Technologischer Wandel, wirtschaftliche Unsicherheit und gesellschaftliche Veränderungen stellen Unternehmen und Entscheidungsträger:innen vor neue Herausforderungen. Beim dritten Zukunftsforum Ramsau am Dachstein ging es deshalb nicht nur darum, aktuelle Entwicklungen zu analysieren, sondern vor allem um die Frage, wie daraus neue Möglichkeiten entstehen können. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten Künstliche Intelligenz und der bewusste Umgang mit Risiken.
Unter dem Motto "Die Champions der Zukunft sind Wir! No Risk – No Success!" kamen am 30. September und 1. Oktober 2026 rund 300 Teilnehmer:innen im Eventzentrum Ramsau zusammen. 52 Speaker:innen aus unterschiedlichen Branchen und Generationen gestalteten eineinhalb Tage mit Keynotes, Paneldiskussionen und persönlichem Austausch.
Zwischen Sicherheit und Mut zum Risiko
Für die Veranstalter:innen Michaela Stadler, Christoph Stadler und Anton Schutti steht fest, dass eine ausschließliche Konzentration auf Sicherheit angesichts technologischer Umbrüche, wirtschaftlicher Unsicherheiten und gesellschaftlicher Veränderungen nicht ausreiche. Wer nur auf Sicherheit setze, werde Chancen verpassen. Um als "Champion der Zukunft" aus diesen Veränderungen hervorzugehen, brauche es die Bereitschaft, etwas zu wagen.
Gleichzeitig wollen die Veranstalter:innen in Österreich eine nachhaltige Unternehmenskultur unterstützen, die von Chancenorientierung, Offenheit und Zusammenarbeit geprägt ist. An der grundlegenden Zielsetzung des Forums habe sich seit dessen Beginn nichts geändert: "Unsere Vision bleibt dieselbe, die wir schon vor dem ersten Zukunftsforum hatten: Wir wollen die Plattform für alle sein, die nicht nur über Wandel reden, sondern ihn aktiv mitgestalten."
Wie unterschiedlich Risiko im Wirtschaftsleben bewertet wird, zeigte die Diskussion auf der Bühne. Oliver Kröpfl, Vorstand der Steiermärkischen Sparkasse, verwies darauf, dass "Risk und Success" für eine Bank zum Tagesgeschäft gehörten. Wer zu vorsichtig agiere, werde seine Ziele in der Regel nicht erreichen. Auch Fehler seien Bestandteil des täglichen Geschäfts.
Beim Thema Künstliche Intelligenz sieht Kröpfl vor allem die Gefahr, die Diskussion zu zerreden. Die entscheidende Frage sei nicht, ob sich die Welt verändern werde, sondern mit welcher Geschwindigkeit diese Veränderung erfolge.
Menschliche Verantwortung trotz Künstlicher Intelligenz
Welche Konsequenzen KI für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft haben wird, gehörte zu den zentralen Fragen der Veranstaltung. Barbara Eibinger-Miedl, Staatssekretärin im Bundesministerium für Finanzen, betonte dabei die Bedeutung menschlicher Beziehungen: "Auch wenn die Zukunft von Künstlicher Intelligenz geprägt sein wird – erfreulich und entscheidend ist, dass Zwischenmenschliches immer Bedeutung haben wird."
Gerade für die Politik sehe sie jedoch große Gefahren durch Fake News, insbesondere während Wahlkämpfen. Auch deshalb müsse der Mut vorhanden sein, unbequeme Wahrheiten anzusprechen. Vertrauen könne letztlich nur entstehen, wenn Planbarkeit vermittelt werde.
Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark, wiederum forderte eine Abkehr vom Mittelmaß. Es fehle an Selbstbewusstsein hinsichtlich der eigenen Stärken. Bei KI plädierte Herk für einen pragmatischen Zugang. Es liege an den Menschen selbst, die bereits vorhandenen Werkzeuge einzusetzen, während allgemeine Ängste niemanden weiterbrächten. Gleichzeitig müsse man sich bewusst sein, dass durch Künstliche Intelligenz zahlreiche Berufe verschwinden würden.
KI-Experte und Keynote Speaker Christoph Burkhardt rückte die Grenzen der Technologie in den Vordergrund. Zwar treffe KI bereits viele Entscheidungen, "die letzte Verantwortung aber wird immer beim Menschen liegen". Den wesentlichen Unterschied sieht Burkhardt in der Denkweise. KI denke in Wahrscheinlichkeiten, Menschen hingegen in Möglichkeiten.
Vor allem dürfe nicht aus den Augen verloren werden, dass man es weiterhin mit Maschinen zu tun habe. Burkhardt selbst sehe KI als etwas sehr Positives. Deutlich kritischer beurteile er allerdings oftmals jene Menschen, die diese Technologie entwickelten und benutzten.
Kreativität bleibt im Journalismus entscheidend
Auch die Medienbranche beschäftigt die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung. Clemens Schwaiger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kronen Zeitung, stellte fest, dass KI auch im Journalismus alles schneller mache. Genau diese Beschleunigung betrachtet er jedoch als gefährliche Entwicklung.
Für die Qualität journalistischer Angebote werde Kreativität zunehmend entscheidend. Schwaiger geht davon aus, dass Leser:innen langfristig erkennen würden, dass KI-generierte Texte auf Dauer nicht spannend genug seien. Schließlich gehe es bei der Anwendung von KI nicht ausschließlich um eine Steigerung der Produktivität.
Die Beschäftigung mit der Technologie hält er dennoch für unverzichtbar. "Jede:r Einzelne von uns, und da meine ich nicht nur Journalist:innen, muss tief in die KI hineinschauen, um jene Tools zu finden, die ihm persönlich dienlich sein können", so Schwaiger.
Laura Bornmann, Expertin für HR und Leadership im KI-Zeitalter, beschrieb die aktuelle Entwicklung als eine besondere Phase, weil Technologie erstmals dabei sei, menschliche Intelligenz zu ersetzen. Dennoch betrachtet sie KI nicht als Jobkiller, sondern als "Jobwandler". Dies müsse nicht zwangsläufig negativ sein. Bornmann verwies in diesem Zusammenhang auf eine Studie, wonach weltweit lediglich neun Prozent der Mitarbeiter:innen ihren Beruf mit echter Leidenschaft ausübten.
Auch in einer von KI geprägten Arbeitswelt werde der Mensch ihrer Einschätzung nach im Mittelpunkt stehen. Daraus leitete sie konkrete Anforderungen an Führung ab: "Daher muss New Leadership drei Dinge erfüllen: psychologische Sicherheit schaffen, Orientierung geben und Menschen für Unbekanntes begeistern."
Kalkulierbares Risiko statt blindem Wagnis
Dass Mut zum Risiko nicht mit unkontrolliertem Handeln gleichgesetzt werden sollte, wurde in mehreren Beiträgen deutlich. Franz Mathi, COO der Knapp AG, bezeichnete zunächst die Verbindung von Sport und Wirtschaft beim Zukunftsforum als großartig. Im Wirtschaftsleben dürften keine unkalkulierbaren Risiken eingegangen werden.
Sehr wohl könne es aber zum Erfolgsfaktor werden, den Mut aufzubringen, die eigene Wohlfühlzone zu verlassen und Grenzen zu verschieben. Ein solcher Schritt könne zugleich zur persönlichen Weiterentwicklung beitragen. Mathi beobachtet darüber hinaus Veränderungen bei der Globalisierung. Diese werde nicht mehr so gelebt wie noch vor wenigen Jahren, während lokale Märkte wieder stärker in den Vordergrund rückten.
Michael Krammer, Managing Partner Ventocom, sieht gerade bei Künstlicher Intelligenz eine Situation mit vielen Unbekannten. Niemand wisse, wohin die Reise mit der Technologie führen werde. Deshalb müsse auf verschiedenen Ebenen ein gewisses Maß an Risiko akzeptiert werden.
Eine klare Grenze zieht Krammer allerdings bei nicht abschätzbaren Entscheidungen: "Blindes Riskieren ohne Abschätzbarkeit ist verantwortungslos, Vorkehrungen für ein etwaiges Scheitern sind wichtig, das nennt man dann Strategie." Die größte Herausforderung der nahen Zukunft sieht er darin, sich auf jene Dinge zu konzentrieren, die innerhalb der eigenen Möglichkeiten liegen, statt den Fokus auf globale Entwicklungen zu richten, die ohnehin nicht beeinflusst werden könnten.
Stillstand als größeres Risiko
Sandra Gerold, Business Manager bei IKEA, sieht ihr Unternehmen bei mutigen Schritten gerne mit dabei. Der Konzern sei seit gut 80 Jahren erfolgreich auf dem Weltmarkt tätig und verstehe sich als Vorreiter sowie Partner der jungen Generation. Für unkalkulierbares Risiko stehe IKEA allerdings nicht.
Wesentlich sei vielmehr, dass Fehler möglich sein dürften und ein Unternehmen hinter einer einmal getroffenen Entscheidung stehe. "Das größte Risiko sind Stillstand und Schockstarre", erklärte Gerold. Auch die Definition einer erfolgreichen Zukunft gehe für IKEA über wirtschaftliche Kennzahlen hinaus. Nicht bessere Quartalszahlen seien das Ziel, sondern eine bessere Welt für die eigenen Kinder zu schaffen.
Martin Ohneberg, CEO der Henn Connector Group, sieht im Zukunftsforum Ramsau eine "perfekte Symbiose aus Mensch, Leistung, Sport, Gesellschaft, Content und Networking". Dem Veranstaltungsmotto "No Risk – No Success" würde er aus voller Überzeugung noch "No Fun" hinzufügen.
Spaß an der Arbeit sei ein wesentliches Element für Erfolg. Gleichzeitig brauche Innovation die Bereitschaft, Risikogrenzen zu verschieben. Dieses Vorgehen müsse allerdings dort enden, wo die Existenz eines Unternehmens gefährdet werde. Selbst im "worst case" müsse dessen Weiterbestand möglich sein. Entscheidend seien letztlich ein positiver Zugang sowie Perspektiven, Orientierung und Zuversicht.
Forschung abseits eingetretener Pfade
Dass Risikobereitschaft nicht auf klassische Unternehmen beschränkt ist, machte Horst Bischof, Rektor der TU Graz, deutlich. Er bezeichnete das Zukunftsforum als eines der großen Highlights, wenn es um neue Impulse, den Aufbau von Netzwerken und die Erweiterung des eigenen Horizonts gehe.
Das Motto "No Risk – No Success" lasse sich trotz des auf den ersten Blick ungewöhnlichen Zusammenhangs auch auf eine Universität übertragen. Schließlich sei die TU Graz als einer der größten Arbeitgeber in Graz eng mit der Wirtschaft verbunden.
In der Forschung werde täglich "absolutes Risiko" eingegangen. Bischof brachte den Grund dafür auf eine kurze Formel: "Auf eingetretenen Pfaden erreicht man keine neuen Ziele."
Kalkulierbares Risiko in der Praxis
Wie kalkulierte Risiken in der Praxis aussehen können, zeigte Peter Umundum, Vorstandsmitglied der Post AG, anhand der internationalen Expansion des Unternehmens. Die Post sei in den vergangenen 20 Jahren in 15 Länder expandiert und stelle dort mittlerweile jährlich eine halbe Milliarde Pakete zu. Darüber hinaus habe das Unternehmen zuletzt 500 Millionen Euro in Österreich investiert.
Als börsenorientiertes Unternehmen sei die Post bei Risikoinvestitionen gegenüber ihren Aktionär:innen verantwortlich. Trotzdem habe sie sich in den vergangenen Jahren beispielsweise für einen Einstieg in der Türkei entschieden. Von dort aus wolle man nach Aserbaidschan und Georgien gehen. Das Risikoprofil in diesen Ländern unterscheide sich von jenem in Österreich, dennoch sei dieser Schritt für die Post essenziell gewesen.
Sport als Faktor für Österreichs Zukunft
Bereits vor Beginn des eigentlichen Zukunftsforums rückte eine weitere Veranstaltung die Bedeutung des Sports in den Mittelpunkt. Zum zweiten Mal wurde der Sportgipfel abgehalten, diesmal unter dem Motto "Mehr als Bewegung – warum Sport ein Schlüssel für Österreichs Zukunft ist".
Die Diskussion konzentrierte sich auf zwei Themenbereiche. Zum einen ging es um die Bedeutung von Sport und Bewegung im Zusammenhang mit einer nationalen Gesundheitsstrategie. Zum anderen beschäftigten sich die Teilnehmer:innen unter dem Titel "Impact neben Spektakel – Der wahre Wert von Sport-Großevents" mit den Auswirkungen großer Sportveranstaltungen.
Unter anderem diskutierten Susanne Riess-Hahn, Präsidentin der Österreichischen Sporthilfe, ÖOC-Präsident Horst Nussbaumer, Sport-Austria-Präsident Hans Niessl und Weltklasse-Skilangläuferin Teresa Stadlober.
Die Verbindung zwischen Sport und Wirtschaft griff auch Franz Mathi auf. Gerade das Verlassen der eigenen Wohlfühlzone und das Verschieben persönlicher Grenzen könnten seiner Ansicht nach nicht nur im Wirtschaftsleben Erfolgsfaktoren darstellen, sondern auch zur persönlichen Weiterentwicklung beitragen.
"Kompass" für die Zukunft
Die Resonanz der rund 300 Teilnehmer:innen werteten die Veranstalter:innen als Motivation und Ansporn für die Fortsetzung. Das Zukunftsforum habe 2026 erneut einen "Kompass" gelegt, "um aus den Herausforderungen unserer Zeit echte Chancen zu generieren". Zugleich bilde die Resonanz für Michaela Stadler, Christoph Stadler und Anton Schutti das Fundament für das Zukunftsforum 2027.
Einen Eindruck von der Veranstaltung können Sie sich hier machen.
www.zukunftsforum.net
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