Fotos von "The Future of Fact Checking"
APA-Konferenz rückte Medienbildung gegen Desinformation in den Fokus

| Janet Teplik 
| 30.09.2026

Eine österreichische Studie zeigt eine Lücke zwischen Problembewusstsein und dem Erkennen von Falschmeldungen. In Wien diskutierten Fachleute über Vertrauen in Journalismus, Bildungsangebote für Jugendliche und Risiken für Unternehmen.

Zu wissen, dass Falschinformationen ein Problem sind, bedeutet noch nicht, sie im Alltag zuverlässig zu erkennen. Wie Medienbildung diese Lücke verkleinern kann, stand am 29. September bei der vierten Ausgabe der APA-Fachkonferenz "The Future of Fact Checking" im Wiener Tech Gate im Mittelpunkt. Unter der Moderation von ORF-Redakteur Stefan Lenglinger diskutierten Vertreter:innen aus Journalismus, Wissenschaft, Politik und Bildung über den Umgang mit Desinformationen und dessen Bedeutung für die demokratische Gesellschaft. 

Dabei ging es sowohl um die Fähigkeit, einzelne Behauptungen zu überprüfen, als auch um die Voraussetzungen für Vertrauen in verlässliche Informationen. APA-Geschäftsführerin Maria Scholl (LEADERSNET berichtete) verwies zum Auftakt auf die Veränderungen, die Künstliche Intelligenz für Medien und Bildung mit sich bringt. "Wir brauchen Skepsis. Aber dringender brauchen wir Journalismus. Und noch dringender brauchen wir Vertrauen, das sich nach ein bisschen gesunder Skepsis einstellt", sagte Scholl. Unterschiedliche Meinungen bräuchten eine gemeinsame, auf Fakten beruhende Realität.

Problembewusstsein allein reicht nicht aus

Einen empirischen Bezugspunkt lieferte Kommunikationswissenschaftlerin Manuela Grünangerl von der Universität Salzburg. Sie verwies auf die Studie "Digital Skills Austria IV", die im Auftrag der RTR Medien von einem Forschungsteam der Universitäten Salzburg und Linz durchgeführt wurde. Die 2026 veröffentlichte Untersuchung basiert auf einer Online-Erhebung aus Juli und August 2025 unter Personen ab 14 Jahren mit Internetzugang.

Die Ergebnisse zeigen ein hohes Problembewusstsein. 70 Prozent der Befragten bewerteten Falschinformationen als eher großes oder sehr großes Problem für das Vertrauen in die Politik. Beim Vertrauen in Medien waren es 69 Prozent, bei Wahlen und Abstimmungen 67 Prozent. Die Fähigkeit, konkrete Nachrichten richtig einzuordnen, fiel allerdings je nach Inhalt unterschiedlich aus. Die Studie beschreibt somit die Zusammenhänge zwischen dem Erkennen falscher Informationen, Medienkompetenz, Vertrauen und der jeweiligen Informationsumgebung. 

Grünangerl  bezeichnete Medienkompetenz bei der Konferenz als "eine klassische Querschnittsmaterie, die in vielen Lebenslagen helfen kann". Im selben Panel diskutierten EU-Abgeordneter Helmut Brandstätter (Neos), Barbara Buchegger (pädagogische Leiterin von Saferinternet.at), Oliver Scheibenbogen (klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe) von der Sigmund Freud Privatuniversität sowie Martin Puntigam (Kabarettist und Science-Buster-Mitbegründer). Brandstätter betonte die politischen Interessen, die hinter Desinformation stehen können. Puntigam hatte bereits in seiner Keynote das Ungleichgewicht zwischen dem Aufstellen und dem Widerlegen einer Behauptung angesprochen. "Eine Behauptung ist schnell aufgestellt, aber sehr schwer widerlegt."

Jugendliche sollen selbst mitgestalten

Wie sich Medienbildung praktisch vermitteln lässt, zeigte die APA anhand ihrer kostenlosen Lernplattform CheckBar. Das Angebot richtet sich insbesondere an 14- bis 19-Jährige und Lehrkräfte. Es umfasst sechs Module, darunter Grundlagen des Journalismus, Recherchetechniken und die Überprüfung von Bildern, sowie vorbereitete Unterrichtseinheiten. Die Plattform ist bereits seit Februar online (LEADERSNET berichtete). 

In der Diskussion über die Praxis der Medienbildung plädierten die Beteiligten dafür, Kinder und Jugendliche mit Angeboten anzusprechen, die an ihren Alltag anknüpfen. Vanessa Bitter, Geschäftsführerin der deutschen Nachrichtenkompetenzinitiative #UseTheNews, setzte dabei auf Beteiligung. "Aus unserer Sicht ist am wirksamsten, Schüler:innen dazu zu motivieren, mitzumachen und Inhalte auch selbst mitzuerstellen."

Mit Bitter diskutierten Wiens Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos), APA-Faktencheck-Leiter Florian Schmidt sowie Johannes Knierzinger vom Forum MedienBildung.at, der digitale Grundbildung unterrichtet. Schmidt sprach sich für mehr Wissen über die Funktionsweise künstlicher Intelligenz aus. Dazu gehöre, die technischen Grundlagen aktueller Chatbots verständlich zu erklären und verbreitete Vorstellungen von einer "Superintelligenz" einzuordnen.

Auch Unternehmen sind betroffen

Über den Bildungsbereich hinaus beschäftigte sich die Konferenz mit den Folgen von Desinformation für Unternehmen und Organisationen. Ingrid Kiefer (Leiterin der Risikokommunikation bei der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)), Florian Maringer (Geschäftsführer von Windkraft Österreich) und Markus Schwinghammer (Gründer von Disinfo Consulting) diskutierten über wirtschaftliche Schäden durch Desinformationskampagnen und die unterschiedlichen Voraussetzungen beim Verbreiten und Bekämpfen von Falschinformationen.

Damit spannte die Veranstaltung den Bogen von der individuellen Nachrichtenkompetenz zu den Folgen für Institutionen und Betriebe. Unterstützt wurde die Konferenz nach Angaben der APA vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, dem Europäischen Parlament, der Stadt Wien, der Verbund AG und der Vienna Insurance Group.

Einen Eindruck von der Veranstaltung können Sie mittels Galerie gewinnen.

www.apa.at

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