,80 Euro
13 Spanien 28,20 Euro
14 Tschechien 20,20 Euro
15 Malta 20,00 Euro
16 Estland 19,50 Euro
17 Slowakei 19,30 Euro
18 Kroatien 19,20 Euro
19 Griechenland 18,20 Euro
20 Polen 17,10 Euro
21 Portugal 16,50 Euro
22 Litauen 16,40 Euro
23 Ungarn 15,60 Euro
24 Lettland 14,90 Euro
25 Zypern 14,60 Euro
26 Rumänien 12,00 Euro
27 Bulgarien 10,20 Euro

Damit erhält auch die bereits seit Längerem geführte Diskussion über die Kostenbelastung des heimischen Industriestandorts neue Nahrung. Schon vor Veröffentlichung der aktuellen IMK-Zahlen hatte die Industriellenvereinigung (IV) wiederholt auf steigende Arbeitskosten als einen jener Faktoren verwiesen, die österreichische Betriebe neben hohen Energiepreisen, zunehmender Regulierung und verschärftem internationalem Wettbewerb unter Druck setzen.

Im Zuge ihrer Zwischenbilanz zur Industriestrategie bezeichnete die Interessenvertretung Österreich als Hochkostenstandort bei Arbeit und verwies insbesondere auf die im Vergleich zu Deutschland höheren Lohnnebenkosten. IV-Präsident Georg Knill forderte deshalb einen entsprechenden Entlastungspfad. "Lohnnebenkosten wirken direkt auf Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit. Ihre Senkung ist eine der wirksamsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen überhaupt und entlastet die Breite der Unternehmen in herausfordernden Zeiten", so Knill damals.

Einen ersten Schritt in diese Richtung sieht die IV in der im Doppelbudget vorgesehenen Reduktion des FLAF-Beitrags (Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds) um einen Prozentpunkt. Aus Sicht der Interessenvertretung reicht diese allerdings noch nicht aus. Österreich zähle bei den Lohnnebenkosten weiterhin zu den Hochkostenstandorten Europas, weshalb das in der Industriestrategie festgelegte Ziel einer Senkung um insgesamt 3,7 Prozentpunkte weiterverfolgt werden müsse.

Die nun vorliegenden IMK-Daten betreffen zwar die gesamten Arbeitskosten und damit eine breitere Kennzahl als die von der IV besonders thematisierten Lohnnebenkosten. Mit 51,30 Euro je Arbeitsstunde und EU-Rang drei unterstreichen sie jedoch, dass die heimische Industrie insgesamt auf einem vergleichsweise hohen Kostenniveau produziert.

Wirtschaftskammer sieht "weiteren Weckruf"

Unmittelbar nach Veröffentlichung der Studie meldete sich auch die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) zu Wort. Generalsekretär Jochen Danninger sieht vor allem die Kombination aus steigenden Kosten und schwacher Produktivitätsentwicklung kritisch. "Problematisch wird es, wenn die Kosten wesentlich schneller steigen als die Produktivität. Genau das sehen wir in Österreich", so Danninger.

Tatsächlich weist die IMK-Analyse bei den Lohnstückkosten – also den Arbeitskosten im Verhältnis zur Produktivität – auf eine für Österreich ungünstige Entwicklung hin. Laut WKÖ verzeichnete die heimische Wirtschaft zwischen 2023 und 2025 mit durchschnittlich 6,4 Prozent den stärksten Anstieg innerhalb der EU. Auch die Arbeitskosten selbst legten 2025 mit 4,5 Prozent stärker zu als in Deutschland, wo der Zuwachs 3,4 Prozent betrug.

Für Danninger erhöht das den Handlungsdruck: "Wenn wir Wertschöpfung, Investitionen und Arbeitsplätze dauerhaft in Österreich halten wollen, müssen wir gemeinsam an den Standortkosten arbeiten." Die IMK-Studie sei ein "weiterer Weckruf" und Österreich dürfe sich im internationalen Wettbewerb nicht aus dem Markt preisen.

Als eine zentrale Stellschraube nennt die WKÖ – ähnlich wie zuvor die IV – die Lohnnebenkosten. Die angekündigte Senkung müsse rasch umgesetzt werden und dürfe nach Ansicht Danningers nicht durch zusätzliche Belastungen konterkariert werden. Darüber hinaus fordert die Interessenvertretung Strukturreformen zur Steigerung von Produktivität und Arbeitsangebot sowie einen Abbau bürokratischer Belastungen.

Österreich bei Dienstleistungen auf Rang sieben

Etwas anders als in der Industrie präsentiert sich die Situation bei privaten Dienstleistungen: Mit Arbeitskosten von 44 Euro je Stunde rangiert Österreich hier auf Platz sieben. An der Spitze liegt Luxemburg mit 61,30 Euro, gefolgt von Dänemark mit 52,80 Euro.

Die Zahlen zeigen zugleich, wie groß das Gefälle innerhalb der Europäischen Union mittlerweile ist. Während Unternehmen in Luxemburg für eine Arbeitsstunde durchschnittlich mehr als 56 Euro aufwenden, sind es in Bulgarien 11,80 Euro. Rumänien kommt auf 13,40 Euro, Ungarn auf 15,50 Euro und Polen auf 18,30 Euro.

Aufholprozess im Osten hält an

Allerdings holen die Länder mit niedrigeren Arbeitskosten teilweise rasch auf. So stiegen die Kosten 2025 in Bulgarien um 13,1 Prozent, in Rumänien um 10,6 Prozent und in Polen um zehn Prozent. Tschechien verzeichnete ein Plus von 9,6 Prozent. In der Slowakei betrug der Zuwachs 6,8 Prozent.

Damit setzt sich die Annäherung innerhalb Europas fort: Während das absolute Kostenniveau in Süd- und Osteuropa vielfach noch erheblich niedriger ausfällt, steigen die Arbeitskosten dort deutlich schneller als in vielen west- und nordeuropäischen Staaten.

Wettbewerbsfähigkeit hängt von weiteren Faktoren ab

Für die Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit greift der reine Vergleich der Stundenkosten allerdings zu kurz. Entscheidend ist laut den Studienautor:innen auch, welche Produktivität diesen Kosten gegenübersteht. Bei den sogenannten Lohnstückkosten werden deshalb Arbeitskosten und Produktivitätsentwicklung ins Verhältnis gesetzt.

Gerade dieser Zusammenhang steht im Mittelpunkt der Analyse des deutschen Instituts. Für Deutschland kommen die Studienautor:innen zum Schluss, dass die zuletzt gestiegenen Lohnstückkosten weniger auf die Entwicklung der Arbeitskosten als auf die schwache Produktivität zurückzuführen seien. Als einen Faktor identifizieren sie unter anderem zu geringe Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Digitalisierung.

www.imk-boeckler.de

www.iv.at

Über die Studie

Die Analyse stammt vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für den europäischen Arbeitskostenvergleich werden Daten von Eurostat herangezogen. Zu den Arbeitskosten zählen neben den Bruttolöhnen unter anderem Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung sowie weitere mit der Beschäftigung verbundene Kosten.

Die aktuelle Untersuchung vergleicht die Arbeitskosten je geleisteter Arbeitsstunde in den 27 EU-Staaten und differenziert unter anderem zwischen Privatwirtschaft, privatem Dienstleistungssektor und verarbeitendem Gewerbe.

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Über die Studie

Die Analyse stammt vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für den europäischen Arbeitskostenvergleich werden Daten von Eurostat herangezogen. Zu den Arbeitskosten zählen neben den Bruttolöhnen unter anderem Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung sowie weitere mit der Beschäftigung verbundene Kosten.

Die aktuelle Untersuchung vergleicht die Arbeitskosten je geleisteter Arbeitsstunde in den 27 EU-Staaten und differenziert unter anderem zwischen Privatwirtschaft, privatem Dienstleistungssektor und verarbeitendem Gewerbe.

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